Dem Klischee nach sind die Deutschen generell eher über- als unterversichert. Trotzdem drohen nicht wenigen Unternehmen in Deutschland Risiken, gegen die sie nicht ausreichend abgesichert sind, meinen Wolfgang Uellenberg und Volker Mockenhaupt, die für PwC Unternehmen zu deren Versicherungsschutz beraten. Sie empfehlen, Reichweite und Höhe der Absicherung regelmäßig zu überprüfen - um Risiken vorzubeugen, und auch um die Argumentationsbasis gegenüber Kapital- und Kreditgebern zu verbessern.

Wolfgang
Uellenberg
Wolfgang Uellenberg: Das Problem, unzureichend versichert zu sein, haben Unternehmen immer dann, wenn sich die Geschäftstätigkeit und die Absicherung nicht mehr decken. Dies kann der Fall sein, wenn das Unternehmen neue Standorte eröffnet hat oder neue Produktionslinien fertigt. Ebenso ist eine Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen - in jüngster Zeit zum Beispiel die Verschärfung der Umwelthaftung - ein Auslöser für die Anpassung des Versicherungsschutzes. Oder weil sich das Umfeld geändert hat. Einfaches Beispiel: Starkregenfälle und Stürme sind über Jahre lediglich als optional versicherungswürdige Risiken betrachtet worden. Nachdem sich diese Naturereignisse nun häufen, stellt sich die Frage nach einer adäquaten Absicherung. Aus einem selbsttragbaren Risiko wurde ein versicherungswürdiges Großrisiko. Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich in der Absicherung von immer komplexer werdenden IT-Risiken ab.

Volker
Mockenhaupt
Volker Mockenhaupt: Leider ja. Leider, weil übertriebene Sicherheit unnötige Ausgaben produziert. Mit dieser Fragestellung werden wir oftmals bei der Absicherung von älteren, nur noch teilweise genutzten maschinellen Anlagen und Betriebsgebäuden konfrontiert. Ziel sollte es sein, ein unternehmensspezifisches Versicherungskonzept zu entwickeln und nicht alle Versicherungsprodukte einzukaufen, die Versicherer oder Vermittler anbieten. Sonst zahlt man unnötigerweise teure Versicherungsprämien.
Mockenhaupt: Bevor man solches Abenteurertum beginnt, sollte man sich sehr bewusst sein, wie groß - und kostspielig - die möglichen Schäden ausfallen. Richtig ist allerdings, dass Preise und Leistungen auf dem Versicherungsmarkt sich ständig ändern. Da ist es durchaus sinnvoll, regelmäßig zu prüfen, ob die gewünschten Versicherungsleistungen möglicherweise günstiger zu haben sind. Ein angemessener Versicherungsschutz hilft jedoch in sehr vielen Fällen, an ganz anderer Stelle Kosten zu sparen: Bei der Finanzierung!
Uellenberg: Die Argumentation ist leicht nachvollziehbar: Jede Bank strebt ja an, dass ausgereichte Kredite zurückgezahlt werden. Deshalb wollen Banken möglichst sicher gehen: Die Absicherung sollte so gut sein, dass möglichst kein Schaden den Kreditnehmer in die Insolvenz treibt. Je besser der Versicherungsschutz, desto größer die Sicherheit für die Bank.
Uellenberg: Selbstverständlich wird auch auf den Gewinn des Unternehmens geschaut - und auf seine Kosten. Darum sollte der Versicherungsschutz nicht so umfassend wie möglich sein. Ein angemessener Versicherungsschutz ist vielmehr das Ziel. Gute Karten bei Verhandlungen mit Kreditgebern hat nach unserer Erfahrung, wer die Angemessenheit seiner Versicherungen nachweisen kann - und regelmäßig überprüft.
Mockenhaupt: Nur wenn Unternehmen ihren Versicherungsschutz regelmäßig überprüfen, können sie sicher sein, auf neue Risiken für ihre Geschäftstätigkeit angemessen zu reagieren. Außerdem können sie sich möglicherweise Prämien sparen für Versicherungen gegen Risiken, die an Bedeutung verloren haben. Und schließlich: Ein jederzeit angemessener Versicherungsschutz ist ein starkes Argument bei Verhandlungen mit Kredit- und Kapitalgebern.