Global Sourcing erfordert - unter anderem in China - mehr als nur zu beschaffen, zu produzieren oder zu exportieren. Die Nachfrage nach Transport- und Logistikdienstleistern steigt im Boomland China, aber werden die Rahmenbedingungen von den Unternehmen optimal genutzt? Welche Besonderheiten bei einem Engagement dort zu beachten sind, zeigen die Experten von PwC.
Das als Zugpferd der Weltwirtschaft und als größter Güterumschlagplatz der Welt bekannte China wird bereits im Jahr 2015 zur stärksten Wirtschaftsmacht der Welt avancieren. Der steigende Bedarf an Rohstoffen, Rohöl und Stahl ist rasant. Über 1,3 Milliarden Menschen, eine Fläche 27-mal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, machen den riesigen Binnenmarkt Chinas und seine günstigen Rahmenbedingungen für ausländische Investoren und Konzerne attraktiv. Hinzu kommen günstigere Lohnkosten und eine wachsende konsumfreudige Mittelschicht, die einen starken Nachholbedarf an vielen Waren und Dienstleistungen hat. So sollte es niemanden wundern, weshalb große Logistikkonzerne seit einigen Jahren in China tätig sind und viele über einen Einstieg nachdenken.
China hat als globaler Umschlagplatz in der Beschaffung bei deutschen Unternehmen einen hohen Stellenwert. Aufgrund von Verlagerungen der Produktions- und Einkaufsaktivitäten, des kontinuierlichen Wachstums des Landes und des Warenverkehrs zwischen Asien und dem Rest der Welt haben sich Supply Chains verändert, nicht nur geografisch, sondern auch strategisch und operativ. Von international agierenden Logistikdienstleistern werden heute eigene Niederlassungen und Netzwerke in China erwartet. Dabei gilt es, die Besonderheiten des Logistikmarkts in China zu begutachten und langfristig vorausschauend zu planen.
Der Markteintritt in das Reich der Mitte ist für ausländische Unternehmen oft ein umfangreiches Unterfangen. Er wird durch sprachliche und kulturelle Unterschiede, komplizierte Handelsbedingungen sowie politische Regulierungen erschwert. Seit dem Beitritt Chinas in die WTO 2001 wurden viele Barrieren beseitigt. Ausländische Unternehmen haben nun einen weitgehend freien Zugang zum chinesischen Markt und können westliches logistisches Know-how in das Land fließen lassen.
Somit wurden bereits einzelne restriktive Bereiche gelockert, die bisher nur inländischen Unternehmen vorbehalten waren. Nun ist es ausländischen Logistikern erlaubt, eine A-Lizenz ("Wholly Foreign Owned Enterprise" - WFOE) zu erwerben, die eine Gründung eines Transport- und Logistikunternehmen in China ermöglicht. Zu beachten ist hierbei, dass diese Lizenz nicht für das ganze Land, sondern nur für eine Provinz gültig ist.
Die Überwindung der großen Distanzen innerhalb des Landes, unzureichende infrastrukturelle Bedingungen sowie das Klima haben Einfluss auf die gesamte Abwicklung von Transporten in China. Das Straßennetz umfasst knapp 1,9 Millionen Straßenkilometer, wovon aber nur 600.000 asphaltiert sind. Die durchschnittliche Transportgeschwindigkeit im Land ist teilweise sehr niedrig.

Abb. 1: Auf welche Strategien und Methoden Unternehmen setzen
Die Antworten der Befragten der PwC-Studie "Beschaffungslogistik im China Geschäft" zeigen ein gut diversifiziertes Portfolio an Lösungsansätzen. Die Grafik zeigt, auf welche Strategien und Methoden Unternehmen setzen.
Steigende Importe von Rohstoffen und anderen Gütern haben das Wachstum des Containerverkehrs stark gefördert. Auch die kleinen und mittleren Häfen in China befinden sich heute auf Expansionskurs. Um mit dem steigenden Handelsvolumen Schritt halten zu können, werden die Hafenkapazitäten ausgebaut.
Der Trend der in China tätigen Unternehmen geht zu Kooperationen von europäischen und chinesischen Unternehmen bei ausgewählten Logistikprojekten. Wie die Studie "Beschaffungslogistik im China-Geschäft" von PwC gezeigt hat, gefährdet der geringe Standardisierungsgrad eine langfristige Sicherstellung der Kostenvorteile in China. Nur durch eine Optimierung lässt sich die Produktivität und Qualität erzeugen, die gewünscht wird. Industriezweige mit ausgeprägtem Gefahrengutanteil beklagen zum Beispiel das Fehlen von Spezialtransportbehältern und bemängeln die ungenügende Ausbildung von Arbeitskräften. Diese Kriterien sind ebenso wie das Fehlen einer funktionierenden IT-Infrastruktur Standortnachteile, die es zukünftig zu beseitigen gilt. Des Weiteren darf das vorhandene knappe Angebot an Transport- und Lagermöglichkeiten kein limitierender Faktor für weiteres Wachstum werden.

Abb. 2: Trends im Chinageschäft im Überblick
Deutsche Unternehmen gaben in der PwC-Studie "Beschaffungslogistik im China-Geschäft" über die Zukunft und das Wachstum und über die Verfolgung von Markttrends Auskunft. Knapp 80 Prozent der befragten Unternehmen rechnen demnach mit einer weiteren Liberalisierung des Marktes für Logistikdienstleister in China. Doch trotz zunehmender Liberalisierung und verbesserter Infrastruktur erwarten die Teilnehmer der Studie keine Senkung der Kosten, man geht eher vom Gegenteil aus: höhere Treibstoffkosten und der Wettbewerb der Dienstleister um qualifiziertes Personal lassen die Lohnkosten steigen. 70 Prozent glauben, Sprach- und Kulturunterschiede würden sich zukünftig besser überbrücken lassen. Eine effizientere Kommunikation mit den chinesischen Behörden in den nächsten Jahren halten dagegen nur 43 Prozent der Befragten für wahrscheinlich.
Der Bedarf an modernen Transport- und Logistikunternehmen wird im Reich der Mitte weiter steigen. Dieser Markt bietet leistungsfähigen Logistikdienstleistern große Chancen: Handelsunternehmen und produzierende Unternehmen, die in China ansässig sind, suchen neue Logistikpartner. China hat sein gesamtes Potenzial noch nicht entfaltet - und das gilt besonders für die dortige Logistik.
Auch wenn sich mittlerweile Stimmen mehren, die eine Rückzugstendenz sehen, ist das Wachstum der Region ungebremst. Die PwC-Experten aus dem Bereich Transport & Logistik sowie der PwC Business Group informieren Sie umfassend und kompakt über wichtige Veränderungen der Markt- und Wettbewerbssituation.