Drei von vier kapitalmarktorientierten Unternehmen in Deutschland führen ihre Bücher ohne Fehl und Tadel. Das zeigen die Prüfungen der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung e.V. (DPR), die im Jahr 2010 ihr fünfjähriges Bestehen feierte. In den ersten fünf Jahren ihrer Tätigkeit führte die DPR über 550 Prüfungen durch, mittlerweile haben die DPR-Prüfer rund 670 mal Rechnungslegung und Jahresabschluss von kapitalmarktorientierten Unternehmen durchleuchtet.
Unternehmen stellen der DPR gute Noten für ihre Prüfungen aus: Als "sachgerecht" und "effizient" bewerten sie ganz überwiegend das Vorgehen der Prüfstelle in der Studie "Erfahrungen mit DPR-Prüfungen", die PwC in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) im Sommer 2009 durchgeführt hat. Verständlicherweise sind die Prüfungskandidaten jedoch weniger glücklich über die zusätzliche Inanspruchnahme personeller und zeitlicher Ressourcen des Unternehmens für eine DPR-Prüfung.
Herausforderung DPR-Prüfung. Das sollten Unternehmen berücksichtigen:
Drei bis sechs Monate dauert eine Prüfung durch die DPR in den meisten Fällen, haben PwC und Deutsches Aktieninstitut erhoben. In dieser Zeit sind im Durchschnitt zwei bis vier Frageschreiben der DPR zu beantworten. Hier besteht der Wunsch nach einem schnelleren Durchlauf.
Zwar sind die Prüfungen, von denen die DPR pro Jahr regelmäßig 130 bis 140 durchführt, zu einem Regelbestandteil der Finanzberichterstattung kapitalmarktorientierter Unternehmen in Deutschland geworden. Dennoch zeigten sich rund 40 Prozent der Unternehmen, die sich an der Umfrage von PwC beteiligt haben, überrascht vom Umfang der Unterlagen und Erläuterungen, die die DPR-Prüfer anforderten. Diese Quote gilt offenbar unabhängig davon, ob Unternehmen sich auf eine DPR-Prüfung vorbereitet hatten oder nicht.
Die Mehrheit der Unternehmen äußert sich jedoch positiv über die Wirksamkeit ihrer Vorbereitungsmaßnahmen. Die gesonderte Vorbereitung auf eine DPR-Prüfung ist nach Erfahrung der DPR-Experten von PwC notwendig, weil Abschlussprüfer und DPR systembedingt unterschiedliche Prüfungsansätze verfolgen. Deshalb müssen bei den Unternehmen erst neue Mechanismen etabliert werden, die auf den Adressaten DPR ausgerichtet sind. Mit einer guten Vorbereitung können die Unternehmen von ihrer Seite zu einem schnellen und damit ressourcenschonenden Prüfungsverlauf beitragen.
Die Vorbereitung auf eine DPR-Prüfung sollte die Besonderheiten im Hinblick auf den Ablauf und die relevanten Inhalte berücksichtigen.
Viele Unternehmen sehen noch Verbesserungsmöglichkeiten in ihrer Vorbereitung auf eine DPR-Prüfung: 28 Prozent wollen ihre internen Prozesse und Arbeitsweisen an künftige DPR-Prüfungen anpassen. Außerdem wollen nicht wenige künftig zur Vorbereitung von DPR-Prüfungen Abteilungen außerhalb des Rechnungswesens verstärkt einbeziehen sowie gezielt externe Unterstützung hinzuziehen.
Bei 118 im Jahr 2010 abgeschlossenen Stichproben- und Anlassprüfungen hat die DPR in 31 Fällen Fehler in der Rechnungslegung festgestellt. Dies entspricht einer Fehlerquote von 26 Prozent; im Vorjahr hatte die Fehlerquote bei 19 Prozent bei 118 geprüften Abschlüssen gelegen. Die Unternehmensgröße hat dabei offenbar keinen Einfluss auf die Fehleranfälligkeit: Bei einer differenzierten Betrachtung nach Unternehmensgröße liegt die Fehlerquote bei größeren Unternehmen, gemessen an der Zugehörigkeit zu einem Index auf dem gleichen Niveau wie bei den kleineren bzw. mittelständischen Unternehmen ohne Indexzugehörigkeit.
Nach wie vor stellt die DPR am häufigsten Fehler in der Bilanzierung von Unternehmenserwerben und -verkäufen sowie bei Impairment-Tests fest. Danach folgen fehlende oder fehlerhafte Angaben in der Segmentberichterstattung, im Risiko- und Prognosebericht sowie im Zusammenhang mit nahe stehenden Personen oder Unternehmen. Weitere wesentliche Fehlerquellen bilden die Ertragsrealisierung, die Bilanzierung von Finanzinstrumenten, Leasingverhältnissen und latente Steuern. Im Rahmen der bewussten Auswahl sind Unternehmen, die einen Börsengang oder eine andere Kapitalmarkttransaktion planen, unverändert besonders im Fokus der DPR.
Ursächlich für die Fehlerquote sind nach Ansicht der DPR der Umfang und die Komplexität der von kapitalmarktorientierten Unternehmen anzuwendenden International Financial Reporting Standards (IFRS) sowie die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise..

Dr. Bernd
Kliem
Dr. Bernd Kliem: Die DPR hat gut die Hälfte aller in Deutschland kapitalmarktorientierten Unternehmen geprüft. Sie hat sich eine hohe Akzeptanz erarbeitet und das fachliche Niveau der Prüfer der DPR wird von den Unternehmen geschätzt.
Kliem Die Besonderheit liegt in dem zur Abschlussprüfung fundamental anderen Prüfungsvorgehen. Die Fragen der DPR sind fast ausschließlich schriftlich zu beantworten, was bei komplexen Sachverhalten zu umfangreichen Dokumentationen führen kann. Zudem richtet sich die Prüfung hinsichtlich aller Fragen zentral an die Konzernmutter.

Michael
Herr
Michael Herr: Die genannten Besonderheiten können bei kurzen Antwortfristen zu einer starken Belastung der Unternehmensorganisation führen. Um einen möglichst schnellen und effizienten Prüfungsablauf zu erreichen, ist nach unseren Erfahrungen eine Vorbereitung geboten.
Michael Herr: Die Vorbereitung sollte organisatorische Aspekte genauso umfassen wie die inhaltliche Vorbereitung der wesentlichen Bilanzierungsthemen.