Die Bedrohung durch Terrorangriffe oder Naturkatastrophen wird zunehmen, darin sind sich die Experten einig. Wie begegnen die Transport- und Logistikdienstleister kommenden Unwägbarkeiten? Der vierte Teil der Studienreihe "Transportation & Logistics 2030", in der Fachleute aus aller Welt ihre Einschätzung zu Fragestellungen der Branche abgeben, beschäftigt sich mit der weltweiten Sicherheit.
Der Vulkanausbruch in Island im Januar 2010, der eine Woche lang Flüge lahmlegte, Terrorismus, Wirtschafts- und Cyberkriminalität schaden vielen Industrien. Existenzbedrohlich ist sie jedoch für die Transport- und Logistikbranche. Ein Anschlag auf die Drehkreuze beziehungsweise Umschlagplätze für Waren und Güter, die Unpassierbarkeit wichtiger Kanäle und Brücken, kann in einer Branche, in der es vor allem auf Schnelligkeit ankommt, innerhalb kürzester Zeit zu Milliardenverlusten führen. Welche Zukunftsszenarien sind denkbar? Was sind potenzielle Anschlagsziele? Welche Gefahren lauern im Netz und worauf müssen sich die Unternehmen einstellen? Einen Überblick basierend auf einer Echtzeit-Delphi-Befragung mit ausgewählten Branchenspezialisten gibt die Studie Transportation & Logistics 2030 "Securing the supply chain".

Klaus-Dieter Ruske ist weltweit verantwortlich für die Transport- und Logistikbranche bei PwC
Um künftigen Gefahren wirksam zu begegnen, werden Transport- und Logistikunternehmen ihre Lieferketten verpflichtenden Sicherheitschecks unterziehen müssen. So sehen es jedenfalls die Experten, die im Rahmen dieser Studie befragt wurden. Warum das so ist und was die Ursachen sind, erläutert Klaus-Dieter Ruske. Er ist Partner bei PwC und weltweit für die Transport- und Logistikbranche verantwortlich.

Weltkarte der Logistik
Klaus-Dieter Ruske: Die Sicherheit der Lieferkette ist nach 9/11 und mit der anhaltenden Bedrohung durch Piraten in den letzten Jahren zunehmend ein Thema der Branche geworden. Eine klare Erkenntnis unserer Studie ist, dass global vernetzte Lieferketten bis 2030 zunehmend ins Visier von Terroristen, Piraten aber auch sogenannten Cyberkriminellen geraten. Die befragten Branchenexperten halten es für sehr wahrscheinlich, dass in Zukunft gezielte Angriffe auf Supply Chains stattfinden werden. Und dies sowohl durch physische Kriminalität als auch durch Hacker-Angriffe auf die Netzwerke von Organisationen und Unternehmen. Der wirtschaftliche Schaden ist heute bereits erheblich. So verliert beispielsweise Ägypten mehr als 640 Millionen US-Dollar jährlich, weil Reeder die Frachtpassage über den durch Piraterie bedrohten Golf von Aden und den Suez-Kanal meiden.

Wo besondere Gefahrenherde der weltweiten Lieferkette liegen
Klaus-Dieter Ruske: Die Hauptgefahrenpunkte befinden sich nach unserer Einschätzung an den Nadelöhren der Transportwege, etwa bei den wichtigen logistischen Hubs und den geografischen Engstellen. Die massive Konzentration der Warenströme erhöht das Gefahrenpotenzial erheblich. So laufen knapp 15 Prozent des weltweiten Container- und Luftfrachtaufkommens über den Knotenpunkt Hong Kong - Shenzhen. Ein Angriff auf diesen Hub könnte fatale Folgen haben. Eines darf man nicht vergessen: Logistische Knotenpunkte beeinflussen auch maßgeblich die ökonomische Aktivität insgesamt. Ein erfolgreicher Angriff auf ein derartiges Ziel kann die ökonomische Stabilität ganzer Regionen beeinflussen.

Investition in die Sicherheit: Die Supply Chain an den richtigen Stellen vor Angriffen schützen.
Klaus-Dieter Ruske: In erster Linie sollten sie zum Schutz ihrer Lieferketten alle denkbaren Gefahrenszenarien analysieren und geeignete Gegenmaßnahmen entwickeln. Gefragt sind dabei aber nicht nur präventive Maßnahmen, sondern auch Notfallpläne. So ist es wichtig, den Ausfall eines Zulieferers schnell kompensieren zu können. Dazu dienen beispielsweise Sicherheits-Audits entlang der gesamten Lieferkette. Diese werden zukünftig zum Standard werden, wenn Unternehmen eine wirklich effektive Sicherheit ihrer Supply-Chain verlangen. Zudem werden Unternehmen massiv in moderne Sicherheitstechnologie und effiziente Konzepten investieren müssen.
Die vierte und letzte Ausgabe der Studienreihe "Transportation & Logistics 2030" können Sie jetzt bestellen oder als PDF herunterladen.
Transportation & Logistics 2030
Volume 4: Securing the supply chain
PwC
52 S.
kostenlos