Am liebsten zu Lidl - Kaufen auf allen Kanälen

Im Einzelhandel rücken Online- und Offline-Shopping immer enger zusammen. Eine durchdachte Verzahnung von Internet- und stationären Services in der Filiale wird von den Konsumenten honoriert, wie die PwC-Multichannel-Studie 2013 zeigt. Hierbei wurden 1.005 Konsumenten befragt, die mindestens einmal im Internet eingekauft haben. Die Kernergebnisse erläutert Gerd Bovensiepen, Partner und Leiter des PwC-Bereichs Handel und Konsumgüter in Deutschland und Europa.

Im Gespräch mit Gerd Bovensiepen, Partner und Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter in Deutschland und Europa bei PwC


Gerd Bovensiepen

Die meisten großen Filialisten sind mittlerweile auch mit Online-Shops im Internet präsent. Verliert das stationäre Geschäft damit an Bedeutung?

Gerd Bovensiepen: Nicht unbedingt und nicht in jeder Branche. Zwar gibt es sicherlich Kunden, die bislang in der Filiale eingekauft haben und jetzt mehr oder sogar nur noch im Internet bestellen. Eine passgenaue Multichannel-Strategie kann jedoch zusätzliche Kunden in die Geschäfte bringen. Wie unsere Befragung zeigt, schätzen viele Konsumenten beispielsweise die Möglichkeit, das in der Filiale verfügbare Angebot online abzufragen. Auch der Vor-Ort-Umtausch von im Internet gekauften Waren ist eine attraktive Dienstleistung, die sich übrigens auch für den Händler in der Filiale lohnen kann. Wer erst einmal im Geschäft steht, schaut sich auch um und kauft nicht selten weitere Produkte ein.

Die beliebtesten Multichannel-Händler in Deutschland

Welchen Einzelhändlern gelingt die Kombination von Online- und Offline-Geschäft am besten?

Bovensiepen: Wir haben die Verbraucher sowohl nach den am häufigsten genutzten als auch den beliebtesten Multichannel-Angeboten gefragt. Etabliert hat sich das Multichannel-Shopping insbesondere bei Modefilialisten. Von den befragten Esprit-Kunden kauft jeder vierte sowohl in der Filiale als auch im Internet, bei H&M liegt diese so genannte Multichannel-Ratio bei 20 Prozent. Sehr gut aufgestellt ist hier auch Tchibo. Die beliebtesten Multichannel-Händler kommen allerdings aus der Lebensmittel-Branche, angeführt von Lidl. Im Vergleich zur Vorjahresumfrage haben die Online-Angebote der Lebensmittelmärkte damit erheblich an Beliebtheit gewonnen.

Händler mit höchstem Anteil von Multichannel-Käufern

Kaufen denn viele Verbraucher ihre Lebensmittel im Internet?

Bovensiepen: Noch nicht, wobei die Betonung auf dem „noch“ liegt. Aber unsere Umfrage zeigt, dass sich inzwischen ein Viertel der Konsumenten vor dem Lebensmitteleinkauf im Internet informieren möchte. Vor einem Jahr waren es 10 Prozent weniger. In Großbritannien liegt diese Quote bei über 50 Prozent. Das bedeutet: neben den Online-Shops werden Informationsangebote im Internet und Smartphone Apps zur Einkaufsplanung immer stärker wahrgenommen. Dies ist unserer Ansicht nach ein wichtiger Schritt, um das Online-Shopping auch im Lebensmittelsegment zu etablieren.