Mehr Transparenz für die Finanzen der öffentlichen Institutionen

IPSAS für die Öffentliche Hand
Die öffentliche Hand richtet ihre finanzielle Berichterstattung verstärkt an der doppelten Buchführung mit Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung aus. Zukünftig werden dabei die International Public Sector Accounting Standards (IPSAS) eine wichtige Rolle spielen.

Kommunen und Länder denken bei der finanziellen Berichterstattung um: Sie wenden sich ab von der herkömmlichen Kameralistik, die Ausgaben und Einnahmen lediglich einander gegenüberstellt. Stattdessen orientiert sich das Reporting verstärkt an der doppelten Buchführung, bei der eine Bilanz sowie eine Gewinn- und Verlustrechnung elementar sind. Viele Kommunen berichten schon jetzt über ihre Finanzen anhand landesrechtlicher Spezialgesetzgebung, die in Teilen an handelsrechtliche Regelungen angelehnt ist. Auf internationaler Ebene spielt dagegen das Regelwerk zur Rechnungslegung im öffentlichen Sektor, die International Public Sector Accounting Standards (IPSAS), eine wichtige Rolle. Dieses freiwillige Regelwerk basiert auf den International Financial Reporting Standards (IFRS).

Nato und UNO verwenden bereits IPSAS

Wichtige internationale Organisationen wie die Europäische Kommission, die Organisation für die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die NATO oder die Vereinten Nationen richten ihr Reporting bereits an IPSAS aus. „Die steigende Akzeptanz von IPSAS ist ein Katalysator für hochwertige Jahresabschlüsse, die es bei öffentlichen Institutionen bislang so nicht gegeben hat“, betont Dr. Sebastian Heintges, Partner bei PwC. Die Vorteile sind vielfältig: „Eine Berichterstattung auf Basis von IPSAS erlaubt differenzierte Aussagen über die Wirtschaftlichkeit öffentlicher Institutionen, über den Ressourcenverbrauch, aber auch insgesamt über ihre finanzielle Lage“, sagt PwC-Experte Marc Schmitt.

Auch wenn noch keine gesetzlichen Regelungen zur Einführung von IPSAS für die verschiedenen Ebenen der öffentlichen Hand (Bund, Länder, Kommunen) vorliegen, so zeichnen sich im europäischen Kontext eindeutige Tendenzen in Richtung einer an die IPSAS angelehnten Rechnungslegungssystematik ab.

IPSAS Reporting liefert fundierte Entscheidungsgrundlagen

Die Berichterstattung nach IPSAS markiert einen Paradigmenwechsel. Öffentliche Einrichtungen bekennen sich mit dieser Form der Buchführung zu einem effizienten Umgang mit Ressourcen und einem transparenteren Rechnungswesen. „IPSAS trägt auch dazu bei, Korruption vorzubeugen, weil sich Missbräuche durch das Reporting frühzeitig aufdecken lassen“, so Schmitt. Die Berichterstattung nach IPSAS liefert bessere Entscheidungsgrundlagen und erhöht das Vertrauen in öffentliche Institutionen. „IPSAS können dazu beitragen, das Finanzmanagement öffentlicher Institutionen zu verbessern“, betont Schmitt.

Zeit für die Umsetzung der neuen Rechnungslegung einplanen

Um ein Regelwerk wie die IPSAS einzuführen, sollten öffentliche Institutionen jedoch genügend Zeit einplanen. „Diese Form der finanziellen Berichterstattung betrifft die gesamte Organisation, verändert Prozesse, EDV-Systeme und Richtlinien“, sagt Heintges. PwC hat deswegen für die Einführung von IPSAS ein maßgeschneidertes Konzept entwickelt. Denn mit IPSAS sind neue Verwaltungsstrukturen und Steuerungsinstrumente gefragt. „Einen wichtigen Beitrag leistet ein Handbuch für die neue Rechnungslegung, in welchem klare Handlungsanweisungen zusammengefasst sind“, so Heintges. „Handlungsanweisen unterstützen Mitarbeiter, die neuen Bilanzierungsregeln umzusetzen und die neuen Standards zu verstehen.“

Mitarbeiter auf das Thema IPSAS vorbereiten

Den Mitarbeitern kommt eine zentrale Rolle für ein Gelingen von IPSAS zu: „Sie frühzeitig ins Boot zu holen, ist unerlässlich. Denn diese Form der Berichterstattung bedeutet einen tiefgreifenden Kulturwandel. Die Mitarbeiter müssen umdenken und sich in einigen Fällen erstmals um bilanzierungsrelevante Sachverhalte kümmern“, erklärt Schmitt. Um den Übergang zum neuen System reibungslos abzuwickeln, empfehlen PwC-Experten, Mitarbeiter zu schulen, ein Projektmanagement einzurichten und Kampagnen zu starten. Nur so ist es möglich, alle Beteiligten zu sensibilisieren sowie Arbeitsabläufe neu zu organisieren.

Alle Systeme und Prozesse auf dem Prüfstand

Mit IPSAS gehören auch Systeme und Prozesse auf den Prüfstand. Denn mit der neuen umfassenden Berichterstattung sind andere Daten und Informationen gefragt. Öffentliche Einrichtungen müssen Prozesse neu entwickeln und definieren, damit die Einführung von IPSAS gelingt. Damit eröffnet sich die Möglichkeit der technischen Modernisierung, wie Schmitt betont: „Die Umstellung auf IPSAS bietet die Chance, das bestehende IT-System anzupassen und neu auszurichten.“

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