Flut neuer Anträge zum „Bekannten Versender“ erwartet

Sicherheit im Luftverkehr ist ein Dauerthema. Um diese zu erhöhen wurde aus dem früheren „Reglementierten Beauftragten“ der „Bekannte Versender“ in der Luftfracht. Dieser muss heute eine Zulassung vorweisen und in der EU-weiten Datenbank registriert sein. Stichtag für die Zulassung und das Ende der Übergangsfrist ist der 25. März 2013.

Schon mehren sich die Stimmen, die einen Engpass bei der Bearbeitung der geschätzten 60 000 Anträge sehen, da bis jetzt nur ein Bruchteil eingereicht wurde. Das hätte im Jahr 2013 auch Auswirkungen auf die Abfertigung, da Fracht von einem nicht zertifizierten Versender an den Abflughäfen kontrolliert werden muss. Hierzu müssten Kapazitäten aufgebaut werden, denn über 95 Prozent der Luftfracht wurde in der Vergangenheit in Deutschland ohne weitere Sicherheitskontrollen zum Beispiel durch Röntgen verladen.

„Bekannte Versender“ können nur Unternehmen werden, in denen die Ladung ihren Ursprung hat. Für die Zertifizierung ist beim Luftfahrt-Bundesamt (LBA) ein Sicherheitsprogramm nach einer Mustervorlage einzureichen sowie Informationen über den Ablauf und die Partner abzugeben. Der „Bekannte Versender“ ist aber nur ein Baustein der Maßnahmen zu mehr Sicherheit im Luftverkehr.

Eine PwC-Umfrage bei Luftfrachtunternehmen zum Thema Sicherheit hat ergeben, dass fast drei Viertel der Umfrageteilnehmer für eine Steigerung der Qualität der Kontrollen sind. Mehr als zwei Drittel fordern darüber hinaus für die gesamte Luftfracht ein vollständiges Screening. "Die Umsetzung würde die Luftfracht derzeit zum Erliegen bringen, da die Kapazitäten noch nicht vorhanden sind", so Klaus-Dieter Ruske, Leiter des Geschäftsbereichs Transport und Logistik bei PwC. Die Branche rechnet mit Kostensteigerungen im dreistelligen Millionenbereich. Jedes dritte Unternehmen geht sogar davon aus, dass der zusätzliche Aufwand die Branche in absehbarer Zeit über 200 Millionen Euro im Jahr kosten werde. Zwei von drei Unternehmen erwarten laut der PwC-Umfrage aber, dass sie maximal die Hälfte der Kosten an ihre Kunden weiterreichen können.

Sicherheitskonzept noch nicht ausgereift

„Nur die Zahl der Kontrollen zu erhöhen, wird nicht reichen. Ohne ein durchdachtes und umfassendes Konzept gewinnen wir kaum zusätzliche Sicherheit, treiben aber die Kosten in die Höhe", warnt Ruske. Wenn die Luftfracht vor Annahme am Flughafen besser kontrolliert werden soll, dann müssen Sicherheitskonzepte der anliefernden Unternehmen überprüft und gegebenenfalls neu definiert werden. Gerade bei diesem Punkt sind die befragten Logistiker aber mehr als zurückhaltend. 87 Prozent lehnen eine Überarbeitung ab. Zwei Drittel der Unternehmen sind der Überzeugung, dass die gegenwärtigen Sicherheitsmaßnahmen bereits maximale Sicherheit bieten und auf dem neuesten Stand sind. Zwei Drittel der befragten Unternehmen beschäftigen einen Sicherheitsbeauftragten und schätzen vielleicht aus diesem Grund die Qualität der eigenen Kontrollen als hoch ein.

Trennung von Fracht und Passagieren ist unrealistisch

"Ein zentrales Problem liegt bei der Fracht, die bereits geflogen wurde und die bisher als sicher galt. Der Vertrauensvorschuss für diese umzuladende Fracht steht seit den Bombenfunden auf dem Prüfstand. Ein Sicherheitsniveau wie in der EU oder den USA ist in vielen Drittländern nicht gegeben", erklärt Ruske. Mittlerweile lehnen Unternehmen Fracht aus risikobehafteten Gebieten ab, wenn vor Ort keine ausreichenden Kontrollen stattfinden. Die Trennung von Fracht und Passage – gut 60 Prozent der gesamten Luftfracht wird in Passagiermaschinen transportiert – sieht die überwiegende Mehrheit (87 Prozent) in den kommenden drei bis fünf Jahren nicht umgesetzt."Dies ist aus Kapazitätsgründen auch gar nicht möglich, da die entsprechend notwendige Anzahl von Frachtflugzeugen nicht bereitgestellt werden kann", erläutert Ruske.

Unternehmen sehen staatliche Behörden in der Pflicht

Bevor Unternehmen deshalb jetzt selber aktiv werden, wollen vier von fünf Befragten erst einmal die politischen Vorgaben abwarten. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (53 Prozent) sieht hier staatliche Behörden wie das Luftfahrtbundesamt, den Zoll oder die Polizei in der Pflicht.

Die Umfrage wurde im Auftrag von PwC durch ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut durchgeführt. Die befragten Flughäfen und Luftfrachtdienstleister repräsentieren rund 75 Prozent des Frachtaufkommens an deutschen Flughäfen sowie rund 70 Prozent des Luftfrachtlogistikmarktes in Deutschland.

Die Umfrage wurde im Auftrag von PwC durch ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut durchgeführt. Die befragten Flughäfen und Luftfrachtdienstleister repräsentieren rund 75 Prozent des Frachtaufkommens an deutschen Flughäfen sowie rund 70 Prozent des Luftfrachtlogistikmarktes in Deutschland.