PwC-Studie: Transaktionen beleben den europäischen Medienmarkt

Der Markt für Fusionen und Übernahmen in der europäischen Medienbranche ist wieder im Aufwind: 2010 wurden 133 Deals gezählt, 48 Prozent mehr als im Krisenjahr 2009. Das Transaktionsvolumen hat sich um 53 Prozent auf insgesamt 9,5 Milliarden Euro erhöht. Besonders das erste Halbjahr 2010 verlief gut, dank eines Mega-Deals mit deutscher Beteiligung. Zu diesen Ergebnissen kommt die PwC-Studie "Media M&A Insights 2011".

Das hohe Transaktionsniveau des Jahres 2008 mit 135 Deals und einem Volumen von 17,1 Milliarden Euro im Entertainment & Media-Sektor blieb zwar auch 2010 unerreicht. Die Aussichten für 2011 sind dennoch positiv: "Die Kreditkrise scheint überstanden und für 2011 erwarten wir noch stärkeres Engagement von Private-Equity-Investoren im Mediensektor", so Dr. Arno Wilfert, Transaktionsexperte bei PwC.

Ein genauer Blick auf die Fusionen und Übernahmen im europäischen Mediensektor im Jahr 2010 zeigt einen großen Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Jahreshälfte. Im ersten und zweiten Quartal sah es so aus, als könnte die Branche wieder an das Vorkrisenniveau anknüpfen: Es kam zu 75 Deals mit einem Gesamtvolumen von über 6,7 Milliarden Euro. Das zweite Halbjahr 2010 brachte aber Ernüchterung: Es kam lediglich zum Abschluss von 58 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 2,79 Milliarden Euro.

Ein Deal stellt alle anderen in den Schatten

Das gute Ergebnis im ersten Halbjahr lag vor allem am größten Medien-Deal des Jahres 2010: Im Februar 2010 erwarb die schwedische Private-Equity-Gesellschaft EQT Partners AB für 2,2 Milliarden Euro den Fachverlag Springer Science + Business. Insgesamt kann man aber für 2010 nicht von einer hohen Transaktionsaktivität auf dem europäischen Medienmarkt sprechen. Die meisten Deals wiesen eher kleinere Volumina auf. Das durchschnittliche Dealvolumen lag bei 72 Millionen Euro und damit nur drei Prozent höher als 2009.

In Deutschland stieg das Transaktionsvolumen 2010 um stolze 229 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Die Anzahl der Deals legte um 192 Prozent zu. Der wichtigste Deal war mit Abstand der Springer-Deal, der 83 Prozent des gesamten Transaktionsvolumens der Medien-Deals mit deutscher Beteiligung ausmachte.

Die Aktivitäten in den Schwellenländern, besonders in Osteuropa, nahmen deutlich zu. Zwei der zehn größten europäischen Deals fanden in Polen und Bulgarien statt und lassen auf verstärkte Aktivitäten in dieser Region hoffen.

Medienunternehmen wollen ihr Geschäft diversifizieren

Medienunternehmen investieren verstärkt in Firmen, die auf digitale Dienstleistungen setzen. So erhoffen sie sich, die Einnahmeausfälle aus dem traditionellen Geschäft zu kompensieren.
Außerdem sehen Medienfirmen die Notwendigkeit, ihr Geschäft zu diversifizieren. Sie suchen Übernahmekandidaten, die komplett andere Dienstleistungen anbieten als sie selbst. Gute Beispiele dafür sind die Bertelsmann AG, die fünf Millionen Euro in eine deutsche, auf den Online-Handel spezialisierte Firma namens deal united GmbH investierte, oder die Deutsche Post AG, die im Sommer 2010 die Online-Werbeplattform nugg.add erwarb.

Investoren nehmen Produzenten von Online-Inhalten ins Visier

"Sowohl für Finanzinvestoren als auch für strategische Investoren sind Unternehmen interessant, die Online-Content erstellen. In diesem Sektor werden wir 2011 einige Fusionen und Übernahmen erleben", so die Prognose von Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC. Er nennt fünf Trends, die in Zukunft zu vermehrten Fusionen und Übernahmen im Mediensektor führen werden: "Der Online-Handel, digitales Marketing, Online- und Computerspiele, soziale Medien und Bezahl-Inhalte."

Die jährlich erscheinende Studie "Media M&A Insights" gibt einen Überblick über die wichtigsten Fusionen und Übernahmen im Mediensektor im vergangenen Jahr und bietet einen Ausblick auf die Transaktionsaktivitäten im Jahr 2011.

Bibliographische Daten

Media M&A Insights 2011

Herausgeber

PwC

Bibliographie/Quelle

April 2011
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