Transaktionstätigkeit in der Telekommunikationsbranche sinkt weiter, Ende der Talfahrt in Sicht

Telefoniert wird immer. Doch trotz der vergleichsweise stabilen Umsatzerwartungen konnte sich auch die Telekommunikationsbranche im Jahr 2009 dem anhaltenden Abschwung nicht entziehen. Die Übernahmeaktivitäten im Telekommunikationssektor waren weiter auf Talfahrt. Bereits im zweiten Halbjahr 2009 machte sich aber ein Stimmungswandel bemerkbar. Es geht wieder bergauf. Kein Wunder, denn die Unternehmen haben gefüllte Kassen. Die PwC-Studie "M&A Insights" für die Telekommunikationsbranche fasst die wichtigsten Transaktionen im vergangen Jahr zusammen und gibt einen Ausblick für 2010.

Im Jahr 2009 brach das M&A-Volumen in der Telekommunikationsbranche in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) gegenüber 2008 um 55 Prozent auf rund 22,7 Milliarden Euro ein. Die Zahl der Transaktionen ging um zehn Prozent auf 365 Deals zurück. Wie auch im Vorjahr kam es 2009 zu keinem einzigen "Mega-Deal" mit einem Transaktionsvolumen von mehr als zehn Milliarden Euro.

Dennoch sorgte John Malone im November 2009 für Schlagzeilen. Mit seiner 3,5 Milliarden-schweren Übernahme des deutschen Kabelnetzbetreibers Unitymedia gelang ihm der Einstieg in den deutschen Kabel-TV Markt. Im gleichen Monat setzte sich der französische Medienkonzern Vivendi mit knapp drei Milliarden Euro erfolgreich beim brasilianischen Telekommunikationsunternehmen GVT durch, an dem auch die spanische Telefónica interessiert war. Für die drittgrößte Transaktion in EMEA im Jahr 2009 sorgte der Mobilfunknetzbetreiber Vodafone. Er erhöhte seine Beteiligung am südafrikanischen Joint-Venture Vodacom.

In Deutschland war die Unitymedia-Übernahme durch John Malones Liberty Global die mit Abstand größte Transaktion. Weitere wichtige Transaktionen mit deutscher Beteiligung waren die Übernahme von Hansenet ("Alice") durch die spanische Telefónica für 900 Millionen Euro und der Erwerb einer fünfprozentigen Beteiligung an der griechischen Gesellschaft Hellenic Telecoms (OTE), für die die Deutsche Telekom AG 674 Millionen Euro bezahlte. Insgesamt stieg das Volumen der veröffentlichten Kapitalbeteiligungen, Übernahmen und Fusionen in Deutschland leicht von 5,6 Milliarden auf 5,7 Milliarden Euro. Die Anzahl der Transaktionen mit deutscher Beteiligung ging um 23 Prozent von 42 auf 31 zurück. Ohne die Übernahme von Unitymedia wäre auch der Transaktionswert dem europäischen Trend folgend stark gesunken.

Wachstumsmärkte im Fokus

Die von europäischen Telekommunikationsunternehmen getätigten Transaktionen und Beteiligungen konzentrierten sich vor allem auf Ziele in Westeuropa (185 Transaktionen) und Osteuropa (113 Transaktionen). Insbesondere Russland zog Investoren an. Dies überrascht kaum, schließlich suchen etablierte europäische Telekommunikationsgesellschaften aufgrund gesättigter Heimatmärkte verstärkt nach Wachstumschancen in weniger entwickelten Märkten. Im vergangenen Jahr stieg das M&A-Volumen in Mittel- und Osteuropa um mehr als 20 Prozent. Die Anzahl der Transaktionen lag bei 79 und damit rund 68 Prozent höher als 2008.

Um die oft noch unterentwickelten Telekommunikationsmärkte der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) zu erschließen, dürfte Russland auch in Zukunft für Transaktionen attraktiv bleiben. Ein überdurchschnittliches Deal-Wachstum erwartet die Branche auch in Afrika. Beispiel dafür ist die im Februar 2010 angekündigte Absichtserklärung von Bharti Airtel aus Indien, das Afrikageschäft des kuwaitischen Telekommunikationsunternehmens Zain zu übernehmen. In der Vergangenheit gab es immer wieder Bemühungen von indischen Telekommunikationsunternehmen in den afrikanischen Telekommunikationsmarkt einzusteigen, um dort Wachstumschancen zu erschließen.

Ausblick für 2010: Potenzial für Konsolidierung

In der deutschen Telekommunikationsbranche wird sich die Konsolidierung des Marktes auch 2010 fortsetzen. Insbesondere der harte Wettbewerb zwischen den Festnetzbetreibern und Kabelgesellschaften, die um Telefon-, Internet- und Fernsehkunden gleichermaßen konkurrieren, dürfte zu weiteren Übernahmen und Fusionen führen. Denn der deutsche Festnetzmarkt ist im Vergleich zu dem anderer Länder Westeuropas noch immer stark fragmentiert. Neben den großen, integrierten Netzbetreibern gibt es auch kommunale Telefongesellschaften und die regional aktiven Kabelgesellschaften. Zwar ist aus wettbewerbsrechtlichen Gründen in naher Zukunft nicht mit einem Zusammenschluss aller großen Kabelgesellschaften zu einem bundesweiten Anbieter zu rechnen, dennoch wird es weitere Eigentümerwechsel geben. Bereits angekündigt ist der Teil-Börsengang von Kabel Deutschland, der dem Finanzinvestor Providence einen Erlös von bis zu 880 Millionen Euro einbringen könnte.

Doch auch die Telekommunikationsmärkte innerhalb Europas werden weiter in Bewegung bleiben. Transaktionen entstehen nicht zuletzt durch die teilweise Zusammenlegung der Netze von Mobilfunkgesellschaften eines jeweiligen Landes mit dem Ziel Betriebs- und Investitionskosten einzusparen. Ebenfalls werden verstärkt Kooperationen bei der Umstellung des Festnetzes von Kupfer- auf Glasfaserkabel erwartet, die aufgrund der enormen Investitionsvolumina sinnvoll erscheinen.

Die jährlich erscheinende PwC-Studie M&A Insights fasst die wichtigsten Transaktionen im EMEA-Raum des vergangenen Jahres zusammen und gibt einen Ausblick auf die Trends im Transaktionsgeschäft für 2010.

Bibliographische Daten

M&A Insights 2010
Telecoms Sector

Herausgeber

PwC

Bibliographie/Quelle

März 2010
10 S.
zahlr. Abb.
zahlr. Tab.