Indische Medien- und Unterhaltungsbranche wächst kräftig – trotz rückläufiger Einnahmen aus "Bollywood"

Im Jahr 2010 konnte die Medien- und Unterhaltungsbranche in Indien kräftig zulegen: Mit 11,2 Prozent Zuwachs verzeichnete sie eine der höchsten Wachstumsraten weltweit. Und die Aussichten sind weiterhin positiv: Bis zum Jahr 2015 prognostiziert der Indian Entertainment and Media Outlook der Branche ein Wachstum von durchschnittlich 13,2 Prozent pro Jahr. Auch die schwächelnde indische Filmindustrie wird sich in den kommenden Jahren erholen, so die Prognose der PwC-Experten. Der digitale Strukturwandel vollzieht sich in Indien allerdings deutlich langsamer als in den westlichen Industrieländern.

Die indische Unterhaltungs- und Medienbranche hat sich im Jahr 2010 sehr positiv entwickelt. Allerdings ist sie weniger stark gewachsen als noch vor einem Jahr angenommen: Im Indian Entertainment and Media Outlook aus dem Jahr 2010 gingen die PwC-Experten noch von einem Zuwachs in Höhe von 15,1 Prozent aus, tatsächlich waren es 11,2 Prozent. 

Der Grund für das etwas langsamere Wachstum: Die indische Filmindustrie schrumpfte im Jahr 2010 um 7,9 Prozent. Das lag zum einen daran, dass die Branche zu wenige qualitativ hochwertige Inhalte produzierte. Zum anderen mussten viele Kinos mit nur einer Leinwand wegen rückläufiger Besucherzahlen schließen.

Der digitale Strukturwandel vollzieht sich in Indien nur sehr langsam

Alle anderen Segmente verzeichneten allerdings gute Zuwachsraten: Besonders schnell zulegen konnten die Umsätze mit Videospielen und Animationen: Ein Plus von 31,4 Prozent im Jahr 2010. Die Erlöse aus digitalen Quellen steigen auch in Indien seit Jahren, haben aber einen noch immer sehr geringen Anteil an den Gesamterlösen der Branche. Anders als in vielen westlichen Ländern vollzieht sich der digitale Wandel in Indien nur sehr langsam. Das Hauptproblem: Es fehlt eine flächendeckende digitale Infrastruktur. Die größten Segmente der indischen Medienbranche bleiben folglich das Fernsehen, die Print- und die Filmindustrie - also die klassischen, nicht-digitalen Kanäle.

Erfreulich ist, dass die Werbeeinnahmen mit anziehender Konjunktur wieder kräftig zunehmen: im Jahr 2010 um 14,3 Prozent. Das am schnellsten wachsende Segment im Werbesektor ist die Online-Werbung: Ein Plus von 28,3 Prozent. Den größten Anteil an den Werbeeinnahmen insgesamt haben aber nach wie vor die Verlage mit 46 Prozent und das Fernsehen mit 41 Prozent.

Trotz imposanter Wachstumsraten: Der indische Medien- und Unterhaltungsmarkt bleibt vergleichsweise klein. Der Gesamtumsatz im Jahr 2010 lag bei 14,4 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Die deutsche Medien- und Unterhaltungsbranche setzt pro Jahr 87,3 Milliarden US-Dollar um, Japan 174 Milliarden und die USA 443,1 Milliarden.

So entwickeln sich die einzelnen Medien-Segmente bis zum Jahr 2015:

  • Den größten Anteil an den Gesamtumsätzen in der indischen Medien- und Unterhaltungsindustrie wird nach wie vor das Fernsehen haben, das um 14,5 Prozent pro Jahr zulegen wird.
  • Die Filmbranche kann nach zwei mageren Jahren auf eine Erholung hoffen. Bis 2015 prognostizieren die PwC-Experten eine Zuwachsrate von 9,3 Prozent im Jahr. Viele große Filmproduktionen sollen in den nächsten Jahren auf den Markt kommen.
  • Die Umsätze in der Verlagsbranche werden bis 2015 ebenfalls um fast zehn Prozent pro Jahr zunehmen. Der Zeitungsmarkt wächst nach wie vor stark, die Auswirkungen der digitalen Veränderungen sind noch nicht zu spüren. Der Markt für Zeitschriften wird es durch den steigenden Wettbewerb und sinkende Preise schwerer haben. Lediglich Nischenmagazinen prognostiziert der Outlook gute Zuwachsraten.
  • Auch der Radiomarkt wächst schnell: Um 19,2 Prozent pro Jahr. Der Anteil der Radiowerbung an den Gesamtwerbeausgaben steigt bis 2015 von 4,4 auf 6,3 Prozent.
  • Auch das Segment für Videospiele, Animationen und Visual Effects entwickelt sich sehr dynamisch: fast 25 Prozent Wachstum pro Jahr. 3D-Produktionen sind ein wesentlicher Wachstumstreiber.
  • Schnell zulegen werden auch die Einnahmen aus der Online-Werbung: Um jährlich etwa 25,5 Prozent. Der Anteil der Online-Werbung an den Gesamt-Werbeausgaben wächst von 3,1 Prozent im Jahr 2009 auf 5,1 Prozent im Jahr 2015.
  • Auch das Segment der Außenwerbung hat sich 2010 nach einem Rückgang im Jahr 2009 gut erholt. Künftig sorgen vor allem digitale Werbeflächen für Wachstum.
  • In der Musikindustrie kurbeln digitale Verkäufe den Markt an, während die physikalischen Verkäufe weiter sinken.

Bibliographische Daten

Indian Entertainment and Media Outlook 2011

Herausgeber

PwC, Indien

Bibliographie/Quelle

Juli 2011
PDF-Dokument
152 S.
zahlr. Abb.
zahlr. Tab.

Preis

kostenlos