Automatisierte Früherkennung: Lieferantenrisiken rechtzeitig bekannt

Auf Zulieferer ist inzwischen fast jedes Unternehmen angewiesen. Mit immer stärker integrierten Supply Chains ist die Gefahr gewachsen, die von Insolvenz und Ausfall eines Zulieferers ausgeht. Permantes Monitoring hilft, schwache Glieder in ihren Lieferkette rechtzeitig zu identifizieren und das Heft des Handelns in der Hand zu behalten.

Ein Großteil der Informationen, die für die Risikofrüherkennung relevant sind, schlummert bereits in internen Systemen von Unternehmen; möglicherweise müssen sie für ein funktionierendes Früherkennungssystem mit Daten von externen Anbietern ergänzt werden.

Vorhandene Daten werden häufig nicht systematisch genutzt

Der Haken ist deshalb in den seltensten Fällen die Verfügbarkeit der Daten. Problematisch ist vielmehr, dass bestehende Lieferanten- und Risikomanagementsysteme häufig von den durchaus verfügbaren Daten nicht systematisch Gebrauch machen. Diese Daten werden gegenwärtig meist von der Einkaufsabteilung einmal im Jahr intensiver analysiert. Zusätzliche Auswertungen werden erst gefahren, wenn Probleme einzelner Lieferanten so massiv geworden sind, dass negative Konsequenzen für das eigene Unternehmen eingetreten sind.

Software schlägt Alarm

Automatisierte Lösungen überwachen Informationen aus Lieferantenmanagementsystemen permanent. Automatisch wird der Strom der Ist-Werte mit definierten Schwellenwerten verglichen. Bei kritischen Abweichungen lösen solche Frühwarnsysteme Alarm aus - beispielsweise mit E-Mails an die Verantwortlichen.

Damit helfen sie, Risiken frühzeitig zu identifizieren, Erfüllungsrisiken zu minimieren und Vermögensschäden zu verhindern.

Zurückgreifen können solche Warnsysteme häufig nicht nur auf vorhandene oder zumindest extern verfügbare Daten, sondern auch auf bereits etablierte Mechanismen des Lieferantencontrollings. Es zielt schließlich darauf zu überwachen, dass die zwischen Lieferanten und Abnehmer vereinbarten Ziele und die geschlossenen Verträge eingehalten werden. Regelmäßige Lieferanten-Audits und Lieferantengespräche ergänzen dabei das kontinuierliche Monitoring lieferanten- und umfeldbezogener Kennzahlen zum Zwecke der Risikofrüherkennung und des Risikomanagements.

Risikofrüherkennung einbetten in integriertes Lieferantenmanagement

Zum einen, um Risiken der Supply Chain zu managen, zum anderen auch, um im Krisenfall schnell reagieren zu können, empfiehlt es sich, Frühwarnsysteme einzubetten in ein vollständiges Lieferantenmanagementsystem. Sourcing-Strategien für bestimmte Materialgruppen und Eigenschaften von Lieferanten spielen schließlich schon bei der Lieferantenidentifikation und -eingrenzung eine Rolle; Kennzahlen, die zur Lieferantenbewertung und -auswahl dienen, machen Zulieferer vergleichbar.


Abb.: Ablauf der Einführung eines automatisierten Lieferantenmanagements

Mit solchen Kennzahlen im Hinterkopf können Unternehmer flexibel auf Unsicherheiten und Risiken in ihrer Lieferkette reagieren. Sie sind stets im Bilde über Aspekte der Bewertung alternativer Lieferanten, etwa:

  • Qualität beispielweise der Beschaffungsobjekte, Prozesse und des Personals,
  • wirtschaftliche Aspekte wie Preis, Vertragsgestaltung, vorhandener Kundenstamm,
  • existierende Logistik und genutzte Technologien, zum Beispiel Größe des Lieferanten, Ausstattung, Termin-/Mengentreue,
  • Marktstellung des Lieferanten zum Beispiel finanzielle Kennzahlen, Marktanteil, Abhängigkeiten.

Ein so aufgestelltes wirksames Lieferantenmanagement sichert eine hohe Versorgungssicherheit und ein angemessenes Qualitätsniveau, es hilft Kosten zu minimieren und gewährleistet kontinuierlich die Compliance der Lieferanten mit geltenden nationalen und internationalen Gesetzen und Regelungen.

Im Gespräch mit Uwe Herre, PwC-Experte für Risikomanagement:


Uwe Herre

Frage: Lieferantenmanagement wird heutzutage von vielen Unternehmen praktiziert. Worin liegt der zusätzliche Nutzen einer stärkeren Automatisierung?

Uwe Herre: Unternehmen verfügen heute in ihren internen Systemen über eine Vielzahl von Daten über ihre Lieferanten und deren Lieferungen. Gerade in Zeiten der Weltwirtschaftskrise mit steigenden Insolvenzzahlen können Unternehmen über die automatisierte unterjährige Erhebung und Aufbereitung von Lieferanteninformationen wichtigen Handlungsspielraum gewinnen und ihre Effizienz steigern.

Frage: Welche Unternehmen sollten ihr Lieferantenmanagement optimieren?

Herre: Jedes größere Unternehmen ist Risiken im Rahmen seiner Supply Chain ausgesetzt, die eine systematische Lieferantenbewertung erforderlich machen. Bestehende Risiken sollten systematisch und sorgfältig bewertet und bestehende Abhängigkeiten analysiert werden.

Frage: Wie unterstützt PwC Unternehmen bei der Weiterentwicklung ihres Lieferantenmanagementsystems?

Herre: Wir unterstützen seit vielen Jahren Unternehmen sowohl bei der Einführung als auch bei der Weiterentwicklung eines systematischen und automatisierten Lieferanten- und Risikomanagements. Unsere Spezialisten sorgen für eine reibungslose Integration in die bestehenden Systeme und schaffen so eine schlanke und wirtschaftliche Lösung für das Unternehmen.