Zögerlich bereiten sich Deutschlands Unternehmen auf die Veränderungen vor, die International Accounting Standards Board (IASB) und Financial Accounting Standards Board (FASB) für die Financial Statement Presentation planen. Das zeigt die PwC-Studie "Das Financial-Statement-Presentation-Projekt: Viel Aufwand, wenig Nutzen?". Die tiefgreifenden Änderungsvorschläge des IASB stoßen bei deutschen Unternehmen auf große Vorbehalte. Beklagt wird insbesondere das Missverhältnis von Aufwand und Nutzen der vorgeschlagenen Änderungen.
Zwar hält man es in knapp zwei Dritteln der befragten DAX- und MDAX-Unternehmen für angemessen, sich schon vor Veröffentlichung des finalen Standards mit der neuen Darstellung der IFRS-Bilanz auseinanderzusetzen. Konkrete Projekte hat aber erst eine Minderheit gestartet."Das Verhalten der Unternehmen ist durchaus verständlich, vielen Verantwortlichen scheinen die neuen Regeln noch zu vage und in zu weiter Ferne zu liegen", erklärt Nicolette Behncke, die für PwC Unternehmen zur Darstellung ihrer Finanzkennzahlen berät, die Zurückhaltung bei den Vorbereitungen.
"Es gilt, die Diskussionen im IASB sorgfältig zu beobachten, um zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Maßnahmen einleiten zu können", sagt PwC-Expertin Behncke: "Wenn die Standardsetzer erst den 'Exposure Draft' zur Reform der Financial Statement Presentation veröffentlichen, werden sich Unternehmen unter größerem Zeitdruck mit dem Projekt auseinandersetzen müssen."
Ein Zögern könnte dann zum Bumerang werden, denn derzeit ist geplant, dass die neuen Regeln auch rückwirkend angewendet werden. Unternehmen werden also auch Vergleichszahlen aus Berichtsperioden vor dem Erstanwendungszeitpunkt in der neuen Form des Abschlusses vorstellen müssen: "Der Zeitraum für Umstellung beginnt für die Unternehmen - auch wegen des zu erwartenden Umstellungsaufwands - deutlich vor dem Erstanwendungszeitpunkt der neuen Regeln zur Financial Statement Presentation", sagt PwC-Expertin Behncke.
Inhaltliche Voranalysen, wie sie in immerhin zwei Dritteln der befragten Unternehmen für 2011 geplant oder bereits angelaufen sind, können helfen, den Aufwand für die Umstellung grob abzuschätzen, erklärt Behncke. Erst eine umfassende Vorstudie und das Erstellen von Probeabschlüssen machen aber deutlich, welche Veränderungen beispielsweise im Rechnungslegungsprozess und in IT-Systemen konkret notwendig sind. Solche Maßnahmen sind allerdings derzeit für die Mehrheit der Studienteilnehmer noch kein Thema: Selbst unter den im Dax 30 notierten Unternehmen erstellt für das Jahr 2011 nur jedes zweite eine Vorstudie und sogar nur jedes vierte einen Probeabschluss.
Auch die Standardsetzer eruieren noch den Veränderungsbedarf
"Auch IASB und FASB scheinen sich über den Fortgang des Projekts zur Financial Statement Presentation noch nicht sicher", erklärt Guido Fladt, Leiter des "National Office", der Grundsatzabteilung für Fragen der Rechnungslegung bei PwC: "Sie haben im Oktober 2010 erst einmal anderen Änderungen der International Financial Reporting Standards (IFRS) Vorrang vor dem Financial-Statement-Presentation-Projekt gegeben, um dessen mögliche Auswirkungen und eventuell notwendige Änderungen zu prüfen." Auch Fladt, der auch Mitglied im IFRS Interpretations Committee (IFRS IC) des IASB ist, mahnt Unternehmen allerdings, die grundlegenden Veränderungen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Schließlich sollen sie nach den derzeitigen Plänen künftig erheblich detailliertere Angaben in ihren Abschlüssen machen Das gewohnte Bild des Abschlusses würde sich in einem bisher nicht gekannten Ausmaß verändern.
Das Financial-Statement-Presentation-Projekt: Viel Aufwand, wenig Nutzen?
Jörg Schneider,
Nicolette Behncke
PwC, Frankfurt am Main
August 2011
28 S.
13 Abb.
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