Deutschland 2030 - Die Arbeitsplätze der Zukunft

Der demografische Wandel wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Deutschland in den nächsten Jahren drastisch schrumpfen lassen. Um die hervorragenden Wachstumsperspektiven Deutschlands trotzdem zu realisieren, müssen die wirtschaftlich dynamischen Regionen ihr Wachstum noch aktiver managen als bisher. Neben steigenden Mieten und dem Ausbau der Infrastruktur liegt die Herausforderung für sie vor allem in der Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte. Regionen, in denen ein weiterer Verlust von Arbeitskräften absehbar ist, sollten sich bereits heute darauf einstellen, intelligent zu schrumpfen. Die Alterung der Gesellschaft kann nicht verhindert oder gar umgekehrt werden. Wer sich aber alleine darauf konzentriert, den status quo zu erhalten, dem werden die Mittel für entscheidende Investitionen in die Zukunft fehlen.


Wo entstehen in Deutschland die Arbeitsplätze der Zukunft?

Diese Frage entscheidet sich vor allem an der Attraktivität der Regionen. Ist eine geeignete Infrastruktur vorhanden und sind ausreichend qualifizierter Arbeitskräfte verfügbar? Der strukturelle Wandel und der demografische Wandel beeinflussen diese Standortfaktoren erheblich. Wissens- und technologiebasierte Branchen gewinnen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig altert Deutschland schneller als je zuvor und vor allem junge Menschen zieht es vom Land in die Städte. Beide Trends wirken überall in Deutschland, doch sie treffen die einzelnen Regionen unterschiedlich.

Im Wettbewerb um die Arbeitsplätze von morgen sind die Startbedingungen in den Kreisen und kreisfreien Städten der Bundesrepublik sehr verschieden. Drei große Verwerfungen durchziehen unser Land: Der Westen ist wirtschaftlich stärker als der Osten, der Süden ist wirtschaftlich dynamischer als der Norden und die urbanen Zentren entwickeln sich erfolgreicher als der ländliche Raum. Diese Unterschiede haben sich in den letzten Jahren auch deshalb weiter verfestigt, weil sie zu einer Wanderung vor allem junger, qualifizierter Arbeitskräfte in die wirtschaftlich prosperierenden Zentren der Republik geführt haben. Dem ländlichen Raum in Deutschland gehen mit der abwandernden Jugend auch die Leistungsträger der Zukunft verloren. Auf dem Land sind in den nächsten Jahren weitere, schmerzhafte Anpassungen unausweichlich. Die dort durch die Abwanderung oft bereits stark ausgedünnte Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter schrumpft durch den demografischen Wandel noch zusätzlich. Entsprechend sinkt die Attraktivität der ländlichen Standorte weiter ab und schränkt die Möglichkeiten zur Gestaltung des Wandels spürbar ein. In vielen Regionen wird der Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter so massiv sein, dass auch die vorhandenen Verwaltungsstrukturen kaum aufrechterhalten werden können und die Infrastruktur angepasst werden muss.

Individuelle Lösungen sind gefragt

Die Analyse der wahrscheinlichen Szenarien der zukünftigen Entwicklung der Erwerbstätigkeit in der Bundesrepublik Deutschland ergibt ein eindeutiges, aber zugleich uneinheitliches Bild: Die Wachstumsunterschiede in den Kreisen und Kreisfreien Städten Deutschlands werden auch in Zukunft bestehen bleiben. Sie lassen sich mit den Mitteln der Wirtschaftspolitik in absehbarer Zeit nicht ausgleichen. Einfache und allgemeingültige Handlungsempfehlungen kann es deshalb nicht geben und die oft zu pauschalen Ratschläge der Vergangenheit helfen heute nicht mehr. Vielmehr müssen passend zu den individuellen Stärken und Schwächen jedes einzelnen Standorts maßgeschneiderte Konzepte entwickelt werden, um Wachstumspotenziale zu realisieren, aber auch, um ein unausweichliches Schrumpfen positiv zu gestalten.

Die Schere zwischen dynamisch wachsenden und schrumpfenden Regionen öffnet sich immer weiter. Das stellt auch die Finanzverfassung Deutschlands vor erhebliche Herausforderungen. Der Länderfinanzausgleich berücksichtigt die unterschiedliche Finanzkraft der Kommunen nur zum Teil. Vor allem für die Kommunen in den neuen Bundesländern verschärft sich die bereits angespannte Situation durch das Auslaufen der Solidarpakt-II-Mittel zum Ende dieses Jahrzehnts noch. Unter diesen Bedingungen gerät das im Artikel 72 des Grundgesetzes verankerte Ziel der gleichwertigen Lebensverhältnisse mittelfristig ernsthaft in Gefahr.

Wachstum managen und Stärken nutzen

Den Wettbewerb um Arbeitsplätze und Arbeitskräfte entscheiden die attraktivsten Standorte in allen Szenarien klar für sich. Maßnahmen zur Steigerung der Standortattraktivität wirken. Und sie wirken besonders dort gut, wo sie auf eine bereits zukunftsfähig aufgestellte Wirtschaft treffen und wo hinreichend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. In diesen Regionen gilt es, die zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um bestehende Standortvorteile auszubauen, vorhandene Schwächen auszuräumen und die mitunter negativen Folgen der Zuwanderung, wie etwa steigende Wohnungsmieten, abzumildern.

Intelligent schrumpfen

Auch in den Regionen Deutschlands, denen ein deutlicher Rückgang der Erwerbstätigkeit prognostiziert wird, führt eine Steigerung der Standortattraktivität zu einer Verbesserung der Zukunftsaussichten. Selbst die unter optimistischen Annahmen erreichbaren Verbesserungen (Konvergenzszenario) führen in keiner der schrumpfenden Regionen Deutschlands aber zu einer Trendwende. Entsprechend stehen diese Regionen vor der Herausforderung, ihr Schrumpfen möglichst sinnvoll und vorausschauend zu gestalten. Sie sollten die knappen Mittel nicht zur Verwaltung des Mangels einzusetzen, sondern mit ihnen Zukunftsperspektiven erschließen. Die Chance liegt für sie in einer fundierten Analyse der eigenen Stärken und Schwächen. Entscheidend wird es dabei sein, dass die Regionen auf ihre Individualität setzen und nicht auf vermeintliche Heilsbringer. Ein erster wichtiger Schritt dabei ist, das Ausmaß des Wandels mit all seinen Konsequenzen für eine Region realistisch zu beschreiben. Auf dieser Basis lässt sich dann ein individuelles Zukunftskonzept erarbeiten und umsetzen. Dazu ist eine nachhaltige Haushaltspolitik in den Kommunen unerlässlich. Anders wird es nicht möglich sein, die Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit der Kommunen zu bewahren bzw. wiederherzustellen. Nur wenn die absehbaren Folgen langfristiger Trends frühzeitig und umfassend eingeplant werden, kann es gelingen, eine Region zukunftsfähig aufzustellen. Wenig aussichtsreich ist es, sich gegen die langfristig wirksamen Trends zu stemmen.