Ganzheitlich betrachten – Konzernsteuern senken

Auch aus der steuerlichen Perspektive stellt die Globalisierung international tätige Konzerne vor neue Herausforderungen. Die Zahl und Komplexität der Wertschöpfungsketten wächst, und in vielen Ländern nimmt der Steuerdruck wegen der Verschlechterung staatlicher Haushaltslagen zu. Die Konsequenzen erläutert Dr. Yves Hervé, Partner und Transfer Pricing-Experte bei PwC.


Dr. Yves Hervé,
Partner und
Transfer-
Pricing-Experte
 

Herr Dr. Hervé, warum ist eine möglichst niedrige gesamtsteuerliche Belastung eine strategische Priorität für Konzerne?

Yves Hervé: Sie ist wichtig, um die weitere Expansion aus dem Cashflow zu finanzieren und den Shareholder Value zu erhöhen. Indes werden viele klassische Steuerplanungsstrategien, insbesondere im Finanzierungsbereich, nach und nach eingeschränkt. Die Konzernsteuerquote lässt sich daher immer weniger vom operativen Geschäft, der Strukturierung von Wertschöpfungsketten und den gewählten Verrechnungspreislösungen abkoppeln. Daher benötigen Unternehmen flexible Strategien, um Geschäftsmodelle, Wertschöpfungsketten und Verrechnungspreissysteme steuergünstig miteinander zu verlinken. Die gewählte Strategie muss darüber hinaus in den betroffenen Ländern auch steuerlich akzeptiert werden.

Worauf kommt es bei der Konzeptionierung der Strategien an?

Hervé: Ganz klar: Wir benötigen eine ganzheitliche Sicht für sie steuerliche Optimierung der Wertschöpfungsketten und des Verrechnungspreissystems. Ganzheitlich meint in diesem Zusammenhang, dass ein Unternehmen alle  - betriebswirtschaftlichen und steuerlichen - Wechselwirkungen, die für sein Geschäft relevant sind, in die Analyse einbeziehen muss. Partialoptimierungen sind im Rückblick sehr oft unbefriedigend, da negative Wechselwirkungen ausgeblendet werden.

Ist ein bestimmtes Vorgehen mit einer solchen ganzheitlichen Methode verknüpft?

Hervé: Unsere Value-Chain-Transformation-Beratungsansätze binden bewusst Spezialisten aller Fachrichtungen in Tax und Advisory ein, um sicherzustellen, dass alle Optimierungsaspekte berücksichtigt werden. Mit unserem Transfer-Pricing-Simulator können wir darüber hinaus - und im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern - dem Mandanten transparent darlegen, wie sich unsere Gestaltungsvorschläge unter Berücksichtigung aller Wechselwirkungen in der GuV des Mandanten auf die Nachsteuergewinne auswirken und wie sensitiv diese Ergebnisse in Reaktion auf Veränderungen im Marktumfeld, der Kostenstrukturen des Mandanten, der Steuergesetzgebung und der gewählten Verrechnungspreislösungen sind. Wir können dabei in der Machbarkeitsphase die Steuereffekte - Cash-Tax- und Book-Tax-Perspektive - von Gestaltungsideen für einen Planungshorizont von bis zu zehn Jahren berücksichtigen. Das liefert dem Mandanten eine sehr viel fundiertere Entscheidungsgrundlage für Implementierungsentscheidungen.

Welche Parameter werden beim Transfer-Pricing-Simulator konkret berücksichtigt?

Hervé: Beispielsweise Ertragssteuern und angekündigte lokale Steueränderungen, die Wechselwirkung von Verrechnungspreisen und Zöllen, die Anrechenbarkeit von Quellensteuern, steuerliche Verlustvorträge oder etwa die finanzielle Interaktion mit komplementären Planungsideen wie Finanzierung. Schlussendlich können wir auf Basis der steuerlichen Rahmendaten die steuerlich optimale Entstrickungsstrategie bei Funktionsverlagerungen determinieren.