Deutschland ist nur Mittelmaß

Deutschland belegt bei der Studie Paying Taxes 2012 von PwC, der Weltbank und der International Finance Corporation nur einen Platz im Mittelfeld. Der Staat bittet Unternehmen bei Steuern und Abgaben im Vergleich überdurchschnittlich stark zur Kasse, wie Dr. Tobias Taetzner, Steuerexperte und Partner bei PwC, erläutert.

Tobias Taetzner
Tobias Taetzner

Wie schneidet Deutschland bei der Besteuerung von Unternehmensgewinnen im internationalen Vergleich ab?

Taetzner: Deutschland belegt unter den 183 Staaten im Gesamtranking Platz 86 und liegt damit im Mittelfeld. Bei der Total Tax Rate fällt das Ergebnis allerdings schlechter aus: Deutschland kommt da nur auf Platz 130. Die Steuer- und Abgabenquote ist vor allem wegen der vorübergehenden Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten zwar von 48,2 Prozent auf 46,7 Prozent leicht gesunken. Dennoch liegt diese Quote deutlich über dem weltweiten Wert von 44,8 Prozent und noch stärker über dem der Europäischen Union von 43,4 Prozent.

Woher kommt die vergleichsweise hohe Steuer- und Abgabenbelastung in Deutschland?

Taetzner: Das liegt unter anderem an der hohen Ertragssteuerbelastung von rund 30 Prozent für deutsche Unternehmen. Das ist mehr als in den meisten anderen EU-Ländern. Zu jedem Euro Ertragsteuern kommen in Deutschland noch einmal versteckte Steuern von 1,45 Euro hinzu. Auch die Belastung mit Sozialabgaben ist im Vergleich zu den meisten Ländern hoch. Deswegen ist Deutschland insgesamt nur Mittelmaß.

Können Sie auch positive Entwicklungen beobachten?

Taetzner: Bei der Anzahl der Steuertermine, das ist ein wichtiger Indikator der Studie, schneidet Deutschland erfreulich gut ab. Die deutschen Unternehmen müssen pro Jahr nur zwölf Termine beachten, während die weltweite Konkurrenz im Schnitt 28,5 Termine in ihren Kalender eintragen muss. Deutschland belegt bei diesem Kriterium Rang 44. Die elektronische Vornahme von Steuerzahlungen sowie die Möglichkeit der elektronischen Abgabe von Gewerbesteuer- und Umsatzsteuererklärungen bringen bereits jetzt gute Noten ein. Verpflichtend wird die elektronische Abgabe der Gewerbesteuer- und Umsatzsteuererklärungen ab dem Veranlagungszeitraum 2011. Zudem müssen dann Unternehmen die Körperschaftsteuer online deklarieren. Hierdurch wird sich der Indikator weiter verbessern.

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass sich die Regierungen weltweit um einen Abbau der Steuerbürokratie bemühen. Müssen auch deutsche Unternehmen weniger Zeit aufbringen, um ihre Steuerpflichten zu erledigen?

Taetzner: Der zeitliche Aufwand stieg 2010 für ein durchschnittliches mittelständisches deutsches Unternehmen von 215 auf 221 Stunden. Bei diesem Kriterium belegt Deutschland mit Platz 88 nur einen Platz im Mittelfeld. Durch die neu hinzutretende Verpflichtung der Unternehmen, ihre Steuerbilanz elektronisch zu erstellen und an das Finanzamt zu schicken, dürfte die Steuerbürokratie in Deutschland in den kommenden Jahren sogar noch zunehmen.