Lesen - in Zukunft nur noch digital?

Verlage und Internet-Buchhändler knüpfen hohe Erwartungen an E-Book-Reader. Sie sollen das elektronische Buch (E-Book) endlich zum Bestseller machen. Noch sind die Lesegeräte bei Verbrauchern weithin unbekannt. Zwar hat knapp jeder vierte Deutsche schon einmal von E-Books beziehungsweise E-Book-Lesegeräten wie dem "Kindle" oder dem "Sony Reader" gehört. Was sich jedoch genau hinter dem Begriff verbirgt, wissen aber nur acht Prozent der Deutschen. Zu diesem Ergebnis kommt PwC in einer Umfrage anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2009.

Zur Lektüre der digitalen Bücher kommen zunehmend E-Book-Reader auf den Markt, die ein neues Lesezeitalter einläuten sollen. E-Book-Reader ermöglichen das Herunterladen und Lesen von E-Books, Zeitschriften und Zeitungen. Die Geräte arbeiten mit sogenannter elektronischer Tinte (E-Ink), benötigen kein Hintergrundlicht und sind selbst bei direktem Sonnenlicht gut lesbar. Bereits in den 90er Jahren gab es unterschiedliche Bemühungen zur Etablierung von Lesegeräten für E-Books, die jedoch mangels verfügbarer Bücher und attraktiver, preisgünstiger Endgeräte nur von bescheidenem Erfolg gekrönt waren.

Kindle, Sony Reader & Co.

Die neue Generation der Lesegeräte soll jetzt den Durchbruch schaffen. Im Frühjahr 2009 hat der internationale Elektronikkonzern Sony seinen E-Book-Reader PRS 505 auf den Markt gebracht, seit Oktober 2009 ist eine neue Version, der PRS 600 Touch Edition erhältlich, der über Touchscreen-, Markierungs- und Anmerkoption und vergrößertem Speicher verfügt. Und auch der Internethändler Amazon, der sich in den USA mit seinem Kindle als bisheriger Marktführer einen Namen gemacht hat, hat im Oktober 2009 seinen E-Book-Reader Kindle 2 auf den deutschen Markt gebracht. 

Seit Januar 2010 ist auch ein zweites Modell, der Kindle DX, in Deutschland erhältlich. Der Kindle ist wie in den USA unter anderem mit Mobilfunkzugang für den Buchkauf auch ohne PC ausgestattet und verfügt über einen größeren Speicher als seine Sony-Pendants. Vorerst lassen sich mit dem Kindle aber nur englische Bücher elektronisch herunterladen. Weitere Lesegeräte gibt es zudem von Anbietern wie iLiad oder Bookeen. Die Endgeräte werden für Preise ab 199 Euro angeboten und variieren in ihrer Ausstattung (etwa Touchscreen, Markierfunktion, Handschrifterkennung, Mobilfunkanbindung oder Speicherkapazität).

Noch sind die Geräte bei den Konsumenten weitgehend unbekannt. Denn erst acht Prozent der Deutschen wissen, was ein E-Book-Reader ist. Zumindest 23 Prozent der Deutschen haben schon einmal von "Kindle", "Sony Reader" und Co. gehört. Doch auch bei den Befragten, die sich tatsächlich mit den neuen Lesegeräten auskennen, ist die Begeisterung für das neue Medium noch verhalten. Immerhin besitzen sieben Prozent von ihnen einen E-Book-Reader und weitere 20 Prozent wollen in den nächsten zwölf Monaten ein E-Book-Lesegerät kaufen oder denken ernsthaft über eine Anschaffung nach.

An der repräsentativen Umfrage zur Bekanntheit von E-Book-Lesegeräten und E-Books beteiligten sich 1.006 Bundesbürger. Zusätzlich wurden 303 Personen befragt, die entweder selbst elektronische Bücher besitzen oder zumindest mit diesen vertraut sind.

Lesegeräte und E-Books - Erfolgsfaktor Preis?

Als Hürde für den Erfolg der digitalen Bücher könnte sich der Preis erweisen - für E-Book-Reader und E-Books zugleich. Noch sind nämlich die derzeit in Deutschland verfügbaren Geräte zu teuer. Für einen Reader würden die meisten (68 Prozent) höchstens 200 Euro ausgeben, weitere 27 Prozent wollen entweder gar nichts bezahlen oder haben grundsätzlich kein Interesse am Kauf eines Lesegeräts.

Um Kunden für das neue Medium zu gewinnen, sollte die Branche ihr Vertriebsmodell überdenken. Nach dem Vorbild der Mobilfunkindustrie könnten Verlage und Online-Buchhändler beispielsweise Abo-Modelle entwickeln, die ein stark subventioniertes Lesegerät als Gegenleistung für eine längerfristige Vertragsbindung beinhalten.

Auch bei E-Books sind die Preisvorstellungen verhalten. Rund 75 Prozent würden auf keinen Fall mehr für die elektronische Ausgabe bezahlen wollen als für ein Taschenbuch, während nur 14 Prozent keinen Unterschied zwischen einer gebundenen Ausgabe und einem E-Book machen würden. Weitere 14 Prozent würden für ein elektronisches Buch sogar grundsätzlich überhaupt nichts bezahlen. 

In den USA werden E-Books mit deutlichen Preisabschlägen angeboten. Sony und Amazon verkaufen auf dem US-amerikanischen Markt Bestseller zum Preis von 9,99 US-Dollar - ein Preisniveau deutlich unter dem der Hardcover-Ausgaben. In Deutschland zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab. Derzeit liegen die Preise der E-Books bei bis zu 20 Prozent unter den Preisen der Printausgaben, trotz Buchpreisbindung, denn Verlage können E-Books auch zu niedrigeren Preisen als gebundene Ausgaben vertreiben.

Akkulaufzeit besonders wichtig, Formatfrage ein Stolperstein?

Als wichtigste Wunschmerkmale eines E-Book-Readers nennen die Befragten eine lange Laufzeit (97 Prozent), viel Speicherplatz (93 Prozent) und die Möglichkeit, schnell von einer Seite zur nächsten blättern zu können (89 Prozent). Große Bedeutung hat auch das Thema Kompatibilität. So legen 95 Prozent Wert darauf, dass ihr Lesegerät möglichst viele unterschiedliche Formate darstellen kann.

Auch hier ist die Branche gefordert: Zwar setzt sich das E-Pub-Format als Standard-Format zunehmend durch. Noch existiert aber eine Vielzahl unterschiedlicher E-Book-Formate, die den schnellen Erfolg gefährden können. So ist etwa der Kindle von Amazon nicht mit dem E-Pub-Format kompatibel, er liest nur das Amazon-Format, PDF- und Word-Dokumente.

Die Chancen, dass es der Buchbranche gelingt, diese neuen Entwicklungen aufzugreifen und ein Schicksal ähnlich der Musikindustrie zu vermeiden, stehen gut. Zumindest 34 Prozent der Befragten glauben, dass E-Books auf lange Sicht das gedruckte Buch ersetzen werden. Vor die Wahl gestellt würden derzeit aber dennoch sieben von zehn Befragten lieber das gedruckte Werk in die Hand nehmen als sein elektronisches Pendant.