Lässt sich ein Mitarbeiter bestechen, ist der Fall klar: Ein Wirtschaftsdelikt, das gravierende Folgen haben kann. Dass Unternehmen aber auch für das rechtswidrige Verhalten ihrer Geschäftspartner haften, sieht das Gesetz genauso vor. Eine PwC-Studie zeigt, dass viele deutsche Firmen ihre Geschäftspartner nicht in ihre Programme zur Prävention von Wirtschaftskriminalität einbeziehen. Ein Versäumnis, das hohe Risiken birgt. Erst der Aufbau eines ganzheitlichen Geschäftspartner Compliance Managements verschafft Transparenz und minimiert das Risiko.
Unternehmen und auch einzelne Mitarbeiter können für Korruptionshandlungen und andere Wirtschaftsdelikte ihrer Geschäftspartner verantwortlich gemacht werden. So sehen es die gesetzlichen Bestimmungen, vom Handelsgesetzbuch über das Aktien- und Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz bis hin zum Sarbanes-Oxley-Act vor: Das anwendbare Recht macht Unternehmen auch für das rechtswidrige Verhalten ihrer Geschäfts- und Vertragspartner haftbar.
Ein fiktives Beispiel aus der Baubranche verdeutlicht das Problem: Die Vertriebsabteilung eines Bauunternehmens engagiert einen externen Berater, der bei einer öffentlichen Ausschreibung unterstützen soll. Der Berater erhält eine Kommission, die von der Höhe des Auftrags abhängt. Dieser finanzielle Anreiz verleitet ihn dazu, einem Beamten der ausschreibenden Behörde geldwerte Vorteile anzubieten. Der Beamte nimmt das Geld und nutzt seinen Einfluss für die erwünschte Auftragsvergabe. Das Beispiel zeigt: Auch wenn die Baufirma hier selbst nicht rechtswidrig gehandelt hat, fällt das Verhalten des Geschäftspartners auf sie zurück und es drohen finanzielle und strafrechtliche Folgen sowie ein empfindlicher Reputationsverlust.
Auf dieses Haftungsrisiko sind viele Unternehmen schlecht vorbereitet. Die Studie "Compliance und Unternehmenskultur", für die PwC über 500 Unternehmen befragt hat, offenbart die Defizite deutscher Firmen in puncto Compliance.
Die Umfrage zeigt, dass sich Compliance-Programme bei der großen Mehrzahl der Unternehmen hauptsächlich an Führungskräfte und Mitarbeiter richten. Nur knapp jedes zweite Unternehmen bezieht seine Lieferanten und Subunternehmer in das Regelwerk ein. Andere Parteien, sogenannte Third Parties, werden sogar nur in etwa 40 Prozent der Compliance-Programme berücksichtigt. Dabei sind Externe bei etwa der Hälfte der Wirtschaftsdelikte zumindest beteiligt.
"Die Gefahren, die von Geschäftspartnern wie Lieferanten, Großhändlern, Beratern oder Handelsvertretern ausgehen können, sind groß: Rechtswidriges Verhalten der Partner kann zu finanziellen Verlusten durch Geldstrafen, Bußgelder und Schadensersatzzahlungen führen", warnt Michael Storck, Senior Manager und Compliance-Experte bei PwC. Noch schwerer wiege der drohende Ausschluss von öffentlichen Aufträgen oder der Abbruch von Geschäftsbeziehungen. Letztlich setzen Unternehmen ihr Image und ihre Reputation aufs Spiel, so Storck, wenn sie ihre Partner nicht sorgfältig auswählen und managen.
Firmen sollten deshalb die Risiken, die von Geschäftspartnern ausgehen können, nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern vielmehr einen ganzheitliches Programm zum Geschäftspartner Compliance Management (Business Partner Compliance Management) aufsetzen.
Weitere Informationen zum Business Partner Compliance Management finden sich im PDF-Dokument "10 Minuten: Business Partner Compliance Management".

Jörg Busch
Jörg Busch: Unternehmer arbeiten heute mit einer Vielzahl von Geschäftspartnern zusammen. Häufig ist es jedoch, vor allem für große und stark diversifizierte Unternehmen, schwierig einen vollständigen Überblick über alle Geschäftsbeziehungen und die damit verbundenen Risiken zu erlangen. Oft werden nur wenige Daten dezentral gespeichert oder zentral verarbeitet und wirkliche Hintergrundinformationen zu den Geschäftspartnern sind meist unbekannt. Ein Versäumnis mit möglicherweise fatalen Folgen: Unternehmen können für das Fehlverhalten ihrer Geschäftspartner rechtlich verantwortlich gemacht werden. Dieses Risiko lässt sich mit einem strukturierten Vorgehen zumindest stark reduzieren.
Busch: Das größte Risiko ist die Intransparenz und damit die Abhängigkeit, in die sich Unternehmen begeben. Korruption und Kartellverstöße stehen auf der Liste der Compliance-Risiken ganz oben. Indirekte Zahlungen über Agenten, Mittler und Dritte sind dabei die häufigste Form der Einflussnahme. Besonders hoch ist das Risiko in Einkauf, Vertrieb, Projektgeschäft oder bei der Expansion in neue Länder.
Busch: Im Vergleich zu Firmen, die an den amerikanischen Börsen gelistet sind, eher schlecht. Das zeigt die PwC-Studie "Compliance und Unternehmenskultur": Deutsche Firmen beziehen ihre Lieferanten, Kunden und Partner häufig nicht in ihr Compliance-Programm ein - sofern sie überhaupt eines haben. Dabei sind Externe bei der Hälfte aller Wirtschaftsdelikte zumindest beteiligt. Aber auch Hinweisgebersysteme sind häufig wenig bekannt oder von extern nur selten zugänglich. So vergeben Unternehmen die Chance, Missständen oder Fehlverhalten frühzeitig Einhalt zu gebieten.
Busch: Wenn das Risiko erstmal im Hause ist, können Unternehmen nur noch reagieren und nacharbeiten. Wir empfehlen einen präventiven und ganzheitlichen Ansatz, der sich mit den Fragen zu Geschäftspartnern beschäftigt, bevor ein Vertragsverhältnis oder eine Geschäftsbeziehung entsteht. Der Ansatz sollte Elemente zur Identifikation, zur Risikoevaluierung, zur vertraglichen Dokumentation und zum Training der Geschäftspartner enthalten. Darüber hinaus spielt eine professionelle interne und externe Kommunikation sowie eine gute IT-Unterstützung eine große Rolle. In einem globalen Netz von Wirtschaftsbeziehungen in einem Unternehmen ist ein risikoorientiertes und verantwortungsvolles Handeln eine Organisationspflicht.