„Asset Manager können von Fintechs lernen“

26 Oktober, 2016

Viele Vermögensverwalter begegnen der Herausforderung durch Fintechs erstaunlich gelassen. Warum das ein Fehler ist, erklärte Markus Hammer, Leiter des Bereichs Asset & Wealth Management bei PwC in Deutschland.

Für die Studie „Beyond automated advice“ hat PwC weltweit mehr als 150 „Asset and Wealth Manager“ (AWM) nach ihrer Haltung zum Thema Fintech befragt. Was sind die Ergebnisse?

Markus Hammer: Unserer Untersuchung zufolge fürchtet gerade einmal jeder Asset Manager, Marktanteile an Robo Advisor und andere Finanz-Startups zu verlieren. 17 Prozent der Befragten gaben sogar an, die neuen Player stellten „überhaupt kein Risiko“ für ihr Geschäftsmodell dar. Und nur 45 Prozent meinten, das Thema Fintech nehme bei ihrer strategischen Ausrichtung eine wichtige Stellung ein.

Wie interpretieren Sie die Resultate? Als Zeichen ausgeprägten Selbstbewusstseins – oder als Ausweis gefährlicher Sorglosigkeit?

Hammer: Eher Letzteres. Man braucht ja nur einmal auf den Payment-Sektor oder aufs Retailbanking zu blicken. Dort finden sich schon unzählige Beispiele, wie technologiegetriebene Finanz-Startups mit neuen Lösungsansätzen die Spielregeln verändern. Vieles spricht dafür, dass das Asset Management der nächste Bereich ist, der von Fintechs disruptiert wird. Daher verwundert mich die „Laissez faire“-Haltung vieler traditioneller Vermögensverwalter.

Es gab mal eine Zeit, da galten die „Asset and Wealth Manager“ (AWM) als besonders innovativ …

Hammer: Das ist richtig, allerdings auch schon eine Weile her. In den 80er-Jahren waren Asset Manager so etwas wie die Technologieführer innerhalb der Finanzbranche.  Doch das änderte sich, als  bald darauf die ersten Online-Broker aufkamen. Statt die Konkurrenz ernst zu nehmen, wurden sie von vielen klassischen AWMs als „Discount-Anbieter“ abgetan – ein Fehler, der letzten Endes zum Verlust signifikanter Marktanteile führte. In gewisser Hinsicht kann man darin eine Parallele zum jetzigen Umgang mit den Fintechs sehen.

Aber sprechen Robo-Adviser nicht eine andere Klientel an – nämlich normale Retailkunden, die für viele Vermögensverwalter nur mäßig attraktiv sind?

Hammer: Das ist ein beliebtes Missverständnis. In Wirklichkeit zielen die Angebote der Robo Advisor eher auf die sogenannten „Mass Affluents“ – also auf eine durchaus wohlhabende Klientel, zu der zum Beispiel Ärzte oder Rechtsanwälte gezählt werden. Das ist eine Zielgruppe, um die auch traditionelle Vermögensverwalter buhlen und wo es in den kommenden Jahren zu einem verschärften Konkurrenzkampf kommen wird.    

Bislang sind die Marktanteile der Robo-Adviser gerade im deutschsprachigen Raum überschaubar. Kann es nicht sein, dass sich der Hype um die Fintechs bald wieder legt?

Hammer: Das halte ich für unwahrscheinlich. Auch wenn die neuen Player noch klein sind – der Ansatz einer automatisierten und damit preiswerteren Vermögensverwaltung wird sich früher oder später am Markt etablieren. Auf diese Entwicklung müssen sich die klassischen Asset Manager rechtzeitig einstellen und die richtigen Antworten finden.

Heißt das, dass die AWMs selber zu Robo Advisern mutieren sollten?

Hammer: Nein. Die meisten Kunden werden auch künftig Wert auf persönliche Beratung und professionelles Knowhow legen. Trotzdem müssen sich die klassischen Vermögensverwalter für die die neuen Technologien öffnen. Letztlich kommt es auf den richtigen Mix an. Nach unserer Auffassung werden nur jene AWMs dauerhaft am Markt bestehen, denen es gelingt, die besten Fintech-Lösungen in ihre eigenen Angebote zu integrieren.

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Markus Hammer
Leiter Financial Services Tax & Legal und Leiter Asset & Wealth Management
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