Deutscher Buchmarkt: Dem E-Book gehört die Zukunft

PwC prognostiziert 2012 für den Buchmarkt wie im Vorjahr einen Umsatz von 9,6 Milliarden Euro. Dennoch steckt die Branche in einem dramatischen Wandel. Während der Umsatz mit Printprodukten in den kommenden Jahren sinkt, wächst der Absatz von E-Books rasant.

„Wir rechnen für den deutschen Buchmarkt 2012 wie bereits im Vorjahr mit einem Umsatz von 9,6 Milliarden Euro“, so Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC Deutschland. Die PwC-Prognose, die anlässlich der Frankfurter Buchmesse herausgegeben wurde, geht von einem relativ stabilen Gesamtumsatz bis 2016 aus: Die Erlöse der gesamten Branche liegen in vier Jahren voraussichtlich mit 9,57 Milliarden in etwa auf dem aktuellen Niveau. Dennoch zeichnen sich starke Veränderungen auf dem Buchmarkt ab: Während die Umsätze im Printbereich sinken, gewinnen E-Books an Bedeutung. Die Umsätze mit elektronischen Büchern dürften allein im Belletristik-Segment bis 2016 um durchschnittlich 68 Prozent jährlich steigen und ein Volumen von 650 Millionen Euro erreichen. Sie würden dann rund 13 Prozent des gesamten Belletristik-Marktes ausmachen.

Über 40-Jährige gelten als besonders lesefreudig

Der Buchmarkt gilt im Vergleich zu anderen Branchen als relativ konjunkturunabhängig. So stieg der Umsatz in den Krisenjahren 2008 und 2009 im Bereich Belletristik sogar leicht an und verzeichnete in den vergangenen fünf Jahren einen Anstieg von 4,4 Milliarden auf 4,8 Milliarden Euro. „Die Branche profitiert von einem Anwachsen der Bevölkerungsgruppe der über 40-Jährigen, die als besonders lesefreudig gilt. Im Gegensatz dazu wirkt sich die demographische Entwicklung bei Schul- und Lehrbücher negativ aus“, erklärt Ballhaus. Auch bei Sach- und Fachbüchern ist der Trend negativ. Wurden 2007 in dieser Sparte noch Bücher im Wert von mehr als drei Milliarden Euro verkauft, erwartet PwC für 2012 nur noch ein Umsatz von 2,7 Milliarden Euro mit Sach- und Fachbüchern.

Sortimentshandel verliert Marktanteile

Vor allem die Digitalisierung und die Verlagerung von Inhalten und Vertrieb ins Internet bieten derzeit Chancen. So büßt der klassische Sortimentsfachhandel Marktanteile ein. Hier ging der Umsatzanteil in den vergangenen fünf Jahren um etwa sieben Prozent zurück und fiel 2011 erstmals unter die Marke von 50 Prozent. Gewinner ist der Onlinebuchhandel mit einem Anteil von 14,8 Prozent. Der rapide wachsende Markt für elektronische Bücher ist der wichtigste Trend auf dem Buchmarkt. Das zunehmende Aufkommen von preisgünstigen E-Readern und Tablets sowie die wachsende Auswahl deutschsprachiger E-Books sind wichtige Voraussetzungen für weiteres Wachstum.

Megabibliothek für E-Books startet im Herbst 2012

Noch ist die Auswahl an deutschsprachigen E-Books übersichtlich. Die meisten Plattformen bieten zwischen 50.000 und 150.000 Titel an. Doch die Digitalisierung schreitet voran. So soll ab Herbst 2012 eine Beta-Version der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) zugänglich sein. Jeder kann dann auf das digitale Angebot von tausenden Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland zugreifen.

Steuernachteil für E-Books könnte fallen

Für Konsumenten sind E-Books auch auf Grund von Preisvorteilen attraktiv. So werden elektronische Bücher derzeit im Durchschnitt mit einem Abschlag von 20 Prozent auf die gedruckte Ausgabe gehandelt. Dabei unterliegen E-Books in Deutschland dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent. Gedruckte Bücher sind dagegen mit einem Steuersatz von sieben Prozent begünstigt. Ähnliche Regelungen gelten auch in anderen europäischen Ländern. Die EU-Kommission prüft derzeit Möglichkeiten, den Mehrwertsteuersatz anzupassen. „Ein reduzierter Mehrsteuersatz würde die Attraktivität von E-Books deutlich erhöhen und dem Wachstum einen zusätzlichen Schub verleihen“, kommentiert PwC-Experte Werner Ballhaus.