PwC-Studie: Telekommunikationsbranche will durch Aktivitäten in den Schwellenländern wachsen

Nach dem Abschwung in den vergangenen Jahren haben die Telekommunikationsunternehmen wieder großes Interesse an Fusionen und Übernahmen. Zwar lag das Transaktionsvolumen im Jahr 2010 noch deutlich unter dem der Spitzenjahre 2005 und 2006. Dennoch signalisieren Unternehmen und Investoren wieder deutliches Kaufinteresse. Die PwC-Studie "M&A Insights" für die Telekommunikationsbranche fasst die wichtigsten Transaktionen des vergangenen Jahres zusammen und gibt einen Ausblick für 2011.

Die Deutsche Telekom AG hat den Verkauf ihrer amerikanischen Mobilfunktochter T-Mobile USA an den Konkurrenten AT&T angekündigt. Auf einen Schlag könnte die Deutsche Telekom damit ihr Sorgenkind abgeben – und das mit umgerechnet rund 23 Milliarden Euro zu einem guten Preis. Die Anleger reagierten positiv: Der Kurs der Telekom-Aktie ging deutlich nach oben. Der Zusammenschluss von AT&T und T-Mobile USA könnte einer der großen Deals des Jahres 2011 und ein Vorbote für die kommende dynamische M&A-Entwicklung in der Telekommunikationsbranche werden.

Das Transaktionsvolumen stieg, die Zahl der Deals sank

Der Optimismus kehrt in der Telekommunikationsbranche allmählich zurück, auch wenn das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht ist. In Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA-Region) stieg das Transaktionsvolumen im Jahr 2010 auf 41,3 Milliarden Euro – gegenüber dem Vorjahr war das ein Anstieg von 82 Prozent.

Gleichzeitig ging die Anzahl der Transaktionen gegenüber 2009 leicht zurück: von 365 im Jahr 2009 auf 354. Diese auf den ersten Blick widersprüchliche Entwicklung erklärt sich durch einen großen Anteil von Deals mit hohem Transaktionsvolumen. Die mit Abstand größte Transaktion war die Akquisition eines 50-prozentigen Anteils an Brasilcel NV durch das spanische Unternehmen Telefónica SA für 7,5 Milliarden Euro. Es sind vor allem die großen Unternehmen, die den M&A-Markt beleben – an den zehn Top-Deals in Europa war 2010 nur eine Private-Equity-Gesellschaft beteiligt.

"Wir gehen davon aus, dass der Aufschwung in der Telekommunikationsbranche weiter anhalten und noch an Dynamik gewinnen wird", sagt Dr. Arno Wilfert, Transaktionsexperte bei PwC. "Das mobile Internet und die rasante Entwicklung im Bereich Smartphone und Tablet beleben den Markt deutlich."

Um den deutschen Markt ist es ruhig geworden

In Deutschland haben die M&A-Aktivitäten in der Telekommunikationsbranche 2010 weiter abgenommen: Es gab lediglich 17 Deals mit einem Gesamtvolumen von rund 553 Millionen Euro. Der größte Deal mit deutscher Beteiligung war der Kauf des Kabelnetzbetreibers PrimaCom durch den Luxemburger Finanzinvestor Medfort im Juli 2010. Die PwC-Experten bewerten diese Entwicklung als ein Zeichen dafür, dass der Konsolidierungsprozess auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt nahezu abgeschlossen ist.

Bewegung gab es auf dem deutschen Kabel-TV-Markt. Fünf Anbieter wechselten im vergangenen Jahr ihre Besitzer. In zwei Fällen war der Wechsel durch finanzielle Notlage bedingt.

Dealaktivitäten in den Wachstumsmärkten sorgen für Bewegung

Die PwC-Experten sagen voraus, dass Unternehmen und Investoren in Europa Reserven für hochpreisige Käufe bereithalten. Insbesondere die Emerging Markets bleiben ein attraktives Ziel. So spielt Russland weiterhin eine wichtige Rolle bei Transaktionen und war 2010 das Ziel von 83 Deals. Die Konsolidierung steht dem russischen Markt noch bevor. Russische Telekommunikationsunternehmen bauen ihren Einfluss durch Akquisitionen im Ausland aus.

Mit zunehmender Marktsättigung in Westeuropa werden auch andere Märkte attraktiv, zum Beispiel in Mittel- und Osteuropa sowie in Südamerika. Die Marktentwicklung im Nahen Osten enttäuschte dagegen. Politische Instabilität hielt ausländische Investoren fern und ließ keine großen Transaktionsbewegungen zu. Die PwC-Experten gehen davon aus, dass sich diese Situation auch 2011 nicht maßgeblich ändert. Mittelfristig gelten Afrika und Südostasien als Regionen mit hohem Dealpotenzial.

Chancen im Spiele-Segment

Konvergenz ist momentan das bestimmende Thema sowohl in Deutschland als auch auf dem gesamten westeuropäischen Markt. Nach über zehn Jahren theoretischer Diskussionen wird das Thema jetzt Wirklichkeit. Sinkende Einnahmen aus dem traditionellen Telefoniegeschäft zwingen Telekommunikationsunternehmen, ihr Dienstleistungsportfolio zu diversifizieren.

Wachstumschancen sehen die PwC-Experten im Spiele- und im Videomarkt, einem Segment, das sich in den vergangenen Jahren krisensicher gezeigt hat. Außerdem identifizieren sie Rundfunkanbieter und Online-Serviceprovider als interessante Ziele für zukünftige Deals.

"Der Einstieg von Telefónica beim spanischen Canal Satellite Digital und die Übernahme des Online-Zahlungsdienstleisters Click & Buy durch die Deutsche Telekom zeigen, dass Telekommunikationsunternehmen auch branchenübergreifende Übernahmeziele ins Visier nehmen", so Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC.

Bibliographische Daten

Telecoms M&A Insights 2011

Herausgeber

PwC

Bibliographie/Quelle

April 2011
Internetoptimierte PDF-Version

Preis

kostenlos