Logistikbranche: Potenziale durch Big Data werden noch nicht ausgeschöpft

Freitag, September 25, 2015

Die Transport- und Logistikwirtschaft setzt Schlüsseltechnologien wie Big Data und Business Intelligence bislang nur zurückhaltend ein. Die Unternehmen sehen aber Potenzial in den neuen und verbesserten Technologien, insbesondere in den Bereichen Kostensenkung und Kundengewinnung. Das zeigt die PwC-Studie „Data Analytics in der Logistik – im Windschatten oder auf der Überholspur?“. Die PwC-Experten Dietmar Prümm und Nico Reichen erklären im Interview, wie die Datenanalysen die Branche in den kommenden Jahren beeinflussen werden.

Im Gespräch mit Dietmar Prümm, Leiter des Bereichs Transport und Logistik bei PwC, und Nico Reichen, Experte für Data & Analytics bei PwC.

Wie gelingt den Unternehmen der digitale Wandel?

Dietmar Prümm: Wir haben in unserer Studie festgestellt, dass Logistikunternehmen bei den Themen Big Data und Business Intelligence noch aufholen müssen – auch im Vergleich zu anderen Branchen. Insbesondere mit Big Data ist die Mehrheit der Unternehmen noch nicht vertraut: Lediglich 19 Prozent gaben an, dass Big Data bereits Teil der Wertschöpfung und Grundlage ihres Geschäftsmodells ist. Dagegen sagten 35 Prozent der Logistiker, dass sie sich noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt haben – diese relativ hohe Zahl hat uns überrascht, auch wenn auf der anderen Seite über 50 Prozent angaben bereits Big Data einzusetzen. Business-Intelligence-Systeme werden zwar bereits zur Sammlung und Speicherung von Daten eingesetzt, aber zu wenig für Entscheidungen des Managements ausgewertet. 

Was hindert Unternehmen im Moment noch daran, Data Analytics einzusetzen?

Nico Reichen: Die Unternehmen, die wir befragt haben, sehen die größten Hürden in ihrer eigenen Organisation. Sie gaben an, dass ihnen eine Big-Data-Strategie fehlt, die Mitarbeiter noch nicht entsprechend geschult und die Prozesse innerhalb des Unternehmens nicht angepasst sind. Eine Hürde könnte auch sein, dass das Thema zwar in der Regel beim CEO oder CIO angesiedelt ist, eine eigene zentrale Organisationseinheit im Logistikunternehmen aber häufig fehlt, die Data Analytics vorantreiben und in den Fachabteilungen verankern kann.

Wie bewertet die Branche das Potenzial, das in Data Analytics liegt? 

Reichen: Die Unternehmen sehen durchaus die Vorteile der neuen Schlüsseltechnologien. Sie versprechen sich von Big Data vor allem eine Kostensenkung, außerdem die Gewinnung neuer Kunden und ein besseres Verständnis für die Kundenbedürfnisse. Hier liegt aber momentan noch viel Potenzial brach. Die meisten Unternehmen setzen Datenanalysen derzeit in den Feldern Transport- und Streckennetzmanagement sowie Finanzen und Controlling ein.

Wie sehen Sie die Zukunft von Big Data in der Logistikbranche? Wie wird sich die Branche durch die Datenanalysen verändern?

Prümm: Ich glaube fest daran, dass sich für die Logistikunternehmen, die noch keinen vollen analytischen Gebrauch ihrer Daten machen, in den kommenden Jahren erhebliche Wettbewerbsnachteile ergeben werden. Die Unternehmen sollten das Thema aktiv angehen und gegensteuern: mit mehr Aufmerksamkeit für das Thema durch die Unternehmensspitze, die Entwicklung einer Big-Data-Strategie, die Einstellung von Data-Analytics-Experten, mehr Investitionen und Schulungen der Mitarbeiter. In jedem Fall ist Big Data ein Thema für die Führungsebene.

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Dietmar Prümm
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