next:Das Magazin für Vorausdenker 

 

Als Magazin für Vorausdenker informiert next: über aktuelle Themen und Trends für Unternehmen und den öffentlichen Sektor. Ziel ist es, mit Weitblick und aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus zukünftige Herausforderungen für Unternehmen und Gesellschaft auf verständliche Weise zu veranschaulichen, zu analysieren und Lösungen aufzuzeigen. Das Magazin bezieht Stellung und zeigt persönliche Sichtweisen unterschiedlicher Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft auf.

Im aktuellen Heft lesen Sie unter anderem:

  • was die globale Managerelite für die Zukunft erwartet und warum die Deutschen so optimistisch sind
  • wie Autokonzerne aus Carsharing ein Geschäftsmodell machen wollen und
  • warum PwC-Vorstand Georg Kämpfer die Vorschläge der EU-Kommission zur Regulierung der Abschlussprüfung für ungeeignet hält.

Aus dem Inhalt der aktuellen Ausgabe

Mit eigenem Wissen einfacher zum Bankkredit

Mit eigenem Wissen einfacher zum Bankkredit

Immer mehr Unternehmen machen aus ihrem Know-how bare Münze. Das eigene Wissen, sei es als Patent geschützt oder nicht, kann aber nicht nur direkten finanziellen Nutzen bringen. Der neueste Trend: Das geistige Eigentum zur Besicherung von Bankkrediten einzusetzen, wie Jutta Menninger, Patentspezialistin und Partnerin bei PwC, erläutert.

Jutta Menninger
Jutta Menninger

Wie können Unternehmen ihr geistiges Eigentum als Sicherheit für Kredite einsetzen?

Jutta Menninger: Normalerweise lassen sich Kredite in der Regel mit Grundstücken besichern. Nun können wir beobachten, dass Banken auch verstärkt technisches oder geistiges Know-how akzeptieren. Eine Beleihung in Höhe von 50 bis 70 Prozent ist möglich. Entscheidend ist, dass eine Wertermittlung inklusive einer nachvollziehbaren Dokumentation auf Basis der nationalen Bewertungsstandards von einem erfahrenen Bewerter vorliegt. Wenn die Unternehmen dieses Wissen gegenüber der Bank als Sicherheit anbieten, müssen sie auch nicht befürchten, dass die Konkurrenz etwas davon erfährt.

Ist es in der Praxis aber nicht schwierig, dieses geistige Eigentum zu bewerten?

Menninger: Auch hier lässt sich ein Umbruch beobachten. Mittlerweile haben sich Bewertungsmethoden etabliert, die auch auf Seiten der Kreditgeber auf Akzeptanz stoßen. Wir konnten ein mittelständisches Unternehmen begleiten, der dank seiner Technologie seit Jahrzehnten in einem Nischenmarkt Weltmarktführer ist. Auch in der Produktion verwendet der Hersteller ein Prozess-Know-how, das einmalig ist und Kosten spart. Wir konnten beide Aspekte nachvollziehbar bewerten. In der Konsequenz hat das Finanzinstitut das Technologieportfolio als Sicherheit akzeptiert.

Für welche Unternehmen ist es besonders interessant, das Know-how auf diesem Weg zu nutzen?

Menninger: Gerade für den deutschen Mittelstand ist das eine attraktive Alternative. Denn diese Unternehmen verfügen dank erstklassiger Produkte und Dienstleistungen weltweit über eine technologische Spitzenposition. Sie haben ihr Know-how über Jahre oder Jahrzehnte aufgebaut. Dieses wertvolle Wissen können die Unternehmen in Zukunft verstärkt nutzen, um Kredite von Banken zu erhalten. Zudem bekommen Unternehmer durch eine Bewertung ihres Know-hows einen detaillierten Überblick über ihre immateriellen Vermögenswerte und die wesentlichen Werttreiber ihres Unternehmens.

Wie könnte sich die Offshore-Windenergie in den kommenden Jahren entwickeln?

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Henning Hönsch: Bisher liefert Offshore-Windenergie aus der deutschen Nord- und Ostsee lediglich ca. 0,2 GW Leistung - demgegenüber stehen rd. 29 GW Leistung aus Onshore-Windenergie in Deutschland. Die Bundesregierung misst der Offshore-Windenergie im Rahmen ihrer energiepolitischen Ziele große Bedeutung bei. Bis 2020 sollen aus deutschen Gewässern 10 GW Leistung, bis 2030 rund 25 GW Leistung hervorgebracht werden. Allerdings verläuft die Umsetzung dieser Ziele bisher eher schleppend, da es insbesondere bei der Finanzierung der Projekte, der Sicherstellung der Netzanbindung sowie der Beherrschung der Risiken, die mit Offshore-Investitionsvorhaben in Deutschland verbunden sind, erhebliche Probleme gibt. Ob Offshore-Windenergie die Rolle erfüllen kann, die ihr für die zukünftige Energieversorgung zugedacht ist, hängt nicht zuletzt von diesen Faktoren ab.

Henning Hönsch
Henning Hönsch

Welche Regionen und Industrien profitieren in Deutschland besonders vom Boom der Offshore-Windenergie?

Hönsch: Unsere aktuelle Studie "Volle Kraft aus Hochseewind" analysiert die Umsatz- und Beschäftigungspotenziale der Offshore-Windenergie und zeigt auf, dass die Branche der deutschen Wirtschaft ein erhebliches Entwicklungspotenzial eröffnet. Der Umsatz der Branche wird unseren Schätzungen zufolge über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg von derzeit rund 5,9 Milliarden Euro auf mehr als 22 Milliarden Euro im Jahr 2021 steigen. Gleichzeitig wird die Anzahl der direkt und indirekt Beschäftigten auf über 33.000 erhöhen. Investitionen in die Offshore-Windenergie kommen nicht zuletzt dem Mittelstand zugute - z.B. auf Ebene der Projektentwicklung, der Zulieferindustrie sowie bei Bau-, Logistik- und Serviceleistungen. Zu den Regionen, die profitieren werden zählen nicht nur die küstennahen Gebiete - derzeit arbeiten über 40 Prozent der Beschäftigten der Offshore-Windenergieindustrie in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Diese Länder sind zu über 50 Prozent am Umsatz der Branche beteiligt.

Welche Rahmenbedingungen müssen erfüllt sein, damit die Branche die ehrgeizigen Ziele erreicht?

Hönsch: Die Bundesregierung hat bereits einige Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen in die Wege geleitet: So wurde letztes Jahr ein KfW-Programm für die Co-Finanzierung von Offshore-Windparks aufgelegt. Dieses soll dazu beitragen, größere Finanzierungsvolumina zu stemmen. Daneben wurden durch die Einführung eines sog. Stauchungsmodells nochmal die Bedingungen für die Vergütungstarife verbessert. Außerdem erhält die Offshore-Windbranche Bestandsschutz bis 2018. Erst ab diesem Zeitpunkt kommt es zu einer sukzessiven Reduzierung der Vergütungstarife.

In den letzten Monaten hat sich jedoch gezeigt, dass es erhebliche Probleme bei der Netzanbindung gibt. Der Netzbetreiber für Windparks in der Nordsee, Tennet, hat deutliche Verzögerungen bei der Umsetzung von Netzanbindungen angekündigt und erheblich Probleme bei der Finanzierung der Trassen eingeräumt. Darüber hinaus bestehen Risiken, die von der Privatwirtschaft offensichtlich nicht versicherbar sind - z.B. Einnahmenausfälle der Windparks, die an einer Netztrasse hängen, im Falle eines länger andauernden Netzschadens infolge eines Unfalls. Die Bundesregierung und die Unternehmen der Branche sind gegenwärtig intensiv darum bemüht, geeignete Lösungen für offene Fragen zu finden. Eine auf Initiative des BMWI ins Leben gerufene Arbeitsgruppe hat Lösungsvorschläge zur gesetzlichen Regelung von Haftungsfragen, zu Finanzierungsfragen von Netzanschlüssen sowie zu wirtschaftlichen und strukturellen Aspekten erarbeitet. Sollte der Netzanschluss ein hierfür bislang verantwortliches Unternehmen überfordern, stellt sich auch die Frage, ob die Bundesnetzagentur für einzelne Trassen nicht Ausschreibungsverfahren für Investitionen durch Dritte durchführen sollte.