Nach dem Abschluss ist möglicherweise unmittelbar vor der DPR-Prüfung

Die Berichtssaison ist in noch voll im Gange, da zeichnet sich für Verantwortliche im Finanzwesen schon die nächste Bewährungsprobe ab: Nach Wirtschaftsprüfern und Analysten durchleuchtet möglicherweise die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) die Abschlüsse. In Enforcement-Verfahren kontrolliert sie, ob Jahresabschluss und Konzernabschluss nach allen Standards und Regeln der Kunst erstellt wurden. "Fristen der DPR sind für gewöhnlich kurz", weiß Dr. Bernd Kliem, bei PwC mit den DPR-Prüfungen befasst. Er rät deshalb, vorbereitet zu sein für den Fall der Fälle.

Bis zu 150 Abschlüsse von kapitalmarktorientierten Unternehmen knöpfen sich die Fachleute der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung in jedem Jahr vor. Abschlüsse von Unternehmen, deren Papiere in einem Index - also DAX, MDAX, SDAX oder TecDAX - gelistet sind (DAX 160), kommen etwa alle vier bis fünf Jahre dran, andere Unternehmen alle acht bis zehn Jahre. Regeln darüber, welcher Abschluss wann geprüft wird, gibt es keine. Die DPR bestimmt ihre Stichprobe zu 70 Prozent nach dem Losverfahren.

"Unternehmen aus dem DAX 160 sind bereits zum zweiten Mal von der Stichprobenprüfung der DPR betroffen, die Prüfung ist aber nicht weniger umfangreich oder anstrengend für die Unternehmen als beim ersten Mal ", erläutert Michael Herr, der wie Kliem für PwC die Aktivitäten der DPR im Blick hat. Denn der erste Fünf-Jahres-Turnus der DPR ist abgeschlossen, seit dem Jahr 2010 sind wieder alle index-notierten Unternehmen in dem Topf, aus dem die DPR die Prüfungskandidaten zieht. "Bei den Zweitprüfungen ist eine enorme Prüfungsqualität feststellbar“, ergänzt Dr. Bernd Kliem.

Besondere Ereignisse machen Prüfung wahrscheinlicher

Bei Unternehmen, die im zurückliegenden Geschäftsjahr "besonders risikobehaftete Umstände" durchlebt haben, ist eine DPR-Prüfung noch einmal wahrscheinlicher. Denn für solche Unternehmen unterstellt die DPR aus Sicht des Kapitalmarkts einen höheren zusätzlichen Prüfungsbedarf, etwa durch

  • erstmaliges Listing,
  • außergewöhnliche Transaktionen wie Unternehmenserwerb oder -veräußerung oder Transaktionen mit nahe stehenden Personen,
  • außergewöhnliche Sachverhaltsgestaltungen,
  • besondere wirtschaftliche Lage.

Unternehmen, auf die solche besonderen Umstände zutreffen oder über die sich aus der öffentlichen Berichterstattung Hinweise darauf ergeben, kann die DPR im Wege einer bewussten Stichprobenauswahl prüfen. Auf diese Weise zieht sie 30 Prozent ihrer jährlichen Stichproben-Prüfungen: "Wenn ein Unternehmen Umstände erlebt hat, die die DPR für besonders risikobehaftet hält, besteht eine realistische Wahrscheinlichkeit einer DPR-Prüfung", erklärt PwC-Experte Dr. Bernd Kliem.

DPR informiert betroffene Unternehmen im Jahresverlauf

In Sicherheit wiegen vor den Prüfern der DPR kann sich wegen des Losverfahrens kaum ein kapitalmarktorientiertes Unternehmen. Auch wer nicht sofort nach Veröffentlichung des Jahresabschluss Post von der DPR bekommt, kann noch ins Visier der Kontrolleure geraten: "Die DPR legt zwar im Losverfahren einmal jährlich fest, welche Abschlüsse sie genauer untersucht," erklärt PwC-Fachmann Dr. Bernd Kliem: "Doch die betroffenen Unternehmen erfahren davon immer erst, wenn das konkrete Prüfverfahren eingeleitet wird."

Rechtzeitige systematische Vorbereitung spart im Ernstfall Zeit und Nerven

Wenn die DPR ein Prüfverfahren einleitet, setzt sie in aller Regel kurze Fristen, in denen Unternehmen ihren Fragen entsprechend Unterlagen und Sachverhaltsbeschreibungen einreichen müssen. "Wir empfehlen daher insbesondere Unternehmen mit komplexen Vorgängen, wie größeren Restrukturierungen, eine schriftliche Darstellung samt ihrer bilanziellen Auswirkungen vorzubereiten", resümiert Michael Herr seine Erfahrungen aus bisherigen Enforcement-Verfahren. Auch dazugehörige Unterlagen sollten gesammelt und zentral abgelegt werden, meint der Enforcement-Fachmann - vor allem Unterlagen, die aus anderen Bereichen als dem Rechnungswesen stammen, etwa von Vorstand, Aufsichtsrat, Personalbereich, Rechtsabteilung oder ausländischen Tochterunternehmen.

Den Vorsatz zur systematischen Vorbereitung auf ein DPR-Prüfverfahren haben die PwC-Enforcement-Spezialisten Dr. Bernd Kliem und Michael Herr bereits bei vielen Unternehmen ausgemacht. Eine gemeinsame Studie des Deutschen Aktieninstituts e.V. und der Wirtschaftsprüfer von PwC zu Erfahrungen mit DPR-Prüfungen zeigte im September 2009 unter anderem, dass rund ein Drittel der befragten Unternehmen die Vorbereitungen auf eine DPR-Prüfung intensivieren wollen.

"Nach Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskriese beschäftigen sich viele Unternehmen ohnehin intensiv mit ihrer Rechnungslegung", meint PwC-Spezialist Dr. Bernd Kliem: "Es bietet sich an, die Unterlagen bei dieser Gelegenheit gleich so aufzubereiten, dass eine DPR-Prüfung keine böse und anstrengende Überraschung wird."