BDI-/PwC-Mittelstandspanel: Unternehmen sorgen sich um Energiepreise und Fachkräftemangel

Trotz eingetrübter Konjunkturaussichten ist die Grundstimmung in der deutschen Industrie (noch) gut: Die Mehrheit der mittelständischen Industrieunternehmen beurteilt ihre aktuelle Geschäftslage positiv. Sorge bereitet den Unternehmen jedoch eine mögliche Änderung bei der Erbschaftssteuer und die Angst vor steigenden Rohstoff- und Energiepreisen. Auch den Fachkräftemangel bekommen sie sehr deutlich zu spüren. Zu diesen Ergebnissen kommt das Mittelstandspanel von PwC und BDI, für das 1.424 mittelständische Industrieunternehmen befragt wurden.

Die Mehrheit der mittelständischen Industrieunternehmen (rund 54 Prozent) beurteilt ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ oder „sehr gut“. Knapp drei von zehn Unternehmen konstatieren eine positive Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Gesamtlage im letzten halben Jahr. „Binnenmarktorientierte Unternehmen schätzen ihre aktuelle Lage tendenziell noch etwas optimistischer ein als Firmen, die auf den Export ausgerichtet sind“, erläutert Dr. Peter Bartels, Leiter des Bereichs Mittelstand und Familienunternehmen bei PwC.

Verbreitet Skepsis in Bezug auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen

Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bewerten die befragten Unternehmen jedoch zunehmend skeptisch: Nur 37 Prozent der Befragten bezeichneten diese als positiv. Im Herbst 2013 taten dies noch 52 Prozent der Umfrageteilnehmer. Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate rechnen 21 Prozent der Befragten mit „schlechten“ oder „sehr schlechten“ wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Das sind fast doppelt so viele Unternehmen wie aktuell.

Unternehmen fürchten Änderungen bei der Erbschaftsteuer

Ein Thema, das den Unternehmen aktuell große Sorgen bereitet, ist eine mögliche Änderung bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Sollte das Bundesverfassungsgericht die bestehenden Verschonungsregelungen im Erbschaftsteuergesetz als rechtswidrig einstufen und würden diese daraufhin gestrichen, sehen 68 Prozent der familiengeführten Industrieunternehmen den Bestand ihres Unternehmens gefährdet. Insbesondere kleinere Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigen würde der Wegfall der Verschonungsregelungen hart treffen.

Kopfzerbrechen bereitet insbesondere den auf den heimischen Markt fokussierten Unternehmen die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise. Knapp 55 Prozent halten steigende Preise für Energie und Rohstoffe für das größte Konjunkturrisiko in den nächsten zwölf Monaten. Aber auch die noch immer schwelende Schuldenkrise in der Eurozone treibt knapp 53 Prozent der Unternehmen um. Die politische Entwicklung in der Ukraine bezeichnen vier von zehn Unternehmen als Konjunkturrisiko.

Der Fachkräftemangel macht den Unternehmen zu schaffen

Als problematisch stuft die große Mehrheit der befragten Mittelständler zudem den Fachkräftemangel ein: Knapp neun von zehn Unternehmen, die aktuell offene Stellen ausgeschrieben haben, tun sich schwer, geeignete Bewerber zu finden. „Besonders bei der Rekrutierung von Fachkräften mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und bei der Besetzung von Ausbildungsstellen haben viele Mittelständler Mühe“, berichtet Peter Bartels.

Als Hauptgrund für die Schwierigkeiten bei der Bewerbersuche gaben die Unternehmen die mangelnde Qualifizierung der Bewerber an. Um sicherzustellen, dass sie in Zukunft genügend qualifizierte Mitarbeiter haben, setzen viele Unternehmen auf Aus- und Weiterbildung: Fast zwei Drittel der Industrieunternehmen bilden beispielsweise selbst aus. Mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Unternehmen bietet flexible Arbeitszeitmodelle, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei ihren Mitarbeitern zu erleichtern, und somit bei Bewerbern zu punkten.

Kleine Betriebe haben einen höheren Anteil an Frauen in Führungspositionen

Der Anteil an weiblichen Führungskräften liegt in kleinen Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten bei rund einem Viertel und damit deutlich höher als in Großunternehmen, wo nur knapp 10 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt sind. „Bemerkenswert ist dabei, dass diejenigen Unternehmen, die Frauen auf der Chefetage beschäftigen, das Potenzial von Frauen als Führungskräfte auch erkennen und schätzen“, kommentiert Peter Bartels. Rund acht von zehn Unternehmen mit weiblichen Führungskräften auf der ersten Führungsebene sind der Meinung, dass Frauen ein wichtiger Teil des Führungskräftepotenzials sind. Bei den Unternehmen ohne Frauen mit Führungsaufgaben stimmten nur rund 43 Prozent dieser Aussage zu.

Die Ergebnisse basieren auf einer Befragung von 1.424 mittelständischen Industrieunternehmen im Rahmen des BDI-/PwC-Mittelstandpanels.