China ist längst nicht mehr die unterentwickelte Manufaktur der Vergangenheit. China ist heute spannender denn je und legt mittlerweile einen deutlichen Fokus auf den Ausbau des Logistiksektors. Im August dieses Jahres hat der chinesische Staatsrat neue Richtlinien für eine nachhaltige Entwicklung des Logistiksektors in China erlassen.
China hat Deutschland 2009 als Exportweltmeister abgelöst. Auch bei den Importen liegt China weit vorne, auf dem zweiten Platz hinter den USA. In den kommenden Jahren wird die Bedeutung des Absatzmarktes China noch weiter steigen, insbesondere in den Großstädten und Küstenregionen. Entsprechend groß ist dort der Markt für Logistik: In 2010 ist er um rund 30 Prozent gewachsen und hat inzwischen ein Gesamtvolumen von 400 Milliarden US-Dollar. Die chinesische Staatsführung hat im August 2011 angekündigt, dass sie den Sektor stärken will – durch Steuererleichterungen, den Ausbau weiterer Verkehrswege und höhere Investitionen in den Markt. Dennoch ist das Marktpotenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft, wie die PwC-Studie "Logistikmarkt in China: all-inclusive" zeigt. Für die Untersuchung wurden 250 deutsche Großunternehmen aus fünf Branchen (Bau und Anlagenbau, Maschinenbau, Chemie, Automobil und Handel und Konsumgüter) befragt, die auf dem chinesischen Markt aktiv sind. "Ziel unserer Studie ist es, Logistikern und ihren Kunden dabei zu helfen, eine strategisch wichtige Marktposition in China aufzubauen", sagt Klaus-Dieter Ruske, Partner bei PwC und Leiter des Geschäftsbereichs Transport und Logistik.
Die Studienteilnehmer gaben an, dass China für sie zwar ein wichtiger Standort ist und langfristig bleiben wird, sie ihre Transport- und Logistikaufgaben dort aber lieber in Eigenregie durchführen. So nutzen 69 Prozent der Befragten das Angebot der Kontraktlogistik, komplexer Dienstleistungspakete im Logistikbereich, noch gar nicht. Nur umsatzstärkere Unternehmen, vor allem aus dem Bau- und Anlagebereich, sind hier offener.
Der Grund für die allgemeine Zurückhaltung: Die Unternehmen sind häufig mit der Qualität der externen Logistikpartner nicht zufrieden. 73 Prozent gaben an, dass sie das Qualitätsmanagement mittelmäßig bis schlecht bewerten. Ähnliches gilt für die Qualifikation der Mitarbeiter, die Sicherheitsstandards und das Risikomanagement. Lediglich die Sendungsverfolgung wird positiver beurteilt, hier gaben 24 Prozent der Firmen den Entwicklungsstand als "hoch" an. "Der Gedanke an Kontraktlogistik ist in den Köpfen der deutschen Unternehmen in China noch nicht verankert", so Ruske. Das spiegelt sich auch in den Studienergebnissen: 42 Prozent haben die Möglichkeiten für ihr Unternehmen noch nicht geprüft. "Offensichtlich wird die Kontraktlogistik in China noch als ein sehr junges Thema wahrgenommen."
Bei der klassischen Transportabwicklung ist die Bereitschaft hoch, sie an externe Dienstleister abzugeben, nur 23 Prozent der befragten Unternehmen haben hier eine interne Lösung. Auch mit der Verzollung werden häufig chinesische Dienstleister beauftragt. Dagegen übernehmen die Firmen die Überwachung der Lieferkette mit 63 Prozent lieber selbst. Das gilt ebenso für die Lagerhaltung. Die Unternehmen haben häufig Bedenken wegen möglicher wirtschaftskrimineller Handlungen, insbesondere befürchten sie Produktpiraterie. "Plagiate sind ein großes Problem", bestätigt Ruske. Besonders betroffen ist der Bau- und Anlagenbaubereich. Hier haben mehr als die Hälfte der Befragten Erfahrungen mit Patentrechtsverletzungen gemacht. Insgesamt gaben 41 Prozent der Befragten an, das sie bereits von Produktpiraterie betroffen waren. Korruption und Bestechung bemängeln 25 Prozent der Unternehmen. Und nur 17 Prozent rechnen damit, dass die Wirtschaftskriminalität in China langfristig eingedämmt werden kann.
Logistikmarkt in China: all-inclusive?
PwC, Frankfurt/Main
Oktober 2011
60 Seiten
DIN A4
Zahlreiche Grafiken und Abbildungen