PwC-Studie zur Wirtschaftskriminalität: Cyber-Verbrechen sind die neue Gefahr

Die Bedrohung aus dem Netz wächst: Fast ein Viertel der Unternehmen weltweit ist 2011 Opfer von Cyber-Verbrechen geworden. Damit gehört Computerkriminalität inzwischen zu den vier häufigsten Wirtschaftsdelikten neben Diebstahl und Unterschlagung, Bilanzfälschung und Bestechung und Korruption. Die Unternehmen nehmen die Gefahr nun ernst und glauben, dass das Risiko noch weiter steigt – bei früheren Befragungen konnten nur wenige Firmen mit dem Begriff etwas anfangen. Das ist Ergebnis der sechsten internationalen PwC-Studie zur Wirtschaftskriminalität "Cybercrime: protecting against the growing threat". Für die Untersuchung wurden rund 4.000 Unternehmen weltweit befragt.

Cloud-Computing, soziale Netzwerke, mobiles Internet: Neue Technologien haben die Geschäftswelt in den vergangenen Jahren enorm verändert und vereinfacht, aber auch neue Gefahren hervorgebracht. Cyber-Kriminalität ist zu einer ernsten Bedrohung für Unternehmen geworden. Beispielweise hacken Cyber-Kriminelle Computersysteme, um an Personen- und Bankdaten zu kommen oder um das Know-how eines Unternehmens auszuspionieren. 23 Prozent der Unternehmen gaben in der PwC-Studie an, im vergangenen Jahr Opfer eines Angriffs geworden zu sein. Damit liegt die Gefahr aus dem Netz nahezu gleichauf mit Korruption und Bestechung (24 Prozent) und Bilanzfälschung (ebenfalls 24 Prozent). Das häufigste Wirtschaftsdelikt mit weitem Abstand ist Diebstahl und Unterschlagung mit 72 Prozent.

Unternehmen beugen zu wenig vor

Für die Unternehmen hat Computerkriminalität – wie jedes Wirtschaftsdelikt – ernste Folgen: An erster Stelle fürchten die Befragten einen Reputationsverlust (40 Prozent). Außerdem haben sie Angst vor dem Diebstahl von vertraulichen Daten (36 Prozent) und geistigem Eigentum (35 Prozent). "Die Unternehmen sind sich der Risiken durchaus bewusst", sagt Steffen Salvenmoser, Partner bei PwC Deutschland und Experte im Bereich Forensic Services. "Dennoch tun sie zu wenig, um den Cyber-Verbrechen vorzubeugen. Die meisten reagieren bislang nur."

60 Prozent der Teilnehmer gaben in der Studie an, dass sie nicht die Kapazitäten im Haus haben, um Cyber-Straftaten aufzuspüren und ebenso viele überwachen die Nutzung von sozialen Netzwerken wie Facebook nicht. Über ein Face-to-Face-Training, das von über 60 Prozent der Befragten als effektivste Trainingsmethode angesehen wird, berichtete sogar nur jeder vierte Befragte.

Bekämpfung sollte Chefsache sein

Häufig sehen die Unternehmen Computer-Kriminalität als ein Thema der IT-Abteilung – das bestätigen 53 Prozent der Firmen weltweit. "Doch dieser Ansatz greift zu kurz. Die Gefahr kann aus allen Abteilungen innerhalb eines Unternehmens und von außen kommen", so Salvenmoser. Entsprechend ist es wichtig, dass die Geschäftsführung das Thema zur Chefsache macht. Das ist allerdings bisher erst bei 21 Prozent der Studienteilnehmer der Fall. Die Unternehmensleitung sollte prüfen, wie die Firma bereits aufgestellt ist. Oft reichen die bestehenden Maßnahmen zur Prävention von Wirtschaftskriminalität nicht aus, weil Cyber-Verbrechen schwerer zu bekämpfen sind – die Täter operieren häufig aus anderen Ländern mit anderer Rechtsprechung. Daher sollte ein Spezialisten-Team eingesetzt werden, das die Risiken ständig im Auge behält und schnell reagieren kann.

Die Studie mit den vollständigen Ergebnissen wird hier zum kostenlosen Download angeboten.

Bibliographische Daten

Cybercrime: protecting against the growing threat
Global Economic Crime Survey

Herausgeber

PwC LLP

Bibliographie/Quelle

November 2011
40 S.
zahlr. Abb.
zahlr. Tab.
DIN A4

Preis

kostenlos