Durch Wirtschaftskriminalität entsteht deutschen Unternehmen jährlich ein Schaden von sechs Milliarden Euro, schätzen Forensik-Experten von PwC. Doch aus welchen Motiven begehen die Täter Unterschlagung oder Bilanzfälschung? Das untersucht die Studie "Wirtschaftskriminalität. Eine Analyse der Motivstrukturen", die Professoren und Studenten der Hochschule Pforzheim in Kooperation mit PwC durchgeführt haben. Dabei fanden sie heraus, dass es typische Täterprofile gibt, die helfen, die Ursachen von Wirtschaftskriminalität besser zu verstehen – und vorzubeugen.
Bestechung, Unterschlagung und Bilanzfälschung: Das sind Delikte, die Unternehmen große Sorgen machen. Auch wenn nur ein bis zwei Prozent aller kriminellen Handlungen, die die Polizei erfasst, auf Wirtschaftskriminalität entfallen, machen sie doch 50 Prozent des Gesamtschadens aus. Fast ein Viertel der polizeilich registrierten Täter stammt aus dem Topmanagement. Wirtschaftskriminalität stellt damit für Unternehmen ein unkalkulierbar hohes Risiko dar.
Noch weiß man wenig über die Gründe der Täter. Professoren und Studenten der Hochschule Pforzheim haben daher in Kooperation mit PwC die Tatmotive von Straftätern untersucht. Denn nur mit diesem Wissen lassen sich auch wirksame Präventionsmaßnahmen entwickeln. Die Professoren und Studenten haben für die Studie qualitativ-psychologische Interviews mit Wirtschaftsstraftätern in verschiedenen Vollzugsanstalten geführt, außerdem haben sie die Gerichtsakten von Wirtschaftsstraftätern systematisch analysiert und ausgewertet. Dabei fanden sie heraus, dass bestimmte Charakteristika sich über verschiedene Fälle hinweg wiederholen. Daraus haben sie fünf Täterprofile entwickelt.
Warum der Visionär am meisten dem Prototyp des Wirtschaftskriminellen entspricht, der Naive eigentlich ein pflichtbewusster Mensch ist und der narzisstische Visionär mit dem Baron von Münchhausen verglichen wird, steht in der Studie, die sich kostenlos herunterladen lässt. Darin kann man nachlesen, welche Wertvorstellungen und Charakteristika die verschiedenen Täterprofile im Einzelnen ausmachen. Außerdem: wichtige Schlussfolgerungen für die Prävention von Wirtschaftskriminalität.
Wirtschaftskriminalität
Eine Analyse der Motivstrukturen
Hochschule Pforzheim in Kooperation mit PwC
Februar 2009
54 S.
kostenlos