Die Abschreibungen von Goodwills aus Unternehmensübernahmen sind im Krisenjahr 2009 im Vergleich zu den Vorjahren so gut wie nicht gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die PwC bei Prof. Dr. Martin Glaum von der Justus-Liebig-Universität Gießen in Auftrag gegeben hat. "Das unverändert niedrige Niveau der Goodwill-Abschreibungen ist zunächst überraschend", erläutert Andreas Mackenstedt, PwC-Experte für rechnungslegungsbezogene Bewertungsfragen. "Der Schluss hätte nahe gelegen, dass sich die Wertverluste am Aktienmarkt und die Verschlechterung der wirtschaftlichen Perspektiven auch in einer Abwertung von Goodwill-Positionen widerspiegeln."
Für die Studie "Making Acquisitions Transparent - Goodwill Accounting in Times of Crisis" hat Prof. Dr. Martin Glaum im Auftrag von PwC die Bilanzen von 322 europäischen Aktiengesellschaften für das Geschäftsjahr 2009 untersucht und einen Goodwill von durchschnittlich 3,6 Milliarden Euro ermittelt.
Im Vergleich dazu beliefen sich die Abschreibungen im Mittel auf lediglich rund 179 Millionen Euro. Das sind rund zwei Prozent des bilanzierten Goodwill. Damit bewegten sich die Wertberichtigungen trotz der einschneidenden Effekte aus der Finanz- und Wirtschaftskrise in etwa auf dem Niveau der Vor-Krisenjahre.
Die Befunde der Studie lassen aber nicht unbedingt den Schluss zu, dass Unternehmen fehlerhaft bilanziert haben, so PwC-Experte Andreas Mackenstedt. Vielmehr ist zu berücksichtigen, dass mit dem Standard IAS 36 ("Wertminderung von Vermögenswerten") nicht direkt das Ziel verfolgt wird, die Wertentwicklung von Akquisitionen und damit des verbundenen Goodwill im Zeitablauf zu verfolgen.
Gemäß IAS 36 müssen Unternehmen lediglich prüfen, ob der bilanzierte Goodwill durch Erlöse aus einem gedachten Verkauf einerseits oder durch die erzielbaren Wertbeiträge aus der weiteren Nutzung im eigenen Unternehmen andererseits gedeckt ist.
Der aus einer Akquisition resultierende Goodwill ist auf die operativen Geschäftseinheiten des Konzerns zu verteilen, die von den erwarteten Vorteilen der Transaktion profitieren sollen, den so genannten CGUs. Damit kann sich der Goodwill aus Transaktionen unter Umständen mit dem selbst geschaffenen Goodwill dieser Einheiten vermischen. Dieser "originäre" Goodwill kann daher einen Puffer für künftige Abschreibungsbedarfe bilden. "Darin liegt vermutlich die wichtigste Erklärung für die geringen Goodwill-Abschreibungen im Krisenjahr 2009", analysiert Andreas Mackenstedt.
Von den 322 untersuchten Unternehmen haben nur gut 40 Prozent (129 Unternehmen) ihren Goodwill tatsächlich wertberichtigt. Zudem war der durch Zukäufe des Jahres 2009 in etwa hinzugekommene Goodwill doppelt so hoch wie die Abschreibungen für denselben Zeitraum. Im Durchschnitt betrugen die Goodwill-Positionen Ende 2009 rund 44 Prozent des Eigenkapitals der Unternehmen.
"Diese Kennzahl zeigt, dass viele europäische Unternehmen weiterhin dem Risiko von Goodwill-Abschreibungen ausgesetzt sind, sofern sich das ökonomische Klima in den nächsten Jahren wieder eintrüben sollte und die durch die aktuelle Krise schon unter Druck geratenen Puffer aufgebraucht sind“, betont Andreas Mackenstedt.
Weitere Informationen finden sich in der Studie, die unten als Druckexemplar für 19,90 Euro bestellt werden kann. Wenn Sie eine pdf-Datei der Studie für 12 Euro erwerben möchten, klicken Sie bitte hier.
Making Acquisitions Transparent
Goodwill Accounting in Times of Crisis
Prof. Dr. Martin Glaum
Sven Wyrwa
Justus-Liebig-Universität Gießen
PwC Frankfurt am Main
Januar 2011
86 S.
Gedruckte Ausgabe
30 Abbildungen
12 Tabellen
ISBN 3-934803-48-2
Fachverlag Moderne Wirtschaft, Frankfurt am Main
19,90 Euro