PwC-Studie: Aufbruch zum integrierten Reporting

Unternehmer in Deutschland glauben, dass die Zukunft der Berichterstattung nur im Integrated Reporting liegen kann. Sie gehen davon aus, dass sich kein Konzern dieser Veränderung dauerhaft entziehen kann. Die Erwartungen von Stakeholdern, insbesondere von Analysten und Investoren, treiben die Entwicklung voran. Allerdings herrscht derzeit noch große Unsicherheit, wie die Informationen aus verschiedenen Unternehmensbereichen künftig miteinander verzahnt werden sollen. Kopfzerbrechen bereiten den Entscheidern auch die Verfügbarkeit und Qualität von nicht-finanziellen Informationen. Das sind zentrale Ergebnisse der PwC-Studie "Auf dem Weg zum Integrated Reporting" zum aktuellen Stand der Auseinandersetzung mit dem Thema.

"Die Entscheider haben bislang nur ungefähre Vorstellungen davon, wie sich die Unternehmensberichterstattung entwickeln müsste", sagt Nicolette Behncke, Expertin für Integrierte Berichterstattung  bei PwC im Bereich Capital Markets & Accounting Advisory Services. "Ein einheitliches Verständnis und Meinungsbild gibt es unter den Unternehmern noch nicht." Auch der Begriff "Integrated Reporting" ist nicht präzise definiert. Ebenso ist unklar, wann Integrated Reporting flächendeckend umgesetzt sein wird. Die Mehrheit der Studienteilnehmer sieht aber den Bedarf, sich mit dem Thema zu befassen. Viele Unternehmen beginnen damit, ihre bisherige Berichterstattung auf den Prüfstand zu stellen und sich Gedanken über ihr künftiges Vorgehen zu machen. Die Diskussion ist auch durch ein Papier des International Integrated Reporting Committee (IIRC) aus dem  September 2011 neu entfacht worden, das ein Rahmenkonzept für die Berichterstattung vorgibt.

Die Erwartungen von Analysten und Investoren sind gestiegen

Die Unternehmen stellen fest, dass die Erwartungen von außen deutlich gestiegen sind: Die Stakeholder bemängeln häufig Inhalt, Verständlichkeit, Qualität und fehlende Fokussierung der Unternehmensberichterstattung. Obwohl umfassende Berichte vorliegen, werden sie dem Informationsbedürfnis der Öffentlichkeit, von Analysten, Investoren und NGOs nicht mehr gerecht. Zugleich stellen die Unternehmen fest, dass ihr Geschäftsumfeld komplexer geworden ist: durch Globalisierung, Ressourcenknappheit und technologischen Fortschritt. Auch das erhöht den Bedarf an neuen Reporting-Regeln.

Das sind äußere Faktoren. Einige Unternehmen haben bereits erkannt, dass Integrated Reporting auch dem Unternehmen selbst einen Wettbewerbsvorteil verschaffen kann. "Durch integrierte Berichterstattung können Unternehmer besser einschätzen, wie tragfähig ihr Geschäftsmodell ist. Sie bekommen einen umfassenderen Überblick über die Risiken und Chancen ihres Unternehmens", so Nicolette Behncke. 

Häufiges Hindernis: die Verzahnung der Daten

Allerdings fällt die praktische Umsetzung den meisten Konzernen noch schwer. Es reicht nicht aus, nur die Informationen in einem Bericht zusammenzuführen. Auch die einzelnen Bereiche wie Rechnungswesen, Controlling, Nachhaltigkeit und Investor Relations müssen künftig stärker zusammenarbeiten. Das erfordert andere Strukturen in den Unternehmen. "Das größte Missverständnis, das wir momentan wahrnehmen: Die Konzerne glauben, dass es sich lediglich um ein Berichterstattungsthema handelt. Der Bericht steht aber nur am Ende einer neu ausgerichteten Steuerung und Überwachung des Unternehmens", sagt Hendrik Fink, Partner bei PwC und Leiter des Bereichs Sustainability.

Ebenso eine häufige Hürde: das Gewinnen von aussagekräftigen nicht-finanziellen Informationen und die Verknüpfung mit finanziellen Kennzahlen. "Nach Meinung der Befragten ist es bis dahin noch ein langer Weg", so Fink. Weitere offene Fragen: die Testierfähigkeit der Informationen, unterschiedliche Regelungen und Regulierungsdichten und sowie ein vermeintlich unscharfer Nachhaltigkeitsbegriff.

Die Unternehmen, die bereits integriertes Reporting umsetzen, sehen aber auch die Vorteile: Sie haben einen besseren Überblick über die relevanten Werttreiber und damit einen klaren Wettbewerbsvorteil.