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Erneuerbare Energien


Offshore-Windenergie ist in Deutschland noch mit Anlaufschwierigkeiten behaftet

Windkraftanlagen auf hoher See, so genannte Offshore-Windparks, werden zumindest mittelfristig weniger Energie liefern als erhofft. Während die Bundesregierung bislang davon ausgeht, dass Offshore-Anlagen im Jahr 2025 eine Leistung von bis zu 25.000 Megawatt (MW) bereit stellen, halten Branchenexperten lediglich 16.000 MW für realistisch. Die Offshore-Windenergie ist zweifellos ein enormer Wachstumsmarkt - dennoch bestehen noch viele Unwägbarkeiten bei der Anlagentechnologie, der Anbindung an die Stromnetze und nicht zuletzt der Anlagenwartung.


Die deutsche Bundesregierung plant, bis zum Jahr 2050 die Hälfte des Stroms aus Erneuerbaren Energien zu gewinnen. Besondere Bedeutung misst sie in diesem Zusammenhang der Offshore-Windenergienutzung bei, die langfristig bis zu 15 Prozent des deutschen Stromverbrauchs decken soll. Der tatsächliche Ausbau der Offshore-Windenergie in Nord- und Ostsee blieb bislang weit hinter der Planung zurück, doch im Jahr 2008 begann mit dem Testfeld "alpha ventus" die Errichtung des ersten "echten" Offshore-Windparks (OWP) in deutschen Gewässern.

Mit der am 6. Juni 2008 vom deutschen Bundestag beschlossenen Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und der im November 2006 vorgenommenen Neuregelung der Netzanbindung erhielt die Offshore-Windenergie einen deutlichen Impuls. Derweil befindet sich die Branche im Umbruch: kapitalstarke Investoren drängen in den Markt und suchen nach Projekten und Projektbeteiligungen. In kurzer Zeit wandelte sich der Markt für die Projektentwickler zum Verkäufermarkt, in dem der einsetzende Wettbewerb den Wert der Projekte deutlich ansteigen ließ.

Mit der fortschreitenden Entwicklung der Projekte und den verbesserten Rahmenbedingungen stellt sich nun zunehmend auch die Frage nach der Finanzierung der Milliardeninvestitionen. Mittlerweile sind 16 von 29 der in der Nord- und Ostsee genehmigten Projekte im Besitz von Energieversorgungsunternehmen. Für kapitalstarke Unternehmen, wie Energiekonzerne, kommt eine Unternehmensfinanzierung in Frage, für andere bietet die Projektfinanzierung dagegen eine attraktive Alternative. Ob die im Jahr 2006 weltweit erste Projektfinanzierung des niederländischen OWP "Q7" für den deutschen Markt wegweisend sein kann, bleibt abzuwarten. In Deutschland handelt es sich bei der Offshore-Windenergienutzung mit den bestehenden Rahmenbedingungen hinsichtlich Wassertiefe und Küstenentfernung unzweifelhaft um technologisch wesentlich anspruchsvollere Standorte als in den europäischen Nachbarländern.

Marktausblick

In Deutschland stehen die ersten OWPs kurz vor der Realisierung. Die neuen Netzanschlussregelungen und die vom Bundestag beschlossene Anhebung der Einspeisevergütung zum 1. Januar 2009 im Rahmen der EEG-Novellierung haben die Wirtschaftlichkeit der Projekte erheblich verbessert. Bekannte und neue Investoren drängen in den Markt und der Wettbewerb um die besten Standorte und Projekte läuft auf vollen Touren. Dennoch herrscht Zurückhaltung bei der Zusage von Finanzierungen und Investitionsentscheidungen der Kapitalgeber. Die Energiekonzerne lassen verlauten, dass zunächst die Bau- und Betriebserfahrungen aus dem Testfeld alpha ventus abgewartet werden sollen. Bankenfinanzierungen für große Projekte sind derzeit nur schwer darstellbar.

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass aus Sicht der Branche selbst noch zahlreiche technische und organisatorische Herausforderungen zu bewältigen sind, bevor ein Ausbau in kommerziellen Dimensionen erfolgen kann. Gerade der Umgang mit den Errichtungs- und Betriebsrisiken stellt gegenwärtig immer noch ein erhebliches Problem dar, was die technischen und wetterbedingten Verzögerungen bei der Errichtung des Testfeldes gerade eindrucksvoll bestätigt haben. Wir haben unsere Einschätzung der zukünftigen Entwicklung der Offshore-Windenergie in Deutschland in drei Thesen zusammengefasst:

  • These 1: Die im Jahre 2002 in der "Strategie der Bundesregierung zur Windenergienutzung auf See" formulierten Ausbauziele von 20.000 bis 25.000 MW bis 2025 bzw. 2030 werden nicht erreicht. Die im Rahmen einer Diplomarbeit durchgeführte Befragung von Experten bestätigt dies: Sie ergibt, dass die Branchenexperten rund 16.000 MW für diesen Zeitrahmen als realistisch ansehen.
  • These 2: Der Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland wird sich in zwei Phasen vollziehen. Ausgehend von den mittlerweile vorherrschenden Eigentumsverhältnissen im Markt für Offshore-Projekte und den im Rahmen der Diplomarbeit deutlich gewordenen Hürden ist davon auszugehen, dass die erste Runde kommerzieller OWPs von strategischen Investoren, beispielsweise Energiekonzernen, auf Basis einer Unternehmensfinanzierung realisiert werden wird. Dies bringt unter Umständen Vorteile bei der Entscheidungsfindung und Umsetzung, weil auf der Finanzierungsseite weniger Akteure involviert und koordiniert werden müssen.
  • These 3: Echte Projektfinanzierungen für OWPs werden folgen, wenn die technische und wirtschaftliche Realisierbarkeit hinreichend belegt ist.

Trotz der derzeit gedämpften Erwartungen hinsichtlich der Ausbauziele der Offshore-Windenergie in Deutschland, die aus den Befragungsergebnissen der Diplomarbeit hervorgehen, darf nicht vergessen werden, dass Politik, Wirtschaft, Verbände und Wissenschaft in den vergangenen Jahren gemeinsam sehr engagiert Lösungen erarbeitet haben, die die Realisierung der Offshore-Windenergie in Deutschland positiv vorantreiben.

Vor allem die Verbesserung der regulatorischen Rahmenbedingungen wie die Netzanschlussverpflichtung auf See durch die Netzbetreiber sowie die Erhöhung der Einspeisevergütung im Rahmen der EEG-Novelle und die aktuellen Entwicklungen von Offshore-Technologien wie Multimegawatt-WEA und Kabeltechnologie sowie Gründungsstrukturen sind nicht nur Zeichen für einen gemeinsamen Willen, die Energiegewinnung durch Offshore-Windparks zu fördern - sie zeigen auch den richtigen Weg, die Ziele zum Ausbau der Offshore-Windenergie zu erreichen. Dass die gemeinsamen Anstrengungen nicht ohne sichtbaren Erfolg sind, zeigen insbesondere die aktuelle Errichtung des Offshore-Testfeldes vor Borkum und Millioneninvestitionen von Herstellern, Betreibern, der Zulieferindustrie und nicht zuletzt der Projektentwickler. Risiken lassen sich durch professionelle Planung entsprechend reduzieren. Diesen Risiken stehen auch im Offshore-Markt entsprechende Chancen gegenüber. PwC engagiert sich seit vielen Jahren für die Entwicklung der Offshore-Windenergie in Deutschland und unterstützt die Entwicklung nachdrücklich.

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