Unternehmen bezahlen weltweit weniger Steuern

Unternehmen müssen weltweit weniger Steuern und Abgaben auf ihren Gewinn abführen. Gleichzeitig bauen viele Staaten auch die Steuerbürokratie ab. Das sind die zentralen Ergebnisse der Studie „Paying Taxes 2012“, die PwC gemeinsam mit der Weltbank und der International Finance Corporation erstellt hat.

Die Steuer- und Abgabenbelastung für Unternehmen sinkt weltweit. Der Anteil der Steuern und Abgaben am Gewinn, die sogenannte Total Tax Rate, fällt von 47,8 Prozent auf 44,8 Prozent. Deutschland schneidet mit einer Quote von 46,7 Prozent schlechter ab als der Durchschnitt. Insgesamt fiel die Total Tax Rate in den vergangenen sechs Jahren weltweit um 8,5 Prozentpunkte. Die Staaten bauen aber auch die Steuerbürokratie ab. Seit der ersten Studie „Paying Taxes 2006“ ist die Zeit, die die Unternehmen für die Abgaben- und Steuerverwaltung aufwenden, um 54 Stunden auf 277 Stunden gesunken. Die Anzahl der Steuertermine wurde auf durchschnittlich 28,5 pro Jahr reduziert, wie „Paying Taxes 2012“ zeigt.

Zahlreiche Reformen vereinfachen Steuersystem

Aktuell vereinfachten 33 Staaten ihr Steuersystem für Unternehmen. Einen wichtigen Schritt stellt dabei die Möglichkeit der elektronischen Steuererklärung oder der Steuerzahlung dar. Mittlerweile wird dies von 66 Ländern ermöglicht. Seit „Paying Taxes 2006“ haben mehr als 60 Prozent der in der Studie untersuchten Länder ihre Steuersysteme vereinfacht. Die Experten von PwC, Weltbank und der International Finance Corporation registrierten in diesem Zeitraum insgesamt 248 Reformen: „Die große Anzahl an Reformen zeigt, dass eine Verbesserung der Steuersysteme im Hinblick auf Unternehmen auf der Agenda der Regierungen oben steht“, sagt Augusto Lopez Claros, Direktor für Global Indicators and Analysis bei der Weltbank Bank Gruppe.

Niedrige Steuersätze und weniger Bürokratie sorgen für Wachstum

"Eine angemessene und transparente Besteuerung von Unternehmen ist zentral für den Erfolg einer Volkswirtschaft“, sagt Professor Dr. Dieter Endres, Steuerexperte und Vorstandsmitglied bei PwC: „Es liegt an den Regierungen, durch die weitere Vereinfachung des Steuersystems das Investitionsklima zu verbessern und damit für mehr Wachstum und Wohlstand zu sorgen. Niedrigere Steuersätze und weniger Bürokratie erleichtern es den Unternehmen, sich auf ihre eigentlichen Aufgaben und Wachstumsstrategien zu konzentrieren.“

In wohlhabenden Ländern fällt Steuerquote geringer aus

Die Steuersysteme in den einzelnen Ländern unterscheiden sich erheblich. In wohlhabenden Volkswirtschaften leisten Unternehmen im Schnitt nur 15,2 Zahlungen, beschäftigen sich 168 Stunden mit ihrer Steuer- und Abgabenverwaltung und müssen 37,4 Prozent ihres Gewinns in Form von Steuern und Abgaben abführen. Dagegen sehen sich Unternehmen in Ländern mit geringem Volkseinkommen einer Steuer- und Abgabenbelastung von 67,8 Prozent konfrontiert. Sie müssen sich um 38,3 Zahltermine kümmern und 271 Stunden in die Steuer- und Abgabenverwaltung investieren. In Lateinamerika und den karibischen Ländern brauchen Unternehmen sogar 382 Stunden, um ihren Steuerpflichten nachzukommen. Während in Hongkong Unternehmen nur drei Steuertermine pro Jahr beachten müssen, sind es in der Ukraine 135.

Große Unterschiede innerhalb der Europäischen Union

Auch die Europäische Union präsentiert sich im Hinblick auf Steuern und Abgaben auf den Unternehmensgewinn uneinheitlich. Während die Total Tax Rate in Luxemburg 20,8 Prozent beträgt, müssen italienische Unternehmen 68,5 Prozent ihres Gewinns abführen. In 26 untersuchten EU-Ländern liegt der Schnitt bei 43,4 Prozent – und damit knapp unter dem weltweiten Durchschnittswert.