Studie zu Konfliktmanagement: Firmen setzen immer häufiger auf außergerichtliche Lösungen

Konflikte gehören zum Wirtschaftsleben dazu. Doch wie lösen Unternehmen interne Streitigkeiten oder Auseinandersetzungen mit anderen Firmen? Welche Trends lassen sich beim unternehmerischen Konfliktmanagement erkennen? PwC-Experten und Wissenschaftler der Europa-Universität Viadrina haben das Konfliktmanagement deutscher Unternehmen über zehn Jahre lang untersucht. Zentrale Ergebnisse ihrer Abschluss-Studie: Das Konfliktmanagement ist heute professioneller. Außergerichtliche Verfahren wie die Mediation oder Schlichtung werden häufiger genutzt als noch vor zehn Jahren.

Für die fünfte und abschließende Studie zum Konfliktmanagement in deutschen Unternehmen haben PwC und die Europa-Universität Viadrina rund 180 Unternehmensvertreter befragt, wie sie mit Konflikten umgehen und wie sie die unterschiedlichen Verfahrensarten – etwa Verhandlung, Mediation, Schlichtung oder Gerichtsverfahren – bewerten, um Konflikte zwischen und innerhalb von Unternehmen zu lösen.

Diskrepanz zwischen Tun und Wollen

Kern-Ergebnis der Analyse: Die meisten Unternehmen sehen große Vorteile darin, Konflikte nicht vor Gericht zu bringen. Sie wollen außergerichtliche Verfahren entsprechend häufiger nutzen. In der Realität setzen sie aber noch nicht so oft auf die außergerichtliche Streitbeilegung, wie sie gerne würden. Bereits die erste Studie aus dem Jahr 2005 zeigte eine deutliche Diskrepanz zwischen Tun und Wollen. „Diese Diskrepanz hat sich aber deutlich verkleinert. Insbesondere die Mediation ist bei Streitigkeiten zwischen Unternehmen viel wichtiger geworden“, so die Einschätzung von PwC-Experte Dr. Michael Hammes.

Im Jahr 2005 gaben viele befragte Unternehmen an, dass Mediation und Schlichtung bei ihnen praktisch nie zum Einsatz kommen, um Konflikte mit anderen Firmen zu beseitigen. Damals vergaben die Befragten für die Mediation durchschnittlich 1,2 Punkte auf einer Skala von 1 bis 4, wobei 1 für „kommt nie zum Einsatz“ steht und 4 für „immer“. 2015 lag der Schnitt immerhin bei 2,1 Punkten. Bei der Schlichtung verhält es sich ähnlich: Ein Sprung von 1,3 auf 2,3 Punkte.

Konflikte am Arbeitsplatz: Mediatoren kommen immer häufiger zum Einsatz

Bei Streitigkeiten am Arbeitsplatz wählen Unternehmen grundsätzlich häufiger außergerichtliche Verfahren mit Drittbegleitung, etwa Mediation oder Schlichtung, als Gerichtsverfahren. Vor allem größere Unternehmen ziehen mittlerweile oft Mediatoren hinzu, um Streitigkeiten mit Mitarbeitern beizulegen. Knapp die Hälfte der Befragten berichtet, dass in ihren Unternehmen die Motivation, innerbetriebliche Konflikte mit der Unterstützung Dritter zu lösen, gestiegen sei. Die Gründe: So lassen sich Arbeitsverhältnisse fortsetzen und größtmögliche Vertraulichkeit gewährleisten. Etliche Unternehmen haben den Vorzug außergerichtlicher Verfahren in Betriebsvereinbarungen festgehalten oder in die Arbeitsverträge aufgenommen.

Unternehmen investieren in Aufbau von Konfliktmanagement-Strukturen

Über alle Konfliktbereiche hinweg investiert inzwischen ein Großteil der Unternehmen gezielt in den Auf- und Ausbau von Konfliktmanagement-Strukturen und in die Qualifikation von Führungskräften und Mitarbeitern. Acht von zehn Unternehmen gehen davon aus, dass ihr Konfliktmanagement eine Ausbaustufe von mindestens 40 Prozent erreicht hat. Fast ebenso viele berichten mit Blick auf die Maßnahmen und das entsprechende Fachwissen von einer Professionalisierung ihres Konfliktmanagements.