Globalisierung ist nicht umkehrbar, aber regionale Netzwerke gewinnen an Bedeutung

Energieverknappung und Klimaschutzmaßnahmen heißen die Kostentreiber in der Supply Chain der Zukunft. In der Studie "Transportation & Logistics – How will supply chains evolve in an energy-constrained, low-carbon world?" bewerteten hochkarätige Branchenexperten unter anderem die Belastung durch Emissionsabgaben, die Wahrscheinlichkeit eines steigenden Ölpreises oder die Ausweitung regionaler Beschaffungskonzepte. Lesen Sie hier, welche Erkenntnisse aus der Befragung nach der Echtzeit-Delphi-Methode gewonnen wurden.

Der Klimawandel und steigende Energiekosten stellen den Transport- und Logistiksektor heute und auch in Zukunft vor große Herausforderungen. Knapp 70 Prozent der befragten Experten in der global durchgeführten Delphi-Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC erwarten, dass im Jahr 2030 Emissionen in jedem Glied der Lieferkette erfasst und den Verursachern zugeordnet werden. Die mit den Emissionen verbundenen externen Kosten würden dann in den Produktpreis eingepreist

Wie sieht die Supply Chain der Zukunft aus?

"Die Veränderungen der Transportkosten und die zunehmende Sensibilisierung der Verbraucher für Nachhaltigkeitsthemen wird das Konsumentenverhalten und damit auch die globalen Liefer- und Transportketten beeinflussen", bestätigt Klaus-Dieter Ruske, Partner bei PwC und Global Industry Leader Transportation & Logistics.

Rund 60 Prozent der befragten Experten sind der Ansicht, dass Konsumenten im Jahr 2030 regional hergestellte Produkte präferieren werden. Wenn also die Wahl zwischen heimischen und importierten Artikeln besteht, werden die Konsumenten der Zukunft zum regionalen Erzeugnis greifen. Der Alltag der Verbraucher wird sich durch die steigenden Transportpreise verändern. Dass Arbeits-, Wohn- und Freizeitstätten besser integriert werden, um Fahrtstrecken zu minimieren, wird von den Befragten als sehr wahrscheinlich angesehen. Geschäftsreisen und Fernreisen werden ebenfalls reduziert.

Regionale Logistiknetze, aber keine Umkehr der Globalisierung

Ungeachtet der erwarteten Konsumentenpräferenzen gehen die Delphi-Befragten nicht davon aus, dass globale Lieferketten im Jahr 2030 der Vergangenheit angehören. Die Vorstellung, dass die globale Beschaffung zum Ausnahmefall wird, erscheint den Befragten als wenig wahrscheinlich.

In einzelnen Branchen, beispielsweise in der Automobilindustrie, werden sich aber wieder vermehrt regionale Zuliefer- und Distributionsstrukturen etablieren. Dies ist aber nicht allein auf das Bestreben zurückzuführen, die Transportkosten möglichst gering zu halten. Vielmehr ist hier die Strategie der Hersteller ausschlaggebend, Produktionskapazitäten in Richtung wachsender Absatzmärkte zu verlagern, dort aber enge Kooperationen mit Zulieferern in Produktionsnähe aufzubauen. Regionale Netzwerke in einer globalisierten Wirtschaft werden die Folge sein.

Das Vertrauen in Innovationen der Technik ist groß. Die Verringerung der Transportkosten und des dadurch verursachten Ressourcenverbrauchs durch eine Steuerung in Echtzeit entspricht den Vorstellungen der Experten, die Beschaffung global und regional effizienter zu machen.

Transportkapazitäten flexibel gestalten

Die Experten gehen davon aus, dass Transportkapazitäten in Zukunft flexibler und effizienter genutzt werden. So erwartet die Mehrheit der Experten, dass intelligente Verkehrsleitsysteme und autonome Transportmittel den Gütertransport bis 2030 revolutionieren werden. 60 Prozent sind der Ansicht, dass eine Konzentration der Transportkapazitäten, beispielsweise durch Einsatz von Lkw mit mehr als 60 Tonnen Nutzlast, so genannten "Gigalinern", oder übergroßen Containerschiffen, den steigenden Kosten entgegen wirkt. Dennoch gehen immerhin 50 Prozent der Befragten von einem weiter steigenden Anteil der Straßentransporte am gesamten Güterverkehr aus.

Erneuerbaren Energiequellen fehlt der Durchbruch

Nur gut die Hälfte der in der Studie befragten Branchenexperten bekundet Optimismus für ein Szenario, in dem erneuerbare Energiequellen in bestimmten Ländern bis zu 80 Prozent im Energiemix ausmachen. Die Vorstellungen, das Klimaproblem damit kurzfristig unter Kontrolle zu bringen, sind bei den Teilnehmern somit begrenzt. Die meisten Befragten rechnen eher damit, dass die Reduzierung von klimaschädigenden Gasen eine Kernaufgabe wird, die dauerhaft ein Thema in der Gesellschaft bleiben wird.

Für die Studie "Transportation & Logistics 2030" befragte PwC 48 Branchenexperten aus 20 Ländern auf fünf Kontinenten nach einer Echtzeit-Delphi-Methode. In einem mehrstufigen Verfahren diskutierten und bewerteten die Experten über einen Zeitraum von sechs Wochen verschiedene Thesen hinsichtlich ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und Bedeutung für den Transport- und Logistiksektor.