Infolge steigender Staatsverschuldung führen immer mehr Staaten indirekte Steuern ein. Andere Länder erhöhen die Mehrwertsteuer, um ihre Haushaltslage zu verbessern. Götz Neuhahn, Partner und Leiter des Bereich indirekte Steuern bei PwC, erläutert die Auswirkungen für Unternehmen.
Italien macht den Anfang. Um die angeschlagenen Staatsfinanzen zu verbessern, hebt die Regierung die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent an. Kein Einzelfall. So plant mit Ungarn ein weiteres Land der Europäischen Union, die Mehrwertsteuer von 25 auf 27 Prozent zu erhöhen. "Weltweit denken viele Staaten über höhere Umsatzsteuersätze oder neue indirekte Steuern nach ", sagt Götz Neuhahn, Partner und Leiter des Bereiches indirekte Steuern bei PwC. Auf den ersten Blick scheint das Unternehmen keine Schwierigkeiten zu bereiten, tragen doch die Konsumenten die indirekten Steuern. Doch in der Praxis ist das oft nicht der Fall: "Unternehmen können die höheren Steuern nicht immer an ihre Kunden weitergeben", erklärt Neuhahn. In hart umkämpften Branchen wie zum Beispiel der Lebensmittelindustrie reagieren die Konsumenten sehr sensibel auf höhere Preise. In der Konsequenz können höhere Umsatzsteuersätze den Gewinn empfindlich schmälern.
Ohnehin betreiben die Unternehmen einen enormen Aufwand, um die Mehrwertsteuer zu erheben und abzuführen. Vor allem international tätige Unternehmen leiden unter der bürokratischen Last. Sie erstellen meist in mehreren Ländern Umsatzsteuererklärungen und müssen dabei die jeweils geltenden Regeln beachten. „Selbst innerhalb der Europäischen Union mit einem harmonisierten Umsatzsteuersystem interpretieren Landesbehörden und Finanzgerichte die Rechtsgrundlagen unterschiedlich", erklärt Neuhahn. Sie kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen bei der Bewertung von gleichen Sachverhalten. Das bedeutet einen Unsicherheitsfaktor für Unternehmen: "Damit kann nicht nur die Umsatzsteuerlast steigen, auch die Gefahr von Strafverfahren mit hohen Kosten nimmt zu", betont Götz Neuhahn.
Der Reformbedarf des Umsatzsteuersystems ist immens. Das erkennen immer mehr Staaten. Einnahmen aus Verbrauchssteuern lassen sich langfristig nur steigern, wenn Kosten und Aufwand für die Unternehmen im Rahmen bleiben. Eine radikale Lösung könnte zum Beispiel ein gemeinsames Steuersystem aller 27 EU-Mitgliedsstaaten bedeuten. „Eine derartige große Lösung, die die Zustimmung aller EU-Staaten voraussetzt, ist allerdings nicht in Sicht" erklärt Neuhahn. Immerhin soll 2013 die Rechnungsrichtlinie in der Europäischen Union in Kraft treten. Sie vereinheitlicht die Vorschriften für Rechnungen. Ziel ist ein einheitliches Format für Rechnungen in allen EU-Mitgliedsländern. Nationale Sonderwege sind dann ausgeschlossen. Für elektronische Rechnungen und solche in Papierform sollen die gleichen Anforderungen gelten.
Wie kompliziert die Regelungen für Rechnungen derzeit sind, bekommen vor allem exportorientierte Firmen zu spüren. "Selbst bei Ausfuhren innerhalb der EU müssen die Unternehmen die unterschiedlichen Standards für die Umsatzsteuer und Rechnungen in den einzelnen Ländern berücksichtigen", so Neuhahn. Ein enormer Aufwand, der hohe Kosten verursacht. "Ein einheitliches Rechnungsformat für alle EU-Länder ist ein Schritt in die richtige Richtung", betont Neuhahn.