Der Online-Handel freut sich seit Jahren über kräftige Zuwächse. Wenn es ums Bezahlen geht, setzen fast drei Viertel der Kunden im Internet allerdings noch auf traditionelle Zahlungsmittel wie Vorkasse, Lastschrift, Rechnung oder Kreditkarte. Elektronischen Bezahlsystemen attestiert PwC-Experte Werner Ballhaus deshalb gute Wachstumsaussichten. Der Anreiz für Unternehmen, Bezahldienste zu entwickeln und anzubieten, ist hoch: Bei jedem Euro, der online ausgegeben wird, können sie mitverdienen.
Noch nutzen fast 75 Prozent der Online-Käufer klassische Bezahlverfahren, zeigt eine im März 2011 veröffentlichte Befragung vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) und Creditreform. Die meisten Online-Kunden kaufen auf Rechnung. Der Anteil der e-Payment-Nutzer liegt mit etwa 26 Prozent an zweiter Stelle und lässt sowohl für etablierte Anbieter von elektronischen Bezahlsystemen wie PayPal, Giropay oder Click & Buy als auch für Neueinsteiger Wachstumspotenzial.

Abb. 1: Repräsentative Befragung zu genutzten Bezahlmöglichkeiten im Online-Handel.
Quelle: Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) und Creditreform
Besonders gute Wachstumsaussichten sehen Branchenexperten für Bezahldienste, die über Mobilgeräte genutzt werden. "Durch die rasante Zunahme internetfähiger Mobilgeräte werden auch die Transaktionsumsätze im 'mobile Payment' steigen", ist sich PwC-Experte Werner Ballhaus sicher. "Unternehmen aus Technologie und Telekommunikation können an diesem Trend mitverdienen", so Ballhaus, "und zwar, indem sie intuitive, sichere und kostengünstige elektronische Bezahlsysteme entwickeln oder Support-Dienstleistungen anbieten."
Wie das funktionieren kann, haben Vodafone und O2 bereits in einem Kooperationsprojekt gezeigt: Das gemeinsam entwickelte System mpass ist seit 2008 auf dem Markt. Im Dezember 2010 stieß die Deutsche Telekom als weiterer Kooperationspartner dazu. Allein in Deutschland rechnet Vodafone mit einem potenziellen Transaktionsvolumen von über 20 Milliarden Euro pro Jahr mit mobilen Geräten.
Eine Nische mit exzellenten Aussichten ist das sogenannte Micropayment – ein System zum Begleichen kleiner Summen. Beim Download von Songs, bei Online-Spielen oder Social-Media-Anwendungen fallen oft Zahlungsbeträge unter fünf Euro an. Bei diesen geringen Summen liegen die Kosten der Zahlungsabwicklung durch herkömmliche Verfahren häufig über dem Warenwert. An dieser Stelle sind Micropayment-Dienste sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer sinnvoll. Kleine Beträge werden dabei entweder durch Guthaben-Modelle, also Pre-Paid, abgewickelt oder durch das Zusammenfassen verschiedener Posten auf einer Rechnung. "Letzteres ist besonders für Telekommunikationsunternehmen attraktiv, weil sie Micropayment-Zahlungen über die Telefonrechnung abwickeln können", so Ballhaus.
Telekommunikationsunternehmen haben beim Geschäft mit elektronischen Bezahlsystemen einen entscheidenden Vorteil. Durch ihr Kerngeschäft haben sie bereits Zugang zu Kundendaten – und deren Einverständnis, Rechnungen zu stellen und Beträge einzuziehen.
Darüber hinaus genießen die Telekommunikationsunternehmen bei ihren Kunden bereits vergleichsweise großes Vertrauen, ein wichtiges Gut im mobilen Bezahlmarkt. "Ein guter Weg, die eigene Marktposition bei elektronischen Bezahlsystemen auszubauen oder zu festigen, ist die Kooperation mit großen Einzelhändlern", rät Ballhaus. "Denn Handelsunternehmen profitieren auch, wenn sie ihren Kunden einfache und vertrauenswürdige Zahlungswege bieten: Dann wird der Besucher schneller zum Käufer."
Über den Erfolg elektronischer Bezahlsysteme entscheidet letztlich die Sicherheit, denn die ist sowohl für den Käufer als auch für den Verkäufer der Knackpunkt. Konsumenten legen größten Wert darauf, dass ihre Daten sicher sind; Verkäufer sind vor allem an der Zahlungssicherheit interessiert.
Als eine große Hürde für elektronische Bezahlsysteme wertet PwC-Fachmann Ballhaus die Vielzahl unterschiedlicher Standards im Markt. Diese können zu Inkompatibilitäten führen und das natürliche Misstrauen der Konsumenten gegenüber neuen Bezahlverfahren verstärken.
"Anbieter von elektronischen Bezahlsystemen sollten versuchen, sämtliche Segmente des mobilen Bezahlmarkts zu erschließen und sich so als Ansprechpartner für unterschiedliche Dienstleistungen etablieren. Das reduziert die Komplexität für Händler und Kunden und erhöht die Datensicherheit", empfiehlt Werner Ballhaus. "Unternehmenskooperationen sind ein guter Weg, um schnell große Kundenmassen zu erreichen. Und schnell müssen die Anbieter sein: Da Kunden nicht bei zahllosen verschiedenen Bezahldiensten angemeldet sein möchten, werden mittelfristig einige wenige Player mit großem Dienstleistungsportfolio den Markt beherrschen", prognostiziert Ballhaus. "Kleinere Anbieter können aber durch Gemeinschaftsprojekte oder technische Dienstleistungen wie Sicherheitsstandards ein Stück vom Kuchen abbekommen."