Knappe Kassen zwingen zu rigidem Controlling von Investitionen

Locker sitzt das Geld für Investitionen schon lange nicht mehr; die Finanzkrise hat die Liquidität vieler Unternehmen zusätzlich zusammenschrumpfen lassen. Doch Investitionen in neue Anlagen und neue Technologien, für die Erschließung neuer Kundengruppen und Märkte bleiben trotzdem notwendig, denn nur sie bringen Unternehmen strategisch voran und sichern langfristig die Profitabilität. Folglich müssen Investitionsentscheidungen immer sorgfältiger abgewogen, Kosten und Nutzen genau analysiert und fein gesteuert werden. Die Bedeutung des Investitionscontrollings nimmt zu.

"Die Verantwortung für Investitionen und ihre Steuerung ist in Deutschlands Unternehmen sehr unterschiedlich verteilt", berichtet Thomas Tilch aus seiner Erfahrung. Tilch berät für PwC deutsche Unternehmen zum Investitionscontrolling: "Manche Firmen legen das Investitionscontrolling in die Hände der zentralen Controlling-Abteilung, andere überlassen es dezentralen Stellen", berichtet Tilch: "Nicht selten behalten sich unserem Eindruck nach aber auch der Vorstand oder die Geschäftsführung selbst die Steuerung von Investitionen vor."

Lösungen bewusst auswählen

Gute Gründe finden sich für jede denkbare Verteilung der Kompetenzen. Starke Argumente sprechen für klare, schriftlich fixierte Regeln zu Entscheidungen über und den Umgang mit Investitionen, wenn Investitionsentscheidungen dezentral getroffen werden. Oder eben genau dagegen, wenn sich das Unternehmen seine Flexibilität erhalten will: "Die Regelungen zum Investitionscontrolling müssen zum Unternehmen passen", meint PwC-Experte Tilch. Schließlich unterscheiden sich Unternehmen beispielsweise in ihrem Investitionsverhalten, ihrer Unternehmenskultur, ihren Denkweisen und Risikoneigungen.

Neben der strategischen Bedeutung sowie Wirtschaftlichkeits- und Machbarkeitsüberlegungen sollten Unternehmen bei der Steuerung ihrer Investitionen auch die Risiken besonders im Blick haben. So gilt möglicherweise die Investition für ein Engagement im Ausland oder in ein neues Geschäftsfeld dem einen Unternehmen noch als tragbar, während ein anderes das gleiche Vorhaben schon als zu riskant ablehnt.

Die Balance des gesamten Investitionsportfolios gewährleisten

In den meisten Fällen wird zudem mehr als ein Investitionsprojekt zu betreuen sein, so dass außerordentlich solide Projekte möglicherweise riskantere kompensieren müssen. Lösungen, die nicht nur einzelne Investitionen, sondern die Steuerung des gesamten Mix aus risikoreicheren und weniger riskanten Vorhaben im Blick haben, sind jedoch noch längst nicht in allen Unternehmen im Einsatz, haben PwC-Experte Tilch und seine Kollegen beobachtet. Auch für andere Teilaufgaben des Investitionscontrollings kommen die unterschiedlichsten Tools zum Einsatz. Ein umfassendes Bild der Situation in deutschen Unternehmen wird weitere Verbesserungsmöglichkeiten erkennbar machen, erwarten die Experten.

Im Gespräch mit Thomas Tilch, Experte für Investitionscontrolling bei PwC:


Thomas Tilch

Frage: Wie sieht das optimale Investitionscontrolling aus?

Thomas Tilch: Das optimale Set-up, das für alle Unternehmen gleichermaßen gilt, gibt es aus unserer derzeitigen Sicht nicht. Denn jedes System zum Investitionscontrolling muss zu dem jeweiligen Unternehmen passen, zu seiner aktuellen Situation und seinen Planungen für die Zukunft.

Frage: Verwenden Deutschlands Unternehmen denn die Systeme, die zu ihnen passen?

Tilch: Es war eines der Ziele unserer Umfrage, genau das herauszubekommen. Wir haben den Eindruck, dass die Unternehmen bereits viel tun, um Investitionen angemessen zu planen und zu steuern. Aber wir wissen auch, dass noch deutlicher Optimierungsbedarf beispielsweise in Bezug auf die Planungs- und Genehmigungsverfahren oder die laufende Verfolgung von Investitionsbudgets besteht. In vielen Fällen sind sinnvolle Ergänzungen möglich und notwendig.

Frage: Wie kann es dazu kommen, dass das Investitionscontrolling eines Unternehmens den Anforderungen nicht mehr gerecht wird?

Tilch: Da sind natürlich viele Szenarien denkbar. Eines der naheliegendsten ist starkes Unternehmenswachstum - irgendwann wird das Investitionsportfolio dann einfach zu unübersichtlich für eine kleine Stelle, die es verwalten soll. Oder Investitionen werden zu riskant und laufen zu häufig aus dem Ruder, was eine zentralere und intensivere Steuerung erforderlich macht.