Sind Videospiele das Leitmedium der Zukunft? - Ergebnisse der Zukunftswerkstatt von PwC

Schauen wir in zehn Jahren Fernsehen in 4D? Laufen alle Medien künftig über ein multifunktionales Gerät? Oder erlebt das Kino eine Renaissance? Es reicht nicht mehr, nur am Puls der Zeit zu sein. Erfolgreiche Unternehmen sind den aktuellen Entwicklungen voraus. Deshalb lud PwC hochrangige Vertreter aus Medien, Telekommunikation und Wissenschaft am 6. September 2011 in den Kölner Wasserturm ein, um mit ihnen über die Zukunft des "Bewegtbilds" zu diskutieren. Der Zukunfts- und Trendforscher Matthias Horx gab Denkanstöße und stellte in seinem Gastvortrag die These auf, dass Videospiele sich zum Leitmedium der Zukunft entwickeln.

Das Ziel der Zukunftswerkstatt von PwC: Entwicklungsszenarien für die Medienbranche diskutieren und frische, innovative Ideen entwickeln. Unter dem Motto "Erlebniswelt Bewegtbild" wurde diesmal von Werner Ballhaus, dem Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC, der Rahmen für eine Diskussion über die Zukunft der TV-Landschaft geschaffen. Als Impulsgeber konnte er den Zukunftsforscher Matthias Horx gewinnen. Horx untersucht an dem von ihm gegründeten Zukunftsinstitut in Wien die prägenden Veränderungen der Gegenwart und analysiert die Folgen großer Trends auf die Zukunft von Gesellschaft, Unternehmen und Kultur.

Obwohl Matthias Horx überzeugt ist, dass wir in einer vergleichsweise innovationsarmen Zeit leben, setzen das Internet und die zunehmende Mobilität der Bevölkerung die TV-Branche unter Veränderungsdruck. Mit dem iPad hat sich zum Beispiel eine Innovation durchgesetzt, die den Nutzern mehrere erkennbare Vorteile bietet und vor allem die Komplexität der Mediennutzung reduziert. Möchten die Anbieter von Bewegtbild nicht den Anschluss an die Nutzer verlieren, sind sie nun unter Zugzwang, gute Inhalte in einer zum neuen Gerät passenden Form anzubieten.

"Alle neuen Medien gelten erstmals als gefährlich", so Horx. "Aber kein neues Medium löst das alte komplett ab. Neue Medien entwickeln alte Medien lediglich in neuen Nischen weiter." Die Funktion der einzelnen Medien verändere sich. Während das Fernsehen früher in erster Linie der Verkündigung von Neuigkeiten diente, gehe es heute um kollektive Events und Riten. Solche soziotechnischen Veränderungen müssen eine zentrale Rolle in den Zukunftsstrategien der Fernsehanbieter spielen.


Matthias Horx,
Trend- und Zukunftsforscher
(www.zukunftsinstitut.de),
Foto: Klaus Vyhnale

Videospiele vermitteln Sozialkompetenz

Horx ist überzeugt, dass Gaming das Leitmedium der Zukunft ist. Mehr als 13 Millionen Menschen in 48 Ländern spielen regelmäßig. Der große Teil der Spieler (70 Prozent) ist im Alter zwischen 19 und 32. Dabei haben Videospiele entgegen der verbreiteten Meinung auch einen pädagogischen Mehrwert, glaubt Horx: "Videospiele sind der Lernort der Zukunft – in komplexen Rollenspielen erlernen und trainieren die Spieler ihre sozialen Kompetenzen."

Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC, hält dagegen: "Das Fernsehen ist nach wie vor das am meisten genutzte Medium, auch wenn die Jugend bereits mehr Zeit im Netz verbringt. Der Stellenwert des Fernsehens bleibt hoch, besonders wenn man die Erweiterungsmöglichkeiten durch Hybrid-TV mit bedenkt. Die 3D-Technologie wird dagegen im Fernsehkontext eher ein Nischenformat bleiben, das nur bei bestimmten Anlässen wie Sport-Großevents interessant sein könnte."

Der Durchschnitts-Deutsche sieht am Tag fast vier Stunden fern und surft 80 Minuten im Internet. "Allerdings wird die Verzahnung dieser Medien immer enger", so Ballhaus. "70 Prozent der Internet-Nutzer sehen sich regelmäßig Bewegtbilder im Internet an, wie zum Beispiel Podcasts, Videoportale oder Live-Fernsehen, und immer mehr Haushalte sind mit internetfähigen Fernsehgeräten ausgestattet."

Mobilität der Konsumenten prägt die Medienbranche

Was bedeuten diese Veränderungen für die langfristige Strategie von Fernseh- und Medienunternehmen? "Der Schlüssel liegt in einer Multiplattform- und Multichannel-Strategie. Das heißt: Unternehmen müssen die Nutzer da, wo sie sind, und auf jedem Empfangsgerät abholen. Mobilität bleibt also ein Kerntrend und wird auch in der Zukunft die Entwicklung der Medien maßgeblich prägen", resümiert PwC-Experte Ballhaus die Diskussion.