Wirtschaftskriminalität: Wie sich Unternehmen wappnen

PwC führt seit 2001 alle zwei Jahre eine Umfrage zur Wirtschaftskriminalität durch, seit 2005 gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Für die aktuelle Ausgabe „Wirtschaftskriminalität in der analogen und digitalen Wirtschaft 2016“ wurden deutschlandweit 720 Unternehmen mit mindestens 500 Beschäftigten befragt. Ein zentrales Ergebnis: Nach wie vor überwiegen Delikte der klassischen Wirtschaftskriminalität. Doch das Risiko für Cyber-Crime steigt.

Weitere interessante Punkte im Überblick:

Klassische Wirtschaftskriminalität: 51 Prozent der Unternehmen waren in den vergangenen beiden Jahren von Wirtschaftskriminalität betroffen, inklusive der konkreten Verdachtsfälle sind es 57 Prozent. Das entspricht einem leichten Anstieg von sechs Prozentpunkten im Vergleich zur Studie aus dem Jahr 2013.

Cyber-Crime: 34 Prozent der befragten Unternehmen sind Opfer von Cyber-Attacken geworden, einschließlich konkreter Verdachtsfälle sind es 47 Prozent. Am häufigsten handelt es sich dabei um Computerbetrug, Manipulation von Konto- und Finanzdaten sowie das Ausspähen und Abfangen von Passwörtern.

Von E-Crime betroffene Unternehmen (Klick zum Vergrößern)

 

Compliance: 76 Prozent der Unternehmen haben ein Compliance-Management-System installiert. Bei den Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitern sind es sogar 96 Prozent. Auch bei der Verbreitung von Antikorruptionsprogrammen und kartellrechtlichen Compliance-Systemen lässt sich ein positiver Trend erkennen.

Finanzielle Schäden: Der durchschnittliche finanzielle Schaden, der einem Unternehmen durch Wirtschaftskriminalität entsteht, liegt bei 1,55 Millionen Euro, bei Unternehmen mit über 10.000 Mitarbeitern ist er fast drei Mal so hoch (4,44 Millionen Euro). E-Crime Vorfälle führen zwar bisher überwiegend zu eher geringen finanziellen Schäden, die Schadensrisiken dürften sich jedoch künftig drastisch erhöhen. Schon jetzt betrug der Schaden bei 5 Prozent der betroffenen Unternehmen mehr als eine Million Euro. Hinzu kommt: Viele Schäden sind nicht quantifizierbar. Das gilt besonders für Reputations- und Vertrauensschäden.

Täterprofile: Knapp sechs von zehn Tätern stammen aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter. Sie sind überwiegend männlich, mittleren Alters und weisen einen hohen Anteil an Senior- und Top-Managern auf. Die externen Täter stammen immer häufiger aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität. In Fällen von Daten- und Wissensverlust führen die Spuren der externen Täter beispielsweise in 30 Prozent der Fälle zur Organisierten Kriminalität.

Deliktarten: Mit einem Anteil von 37 Prozent dominieren die Vermögensdelikte, die zuletzt angestiegen sind. Einen Rückgang zeigt die Umfrage bei Verstößen gegen Patent- und Markenrechte, dem Diebstahl vertraulicher Daten sowie Korruptionsdelikten. Für wettbewerbswidrige Absprachen besteht weiterhin ein hohes Risiko. Die vermutete Dunkelziffer ist in diesem Bereich besonders hoch.

IT-Sicherheitsgesetz: Die Zustimmung der Unternehmen zum seit Juli 2015 geltenden „Gesetz zur Erhöhung der Sicherheit informationstechnischer Systeme“ (IT-Sicherheitsgesetz) ist hoch: Vier von fünf der davon betroffenen Unternehmen (81 Prozent) der kritischen Infrastruktur erachten das Gesetz als sinnvoll.

Bibliographische Daten

Wirtschaftskriminalität in der analogen und digitalen Wirtschaft 2016

Herausgeber

PricewaterhouseCoopers Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Bibliographie/Quelle

Februar 2016
86 Seiten
51 Abbildungen
Softcover

Preis

kostenlos

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