Corporate Compliance: Integration mit System

Der Sarbanes-Oxley Act, IFRS, Basel II und Solvency II, interne Standards und Ansprüche der Stakeholder legen die Messlatte für gute und transparente Unternehmensführung immer höher. Wer die Einhaltung der Anforderungen sicherstellt, profitiert durch die Erfüllung gesetzlicher Standards, regulatorischer Vorgaben oder weiterer wesentlicher Stakeholder-Anforderungen.

Je komplexer die Compliance-Anforderungen sind, desto umfangreicher und somit auch aufwändiger werden die entsprechenden Projekte und Prozesse in den Unternehmen. Die Erfüllung und die nachhaltige Einhaltung neuer Anforderungen, die sich auch aus der regulären Geschäftstätigkeit ergeben können, bilden dabei eine wesentliche Voraussetzung für ein dauerhaft erfolgreiches Bestehen der Unternehmen auf den internationalen Märkten. 

Das erstmalige Erreichen der Compliance mit einem neuen Regelwerk wird häufig über ein eigens dafür aufgesetztes Projekt realisiert. Im Projekt werden die Anforderungen analysiert und deren Einhaltung über konkrete Aktivitäten innerhalb der Geschäftsprozesse umgesetzt. Werden die Projekte isoliert voneinander ausgeführt, besteht gerade bei einer Vielzahl von Anforderungen die Gefahr, die Komplexität im Unternehmen zu erhöhen und Synergien ungenutzt zu lassen.

Compliance als strategisches Instrument ausbauen

In Zukunft wird es deshalb noch wichtiger sein, Compliance langfristig ganzheitlich in das Unternehmen und damit in Strukturen und Abläufe zu integrieren. Ziel ist es, Compliance zu einem strategischen Instrument der Unternehmensführung auszubauen.

Wie in der oben platzierten Abbildung dargestellt, kann es einerseits notwendig sein, eine einzelne Compliance-Initiative vom Projekt in den Regelbetrieb zu überführen und das so entstehende Compliance-Programm weiter zu verbessern. Darüber hinaus ergeben sich aus einem Compliance-Projekt als Folge einer erhöhten Transparenz in der Regel weitere Optimierungsmöglichkeiten, die nicht nur die Sicherstellung von Compliance, sondern auch den operativen Geschäftsbetrieb betreffen. So können durch Transformation und Optimierung die Organisationsstrukturen, Prozesse, Kontrollen und IT-Systeme verbessert werden. Die Ergebnisse sind:

  • steigende Effektivität und Effizienz von Compliance durch Verbesserung von Compliance-Prozessen und -Strukturen,
  • stärkere Einbettung der verschiedenen Compliance-Aktivitäten in das Tagesgeschäft zur Sicherstellung von nachhaltiger Compliance,
  • nachhaltige Senkung der Compliance-Kosten durch Standardisierung und Automatisierung von Prozessschritten und Kontrollaktivitäten,
  • Optimierung des Prozessdesigns und der Kontrollaktivitäten und
  • Verringerung der Komplexität von organisatorischen Strukturen.

Antworten von Christof Menzies, Compliance-Experte und Partner bei PwC:


Christof
Menzies

Frage: Herr Menzies, welche Bedeutung hat "Compliance"?

Christof Menzies: Compliance hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen und übt einen signifikanten Einfluss auf die operative Geschäftstätigkeit der Unternehmen aus. Zurückzuführen ist dies auch darauf, dass Compliance als Synonym für eine Reihe von Maßnahmen steht. Dazu gehören die Sicherstellung und die Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen, regulatorischen Standards und die Erfüllung wesentlicher interner und externer Ansprüche der Stakeholder sowie freiwilliger Verpflichtungen.

Frage: Gibt es einen Unterschied zu "Corporate Compliance"?

Menzies: Wenn das Verständnis von Compliance um einen unternehmensweiten, ganzheitlichen und integrierten Ansatz erweitert wird, bezeichnet man dies als Corporate Compliance. Dies geschieht im Hinblick auf die Corporate Governance, das Risikomanagement und Compliance insgesamt. Corporate Compliance bildet die Basis, um eine nachhaltige, risiko- und wertorientierte, regelkonforme und ethische Unternehmensführung sicherzustellen.

Frage: Worin ist der langfristige Nutzen für Unternehmen mit Corporate Compliance zu sehen?

Menzies: Das Unternehmensimage wird positiv beeinflusst, wenn die Unternehmensführung gegenüber der Öffentlichkeit dauerhaft durch entsprechendes Handeln demonstriert, welchen hohen Stellenwert eine nachhaltige Corporate Compliance einnimmt. Das verbesserte Image trägt auch dazu bei, den Marktwert aus Sicht der Investoren zu erhöhen und Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Weiter können neue oder wachsende Anforderungen, wie zum Beispiel durch Akquisitionen oder regulatorischen Veränderungen, und Erwartungen der Stakeholder langfristig, nahtlos und flexibel integriert werden. Corporate Compliance wird so zu einem Instrument, das für die strategische Ausrichtung des Unternehmens zielgerichtet eingesetzt werden kann.