Faszination Meer: Immer mehr deutsche Urlauber gehen auf Kreuzfahrt

Die Weite des Meeres genießen, ausruhen, Sport treiben und sich gut unterhalten lassen: Kreuzfahrten liegen als Form von Pauschalurlaub voll im Trend. Was bei der Buchung zählt und worauf es Passagieren an Bord ankommt, erläutern die PwC-Experten Dietmar Prümm und Claus Brandt.

Im Gespräch mit Dietmar Prümm, Partner bei PwC und Leiter des Bereiches Transport und Logistik, und Claus Brandt, Partner bei PwC und Leiter des Maritimen Kompetenzzentrums.

Kreuzfahrten boomen seit einigen Jahren. Eine PwC-Umfrage zeigt: 25 Prozent der Deutschen haben bereits eine Kreuzfahrt gemacht. Haben Sie dieses Ergebnis erwartet?

Dietmar Prümm: In der Tat hält die positive Entwicklung der Branche bereits seit einigen Jahren an. Allein 2015 haben laut CLIA Deutschland (Cruise Line International Association) mehr als 1,8 Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt gemacht. Das ist ein neuer Passagier-Rekord.

Dietmar Prümm

Die Umfrage „Kreuzfahrten 2016“ unter mehr als 1.000 Bundesbürgern zeigt zudem, dass bereits jeder vierte Deutsche mit einem Kreuzfahrtschiff gereist ist, nur 17 Prozent der Befragten können sich diese Art der Reise nicht vorstellen. Dies macht deutlich, wie verbreitet diese Form des Pauschalurlaubs in Deutschland mittlerweile ist.

Wie schätzen Sie das Wachstumspotenzial für die Branche ein?

Prümm: Unsere Umfrage dokumentiert, wie hoch das Interesse an Kreuzfahrten bei den deutschen Urlaubern ist. Zwar haben 38 Prozent der Befragten bisher noch keine Kreuzfahrt gemacht, würden aber gern einmal mit einem Kreuzfahrtschiff verreisen. Hinzu kommen sieben Prozent, die einen solchen Urlaub innerhalb der nächsten zwölf Monate planen, bisher aber noch nicht mit dem Schiff verreist sind. Zusammen mit den 25 Prozent, die schon einmal eine Kreuzfahrt gemacht haben, sind das etwa 70 Prozent der Befragten, die offen für solche Angebote sind. Ein beeindruckender Wert.

Hat die Kreuzfahrt ihren Ruf als Inbegriff des Luxus also inzwischen abgestreift?

Claus Brandt: Die Kosten sind nach wie vor ein zentraler Punkt, der die Befragten davon abhält, ihren Traum von einem Urlaub auf dem Meer zu verwirklichen. Nach Ansicht von 58 Prozent der Befragten sind Kreuzfahrten zu teuer.

Claus Brandt

Obwohl es mittlerweile ein sehr breites Spektrum verschiedener Angebote gibt – darunter auch sehr niedrigpreisige, die durchaus mit pauschalen Hotelurlauben mithalten können – ist die Einschätzung nach wie vor vorhanden, dass Kreuzfahrten nur etwas für Gutsituierte sind. Einige der Befragten befürchten gar Kostenfallen auf ihrer Reise. Sie sind skeptisch, ob alle All-Inclusive-Angebote das halten, was sie versprechen. Denn häufig kommen zusätzliche Kosten für Landgänge oder Angebote an Bord hinzu. Kostentransparenz gehört deswegen für Passagiere zu den wichtigsten Aspekten bei der Wahl eines Anbieters.

Was spielt bei der Buchung denn noch eine Rolle?

Brandt: Bei Kreuzfahrten zählt vor allem die Sicherheit. 73 Prozent nennen hohe Sicherheitsstandards an Bord als zentralen Aspekt. 58 Prozent der Kreuzfahrt-Reisenden legen in diesem Zusammenhang vor allem Wert darauf, krisengefährdete Gebiete auf der Route zu meiden.

Treffen die Spezialangebote, auf die Reedereien immer häufiger setzen, die Nachfrage im Markt?

Prümm: In unserer Umfrage gaben beispielweise nur zehn Prozent der Befragten an, sich sehr für Kreuzfahrten zum Thema Musik zu interessieren. Aber genau das ist ja der Punkt: Diese Angebote, beispielsweise eine Kreuzfahrt nur für Heavy-Metal-Fans, bedienen eine ganz bestimmte Nische von Interessierten, die sich unter Gleichgesinnten besonders wohl fühlen. Solche Reisen sind meist in kürzester Zeit ausgebucht. Dieses Beispiel allein zeigt schon, dass solche Angebote greifen.

Was ist beliebter: Auf großen Luxuslinern zu reisen oder auf kleinen Kreuzfahrtschiffen?

Brandt: Die Größe des Schiffs ist für die meisten kaum von Bedeutung. Nur 18 Prozent der Befragten geben an, gerne auf einem möglichst großen Schiff zu reisen. Demgegenüber stehen 14 Prozent, die kleine, überschaubare Schiffe bevorzugen. Große, geräumige Kabinen sind dagegen viel entscheidender: 45 Prozent der Befragten nennen die Größe der Kabine als vorrangigen Aspekt. Beim Bau neuer Schiffe oder der Vollsanierung alter Schiffe sollten die Kabinengrößen deswegen entsprechend angepasst werden – vorausgesetzt, Passagiere sind bereit, dafür auch mehr zu bezahlen.

Was erwarten Passagiere an Komfort?

Prümm: Acht von zehn Kreuzfahrt-Teilnehmern wünschen sich unbedingt einen kostenlosen WLAN-Zugang. Doch das ist vorläufig leider noch Zukunftsmusik. Auf dem Meer muss eine Verbindung zum Internet über einen Satelliten hergestellt werden. Die Daten werden nur langsam übertragen. Da kann es schon dauern, bis sich eine Website komplett aufbaut. Deswegen ist Surfen auf hoher See ein teures Vergnügen: Kreuzfahrt-Reisende zahlen dafür derzeit meist pro Minute. Ausnahmen hierzu sind Reiseangebote, bei denen der WLAN-Zugang in dem teuren Angebotspreis inbegriffen ist. Doch angesichts der hohen Zahl an Passagieren stößt die Technik gerade auf großen Schiffen auch schnell an die Grenzen ihrer Kapazitäten. Tatsächlich ist der schwierige oder teure Netzzugang in unserem digitalen Zeitalter eine Schwierigkeit, die potenzielle Passagiere von ihrer Kreuzfahrt abhalten könnte, vor allem bei längeren Reisen. Hier ist die Innovationskraft der Reedereien gefragt: Wer diese Herausforderung nicht rechtzeitig angeht, lässt wichtige Kunden an Land zurück.