Die Tage, an denen ein CEO wie ein Rockstar gefeiert wurde, sind vorüber. Heute schenken die Anteilseigner einem ergebnisorientierten, im operativen Bereich erfahrenen Manager ihr Vertrauen, dem "Operational CEO". Die Aufgaben eines CEO haben sich geändert, obwohl er schon immer dem Druck ausgesetzt war, den Shareholder-Value zu verbessern. Jedoch haben die Marktanforderungen die Grundregeln der Unternehmensführung verändert.
Heute liegt die Kontrolle vieler Unternehmen oftmals in den Händen einiger weniger einflussreicher und anspruchsvoller institutioneller Anleger. Ihre Toleranz gegenüber unfähigem Management, mangelndem operativen Verständnis und verschwendetem Kapital ist gleich Null. Zu diesen Anforderungen kommt weiterhin, dass durch diverse, in der jüngeren Vergangenheit aufgedeckte Skandale das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Unternehmensführungen sehr stark gelitten hat. Als Folge daraus haben Regierungen und Regulierungsbehörden ihre Aufsichtsfunktionen und Weisungsrechte entsprechend ausgedehnt.
Zur gleichen Zeit hat sich das Wachstum der Wirtschaft vom hohen Niveau der 90er Jahre deutlich verlangsamt. Der Margendruck hat sich aufgrund der steigenden Angebotsmengen und des zunehmenden Wettbewerbs aus Niedriglohnländern drastisch erhöht. Traditionelle Herangehensweisen um den Shareholder-Value zu steigern – wie etwa die Übernahme von Unternehmen, Diversifikation, neue Marktsegmente und -regionen, neue Vertriebskanäle für Produkte und Dienstleistungen – reichen allein meist nicht aus.
Kurz gesagt: Die Zeiten des Rockstar-CEO sind vorüber. Heute ist der unaufdringliche, ergebnisorientierte CEO gefragt, der sich im operativen Geschäft auskennt. Der Markt und die Anteilseigner sind davon überzeugt, dass solche Führungskräfte mit Hingabe die richtigen Maßnahmen ergreifen, wenn es um die Einführung neuer Wege und die Strukturierung der Geschäftsabläufe und der wirtschaftliche Kenndaten und die Positionierung im Wettbewerb geht.
Der "operational CEO“ weiß, dass das geschäftliche Umfeld von heute herausragende operative Strategien erfordert. Zwei eindrucksvolle Beispiele seien hier genannt: Lee Scott von Wal-Mart und Jeffrey Immelt von General Electric (GE). Obwohl sie aus zwei ganz unterschiedlichen Branchen kommen, verstehen beide, wie wichtig operative Themen sind, die bisher eher außerhalb der Top-Etage angesiedelt waren. Daher haben sie genau diese als Wachstumsstrategien für ihre Firmen ausgewählt.
Scotts Hinwendung zu den operativen Details wurde dadurch gefördert, dass Wal-Mart es vermochte, auf allen Ebenen Kosten zu senken. So konnte Wal-Mart den Kunden die niedrigsten Preise bei gleichzeitig ausreichenden Margen bieten. Das Unternehmen wurde damit zum Prototyp einer Low-Cost-Organisation.
Die Aufgabe von Immelt bei GE bestand darin, das organische Wachstum des Konzerns, das während der letzten Dekade konstant bei fünf Prozent lag, auf acht Prozent anzuheben. Das Unternehmen hatte es bei der schrittweisen Verbesserung seiner operativen Prozesse zu einer erheblichen Fertigkeit gebracht. Immelt erkannte aber, dass dies allein nicht ausreichte. Also überzeugte er sein Management-Team dazu, umfangreiche und drastische Maßnahmen zu ergreifen, die den Einzelnen zwangen, auch größere Risiken einzugehen. Seitdem hat GE mehr als fünf Milliarden Dollar in über 80 Einzelprojekte investiert, die intern unter dem Namen "Imagination Breakthrough Projects" laufen. Diese Initiativen haben die Denkweise im gesamten Unternehmen umgekrempelt. Das Programm ist noch nicht abgeschlossen, aber es gibt schon erste sehr positive Signale.
Als Mark Hurd den CEO-Posten bei Hewlett-Packard übernahm, kommentierte der Analyst der Gartner Group dies wie folgt: "HP konnte sich für zwei denkbare Lösungen entscheiden. Die eine ist ein Strategiewechsel, und die andere liegt darin, die operative Basis des Unternehmens umzustellen. Sie haben sich für die operative Variante entschieden ... denn Mr. Hurd ist ein "Operational CEO“, der sich mit den elementaren Dingen seines Geschäftes befasst."
In einem Artikel des Wall Street Journal konnte man kürzlich über Randall Stephenson lesen, warum er als der kommende CEO von AT&T gehandelt wird. Der Posten wird in absehbarer Zeit neu zu besetzen sein und Insider wissen, "… was den 45-jährigen für die Wall-Street so anziehend macht. Es ist seine sehr direkte und dabei charismatische Art. Er war ein geduldiger und kompetenter Zuarbeiter von Mr. Whitacre und ist bekannt für sein gutes Detailgedächtnis. Wie Mr. Whitacre ist er ein sehr praxisorientierter Manager, der sich auf die Details seines Geschäftes konzentriert.“
Wer den Shareholder-Value steigern will, ist zunehmend auf die Fähigkeit des Unternehmens angewiesen, Strategien zu definieren und erfolgreich umzusetzen. Strategien, die operative Innovationen und hervorragende Umsetzungen hervorbringen. Für diese Aufgabe ist ein "Operational CEO“ genau die richtige Besetzung.
Seit August 2011 verstärkt ein etwa 30-köpfiges Beraterteam der PwC’s PRTM Management Consulting das Consulting-Team bei PwC. Verschaffen Sie sich einen Überblick.