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Nachhaltigkeit
Sustainable Investments: Neues Geschäftsmodell vereint Artenschutz und Rendite
Der Markt für nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wächst dynamisch. Allein im deutschsprachigen Raum hat sich das Volumen nachhaltiger Publikumsfonds seit 2002 auf 30 Milliarden Euro mehr als verzehnfacht. Die Renditen übertreffen oft Standardwerte, mehr und mehr Fondsmanager steigen in den Markt ein. Daraus können sich auch neue Chancen für den Artenschutz ergeben.
Privatwirtschaftliche Investitionen in Naturschutzprojekte können betriebswirtschaftlich attraktiv sein und – wenn sie entsprechend ausgestaltet werden – Renditen erwirtschaften, die mit anderen Anlageformen vergleichbar sind.
Für Kapitalanleger, Umweltverbände, nachhaltig wirtschaftende Unternehmen und nicht zuletzt den Staat eröffnet dies neue Möglichkeiten. Das zeigt die Studie "Sustainable Investments for Conservation - The Business Case for Biodiversity", die PricewaterhouseCoopers (PwC) im Auftrag der Umweltstiftung WWF erstellt hat. Sie wurde Anfang 2007 in Brüssel der internationalen Öffentlichkeit vorgestellt. Schirmherren des Projektes zur Entwicklung eines Unternehmenskonzeptes zur Erhaltung wertvoller Naturräume und der biologischen Vielfalt sind Dr. Helmut Kohl, Bundeskanzler a. D. sowie der EU-Umweltkommissar Stavros Dimas.
Noch wird diese Chance jedoch kaum genutzt – nur sehr wenige Unternehmen machen Natur– und Artenschutzbelange zu einem nennenswerten Teil ihres Geschäfts. Nachdem sich die Umweltminister der G8-Staaten am 17. März 2007 in der "Potsdam-Initiative zur biologischen Vielfalt 2010" dazu verpflichtet haben, die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt zu ergreifen und die Möglichkeiten zusätzlicher innovativer Finanzierungsmechanismen zu sondieren, hat das Thema zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Zudem hat der deutsche Gesetzgeber Anbieter von staatlichen zertifizierten Altersvorsorgeverträgen, Direktversicherungen und betrieblichen Pensionsfonds verpflichtet, über die Berücksichtigung ethischer, sozialer und ökologischer Kriterien in ihren Anlageentscheidungen zu berichten.
Abbildung: Volumen der im deutschsprachigen Raum zum Vertrieb zugelassenen nachhaltigen Publikumsfonds.
Quelle: Sustainable Business Institute (SBI) of the European Business School e.V.
Um eine strategische Zusammenarbeit von Investoren und Umweltschutzorganisationen zu ermöglichen, wurde das Modell einer "Sustainable Investments" Holding entwickelt. Das dahinter stehende Prinzip: Umweltorientierte Unternehmer oder auch Naturschutzorganisationen gründen eine Holding, die profitable Natur- und Artenschutzprojekte bündelt. Die eigentliche Projektausführung überlassen sie Beteiligungen, deren Nachhaltigkeit vor Ort von unabhängiger Seite anhand von strengen Umweltschutzkriterien überprüft wird. Dazu sammeln sie die nötigen Gelder und legen in Zusammenarbeit mit einer Umweltschutzorganisation die Investmentkriterien fest, nach denen die Holding ihre Beteiligungen auswählt.
Abbildung: Gesellschaftsrechtliche Struktur (vereinfachte Darstellung)
Für die Bereiche Naturtourismus und nachhaltige Forstwirtschaft haben ausschließlich privat finanzierte Referenzprojekte in Brasilien, Namibia und Costa Rica gezeigt, dass sich Naturschutz, soziale Belange und ein positiver Kapitalertrag nicht gegenseitig ausschließen. Bei der Auswahl der Fallstudien stellte der WWF sicher, dass die Geschäftskonzepte die Kriterien der ökologischen Nachhaltigkeit erfüllen und zusätzlich einen sozialen Mehrwert schaffen, etwa indem sie der lokalen Bevölkerung Alternativen zur Rodung des tropischen Primärwaldes bieten. Auf der Grundlage des Kyoto-Protokolls ergeben sich beispielsweise für Aufforstungsprojekte Ertragspotenziale aus dem Verkauf von CO2-Emissionszertifikaten.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Naturschutzprojekten, die mit Steuer- oder Spendengeldern finanziert werden, tragen sich derart strukturierte Projekte langfristig selbst und leisten durch die Schaffung von Arbeitsplätzen auch einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung.
Da viele wichtige Naturschutzprojekte gerade auch in Entwicklungsländern angesiedelt sind, müssen sich Investoren intensiv mit den jeweiligen politischen Rahmenbedingungen und Investitionsrisiken befassen. Um projekt- und landesspezifische Risiken so gering wie möglich zu halten, ist daher ein großes Länder- und Projektportfolio empfehlenswert.
Die erforderliche Risikostreuung bietet das vorgestellte Unternehmensmodell der "Sustainable Investments" Holding. Die Gründung einer solchen Holding ist ein leichtes. Jetzt sind Banken, Politik, Umweltverbände und Wirtschaft gefragt, dieses Thema in ihrem eigenen Interesse voranzutreiben.
Beispiele für Investitionskriterien
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Die "Postdam-Initiative zur biologischen Vielfalt 2010"Die Umweltminister der G8-Staaten haben in der "Potsdam-Initiative zur biologischen Vielfalt 2010" am 17. März 2007 festgehalten, dass der Erhaltung der biologischen Vielfalt die gleiche globale Bedeutung zukomme wie dem Klimaschutz. Sie verpflichteten sich dazu, die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt zu ergreifen und die Notwendigkeit sowie die Möglichkeiten zusätzlicher innovativer Mechanismen zur Finanzierung des Schutzes und der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt im Verbund mit der Bekämpfung der Armut sondieren. Der Umsetzungsstand des Zieles, den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen, wird auch ein zentrales Thema der UN-Naturschutzkonferenz darstellen, die im Mai 2008 in Deutschland stattfinden wird. |
Berücksichtigung von ökologischen Kriterien im Rahmen von zertifizierten AltersvorsorgeverträgenImpulse für nachhaltige Investitionen gehen in Deutschland derzeit zum Beispiel vom Gesetzgeber aus. Dieser hat die Anbieter von staatlich zertifizierten Altersvorsorgeverträgen, Direktversicherungen und betrieblichen Pensionsfonds dazu verpflichtet, darüber zu berichten, inwieweit sie in ihren Anlageentscheidungen ethische, soziale und ökologische Kriterien berücksichtigen (Paragraf 7 (1) 5, Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz). Dadurch können auch Privatanleger diese Kriterien in ihre Entscheidungen mit einbeziehen. |
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