Mit der Korridorplanung werden Unsicherheiten bewusst berücksichtigt

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Durch das Berücksichtigen von Unsicherheiten bei der Unternehmensplanung kann die Gesamtsituation eines Unternehmens oder einzelner Geschäftsbereiche fundiert quantifiziert werden. Tobias Flath und Michael Hofmann, Entwickler der Korridorbudgetierung® bei PwC fordern daher: "Weg von der Prognose von Einzelwerten und hin zu einer Prognose in Rahmen von Korridoren. Entscheidungsträger müssen lernen, mit Unsicherheiten planerisch umzugehen."

Video: Korridorplanung

"Wir Menschen erliegen nicht der Illusion, die Zukunft lasse sich in einem einzigen Wert zum Ausdruck bringen", weiß Michael Hofmann, der sich bei PwC intensiv mit betriebswirtschaftlicher Unternehmensplanung und dem Risikomanagement beschäftigt. "Uns Menschen mag es nicht immer zwingend bewusst sein, aber wir denken und planen unsere Zukunft intuitiv in gewissen Bandbreiten. Wir akzeptieren diese Unsicherheit." Hofmanns Beispiele dafür sind überzeugend: So soll unsere nächste Gehaltserhöhung zwischen fünf und zehn Prozent liegen, die neu erworbene Immobilie im Durchschnitt eine jährliche Rendite von drei bis vier Prozent erzielen oder der nächste Urlaub nicht mehr als ein bis 1,5 Nettomonatsgehälter kosten.

Anfängliche Unsicherheit schwindet mit dem Fortschreiten der Zeit

"Zukünftige Ereignisse werden jedoch nicht nur in den privaten Planungen in Form von Bandbreiten antizipiert", erweitert Tobias Flath den Blickwinkel und verweist als Beispiel auf die Wettervorhersage der ARD, die in Form des 15-Tage-Trends, also als ein Korridor, veröffentlicht wird. Hier wird neben einem bestimmten Wert für die zukünftigen Temperaturen auch eine Bandbreite, in der sich die Temperaturen bewegen können, prognostiziert. Diese Bandbreite ist umso weiter gefasst, je weiter ein bestimmter Tag zeitlich entfernt ist. Umgekehrt können Erwartungen umso genauer formuliert und kann die Bandbreite umso enger gefasst werden, je näher das Ereignis rückt. Die anfängliche Unsicherheit schwindet also mit dem Fortschreiten der Zeit.

Unternehmen ignorieren die Unsicherheiten in ihrer Planung

"Unternehmen stellen Planwerte, Planungsannahmen und Prämissen kategorisch als eindimensionale Werte dar: ´Für nächstes Jahr rechnen wir mit einem Umsatzwachstum von 3,5 Prozent.´ Die Unsicherheit wird also gekonnt ignoriert, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, wo Plan- und Istwerte zum ersten Mal gegenübergestellt werden. Dann herrscht meist große Verwunderung", gibt Hofmann zu bedenken.

Flath mahnt zum umdenken und fordert auf, die gegebenen Unsicherheiten zu nutzen. Laut der PwC-Studie "Risk-Management-Benchmarking 2011/12" definieren zwar 85 Prozent der deutschen Unternehmen bereits heute Risiken und Chancen als Abweichung vom Planwert, aber die Informationen aus dem Risikomanagement werden bei der Unternehmensplanung nur selten genutzt. Dabei liegen die Vorteile auf der Hand. Er belegt das mit aktuellen Methoden zur Integration von Unternehmensplanung und Risikomanagement und dem Hinweis dass es sich bei beiden um zukunftsorientierte Instrumente handelt. Mit der Verzahnung von Unternehmensplanung und Risikomanagement wird die Zukunft also nicht mehr als fixer Wert prognostiziert, sondern anhand von Bandbreiten, so die Schlussfolgerung.

Maximal und minimal mögliche Werte bilden den Korridor

Erfahrungsgemäß weichen die Istwerte oft von den zuvor bestimmten Planwerten ab. Es besteht zum einen die Chance, dass die tatsächlichen Werte im positiven Sinn von den Planwerten abweichen, zum anderen aber auch das Risiko, dass die Werte im negativen Sinn abweichen. "Die sogenannte Korridorbudgetierung® berücksichtigt diese Schwankungen, indem hier nicht nur ein einzelner Planwert bestimmt wird, sondern auch die vorstellbaren Abweichungen – sowohl nach oben als auch nach unten – definiert werden. Diese maximal und minimal möglichen Werte bilden den Korridor, der dem Konzept seinen Namen gibt", erklärt Hofmann das Verfahren.

Um möglichst genaue Prognosen erstellen zu können, werden im Unternehmen die Erwartungen über die zukünftigen Entwicklungen verschiedener Planungspositionen abgefragt. Daneben werden die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch nach einer von ihnen als realistisch eingeschätzten Abweichung in beide Richtungen gefragt, wobei Begründungen für diese denkbaren Abweichungen genannt werden müssen.

"Die einzelnen Korridore werden anschließend, unter Berücksichtigung wechselseitiger Abhängigkeiten, mithilfe einer speziellen Software in kürzester Zeit zu einem Abbild aller möglichen Szenarien verdichtet", erklärt Flath. Typischerweise wird bei der Korridorbudgetierung® der Korridor umso enger, je näher der anvisierte Zeitpunkt rückt.

Korridorplanung

Bei der grafischen Darstellung einer Korridorbudgetierung® ergibt sich dadurch ein ähnliches Bild wie bei der bereits erwähnten Wettervorhersage: Das Bild zeigt einen Graphen, der innerhalb eines Korridors verläuft, wobei sich die Korridorgrenzen immer weiter auseinander bewegen, je ferner der betrachtete Zeitpunkt in der Zukunft liegt.

Somit steht der Unternehmensleitung, so Hofmann, zum ersten Mal nicht nur ein unsicherer Planwert zur Verfügung, sondern auch eine Information darüber, in welchem Spektrum und mit welcher Wahrscheinlichkeit Abweichungen auftreten können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Korridorbudgetierung® ist der durchgehende Abgleich der Istwerte mit den zuvor prognostizierten Korridoren. Die konsequente Einarbeitung neuer Informationen führt, neben der Berücksichtigung von Unsicherheit, zu einer stetigen Verbesserung der Planungssicherheit. Sollte ein Istwert zum Beispiel außerhalb einer zuvor festgelegten Korridorgrenze liegen, wird die zu Grunde liegende Fehlinformation ermittelt und für zukünftige Planungen entsprechend angepasst.

Gesamtrisikosituation kann fundiert quantifiziert werden

Durch das Berücksichtigen der Unsicherheit in der Planung kann erstmals die Gesamtrisikosituation eines Unternehmens oder von Geschäftsbereichen fundiert quantifiziert werden. Flath: "Und diese Information liefert Antworten auf Fragen wie: Ein wie hohes Risiko bin ich bereits eingegangen und ein wie hohes Risiko kann ich mir eigentlich erlauben? Wie viel Spielraum habe ich noch, bis mein Rating oder ein Bankkredit gefährdet ist? Erwirtschaftet der Geschäftsbereich A in Anbetracht der Chancen und Risiken, die er mit sich bringt, eine adäquate Rendite?"

Damit die Korridorbudgetierung® ihr volles Potenzial entfalten kann, muss jedoch ein umfassendes Umdenken aller involvierten Personen erfolgen: "Weg von der Prognose von Einzelwerten und hin zu einer Prognose im Rahmen von Korridoren. Um optimale Entscheidungen treffen zu können, müssen Entscheidungsträger lernen, mit Unsicherheit planerisch umzugehen. Alles andere ist Zufall", so Tobias Flath und Michael Hofmann.