Urbanisierung ist ein Megatrend des 21. Jahrhunderts. Doch welche Anziehungskraft Großstädte tatsächlich haben, wird erst bei der Betrachtung der blanken Zahlen deutlich. Zum Jahreswechsel 2007/2008 lebten erstmals mehr Menschen in Städten als in ländlichen Regionen. Lesen Sie hier, wie es dem Logistiker von morgen gelingt, die Kundenwünsche der Zukunft zu bedienen.
Im Jahr 2030 werden gemäß einem Bericht der United Nations über 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben. Die Stadt des 21. Jahrhunderts kennt hierbei auch Superlative wie die Megacity. Diese sind je nach Definition Städte mit drei, fünf, acht oder zehn Millionen Einwohner. Diese absolut "Großen" der Großen mit zehn Millionen Einwohnern werden von derzeit sieben auf 27 Städte im Jahr 2025 anwachsen. Dies bedeutet, rund zehn Prozent der Weltbevölkerung wird in solchen urbanen Ausmaßen leben. Wachstumstreiber sind Asien und Südamerika, wo derzeit zwei Drittel der weltweiten Megastädte ansässig sind. Zukunftsprognosen erwarten, dass eine dramatische Landflucht mehr als 500 Millionen Asiaten in die Städte treiben wird. Demzufolge werden zwei Millionen Menschen im Monat ihren Wohnort wechseln.
Gerade in Schwellenländern wächst die Bevölkerung rasant und die Infrastruktur entwickelt sich nicht der neuen Größe entsprechend. Verstädterung erfordert höheres Transportaufkommen von Waren und gleichzeitig auch von Menschenströmen. Ein begleitender Faktor dieser Entwicklung ist eine erhöhte Umweltbelastung - Umweltverschmutzung und Emissionen steigen an. Viele Menschen in den Schwellenländern werden in den kommenden Jahren in den Mittelstand aufsteigen, der sich die Anschaffung eines eigenen Automobils leisten kann und auch wird. Das Verkehrsaufkommen in den Städten hat derzeit den Höchststand noch nicht erreicht.

Quelle: United Nations, World Urbanization Prospects: The 2005 Revision
Die Aufgaben für Logistiker werden in den kommenden Jahren komplexer werden. Die Entwicklung der Megacities in ihrem derzeitigen und prophezeiten Ausmaß bedeutet für die logistischen Prozesse eine sorgfältige Organisation und Koordination. Die große Herausforderung für Logistikdienstleister besteht in der Entwicklung neuer Transportkonzepte, die vor allem eine bessere Modularität der einzelnen Transportmodi vorsehen und das Problem der letzten Meile lösen.
Die Zukunftsstudie "Transportation & Logistics 2030 - How will supply chains evolve in an energy-constrained, low-carbon world?" von PwC in Zusammenarbeit mit dem Supply Chain Management Institute der European Business School nimmt diese Diskussion auf. Hier werden potenzielle Lösungsansätze für Menschen- und Güterströme in Megacities sowie darauf ausgerichtete Geschäftsmodelle für Logistikdienstleister diskutiert.
Individuelle Mobilität wird sich nach Meinung der Experten ausgehend von der Stadtbevölkerung in der westlichen Hemisphäre dahingehend verändern, dass Lebensräume besser integriert werden. Die scharfe Trennung zwischen Lebensräumen wie Arbeit, Privatem und Hobbies wird aufgeweicht. Dank Innovationen in der Kommunikationstechnologie wird der 'flexible' Arbeitsplatz an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig wird eine wachsende Sensibilisierung der Konsumenten ein Umdenken bei individueller Mobilität erzeugen. Menschen sind sich der ökologischen Auswirkungen ihres Handelns zunehmend bewusst. Sie werden zukünftig den persönlichen Carbon Footprint als Entscheidungskriterium für oder gegen ihre eigene Mobilität heranziehen.
Ein mögliches Transportkonzept für Logistikdienstleister in Großstädten stellt die Kooperation mit Mitbewerbern dar, die sogenannte "Co-opetition". So könnte beispielsweise eine Aufteilung der Belieferungszonen oder eine gemeinsame Regalbelieferung konkurrierender Hersteller das Transportaufkommen in Megastädten entscheidend entzerren.
Technologische Innovationen im Bereich des autonomen Transports sind mittlerweile über den geschlossenen Kreislauf der Intralogistik hinaus einsetzbar. Eine große Anzahl von Pilotprojekten vermittelt Hoffnungen für die vor dem Verkehrskollaps stehenden Innenstädte. So testet das EU-Projekt Citymobil unterschiedliche Transportalternativen in europäischen Großstädten. In London, Rom, Lausanne oder der Region Kastilien in Spanien werden sogenannte Cybercars, Hightech-Busse oder Schnellbahnen getestet. Voraussetzung hierfür sind eine moderne Transportinfrastruktur und geschlossene Lieferketten.
Die Entscheidungen der Verkehrspolitik zu beobachten und technologische Entwicklungen im Bereich autonomer Transporte zu verfolgen, wird für Logistikdienstleister in Zukunft an Bedeutung gewinnen, da es nicht ausreicht, nur auf aktuelle Ereignisse zu reagieren. Intelligente Logistiker erschaffen Szenarien, die sich modular auf die Begebenheiten der Zukunft anpassen, so auch in der Stadtlogistik. Logistikdienstleister werden flexible und modulare Ideen entwickeln, um die immer komplexer werdenden Kundenwünsche bedienen zu können. Die strategische Positionierung als intelligenter Stadtlogistiker wird zukünftig Wettbewerbsvorteile generieren, wenn das Angebot vollständig flexibel ist und kommenden Restriktionen der Verkehrspolitik Rechnung tragen kann.