Servicenavigation

Hauptnavigation


Inhaltsbereich


Wirtschaftskriminalität 2009


Wie sicher arbeiten deutsche Großunternehmen?

Wirtschaftskriminalität birgt erhebliche finanzielle Risiken und betrifft inzwischen die Mehrheit der Firmen: 61 Prozent der deutschen Großunternehmen berichten, in den letzten zwei Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden zu sein. Noch gravierender als die finanziellen sind oftmals die immateriellen Schäden, insbesondere der damit verbundene Reputationsverlust. PricewaterhouseCoopers (PwC) untersuchte gemeinsam mit der Universität Halle-Wittenberg in einer repräsentativen Studie zur Wirtschaftskriminalität, wie es um die Sicherheitslage deutscher Großunternehmen bestellt ist.


Die Folgen von Wirtschaftskriminalität auf Unternehmen sind erheblich: "Infolge dieses Falls haben wir eine wichtige Marktposition in einem internationalen Markt verloren, die wir jetzt noch nicht wieder einnehmen konnten", berichtet ein Betroffener aus der Transport- und Logistikbranche. Ein Befragter aus der Automobilindustrie spricht vom "negativen Einfluss auf die Mitarbeiter, der sich aber nicht weiter quantifizieren und in Euro umrechnen lässt". Der Fall von Wirtschaftskriminalität habe die Unternehmenskultur in seinem Unternehmen nachhaltig beeinträchtigt. Von "Imageschaden", durch den die Kunden wegbleiben, berichtet ein Manager aus der Gesundheitsbranche.

Hinzu kommt der große finanzielle Schaden, den Wirtschaftskriminalität verursacht: Er betrug 2009 durchschnittlich 5,57 Millionen Euro je Unternehmen. Das ist ein Ergebnis der Studie zur Wirtschaftskriminalität 2009, die PricewaterhouseCoopers (PwC) in Zusammenarbeit mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg herausgegeben hat. Die Studie untersucht die Sicherheitslage in deutschen Großunternehmen. 500 Großunternehmen wurden dafür befragt, damit handelt es sich um die erste repräsentative Umfrage zu diesem Thema. Sie erlaubt auch einen Vergleich mit den Vorgängerstudien zur Wirtschaftskriminalität aus den Jahren 2005 und 2007.

 Der Anteil der Deliktgruppen 2009 und der durchschnittliche finanzielle Schaden:
 
  • Vermögensdelikte wie Betrug und Untreue: 41 Prozent, 1.697.784 Euro Schaden

  • Wettbewerbsdelikte: 39 Prozent, 5.849.733 Euro Schaden

  • Korruption: 13 Prozent, 1.561.569 Euro Schaden

  • Falschbilanzierung: 4 Prozent, 670.000 Euro Schaden

  • Geldwäsche: 3 Prozent, 2.172.857 Euro Schaden

Die häufigsten Delikte: Betrug und Unterschlagung 

Bei den meisten Taten handelt es sich um Vermögensdelikte wie Betrug und Unterschlagung. Dadurch erlitten Unternehmen einen Verlust von durchschnittlich rund 1,7 Millionen Euro je Firma. Allerdings vermuten die Experten von PricewaterhouseCoopers ein sehr viel größeres Dunkelfeld. "Viele Unternehmen unterschätzen ihre wahren Risiken", sagt Steffen Salvenmoser, Partner bei PricewaterhouseCoopers im Bereich Forensic Services. "Sie wägen sich in trügerischer Sicherheit, da sie gar nicht die Notwendigkeit sehen, sich über bessere Kontroll- und Präventionsmaßnahmen zu informieren." Zugleich, das zeigt die Studie, wächst in der deutschen Wirtschaft aber die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen, wie etwa entsprechendes Risikomanagement oder Training zur Betrugsbekämpfung. Ein Drittel der Unternehmen erwartet durch die momentan wirtschaftlich schwierige Lage einen Anstieg der Wirtschaftskriminalität.

Den größten finanziellen Schaden verursachen Wettbewerbsdelikte

Am stärksten werden Unternehmen allerdings durch Wettbewerbsdelikte geschädigt, dazu zählen beispielsweise Produktfälschungen, Verstöße gegen Patent- und Markenrechte, Diebstahl vertraulicher Kunden- und Unternehmensdaten, wettbewerbswidrige Absprachen sowie Wirtschafts- und Industriespionage. Diejenigen Unternehmen, die durch Wettbewerbsdelikte geschädigt wurden, geben ihren Verlust für 2009 mit durchschnittlich 5,85 Millionen Euro an. Gerade in Folge der gegenwärtigen Wirtschaftskrise dürften diese Risiken weiter ansteigen, vermuten PwC-Experten. Auch 42 Prozent der befragten Unternehmen befürchten, dass durch den hohen finanziellen Druck Wettbewerbsdelikte zunehmen werden.

Die Täter stammen häufig aus den eigenen Reihen

In der Hälfte aller Fälle stammt der Täter aus den eigenen Reihen. Doch wie sieht der typische Wirtschaftskriminelle aus? Während die Rechtsprechung davon ausgeht, dass Mitarbeiter gerade am Anfang ihrer Laufbahn überwacht werden müssen, ergibt sich nach internationalen PwC-Studien ein ganz anderes Bild: Der typische Wirtschaftsstraftäter ist sozial unauffällig, im Durchschnitt um die 40 Jahre alt, überwiegend männlich, überdurchschnittlich gebildet und gehört schon seit vielen Jahren dem Unternehmen an. Der größte Teil der Wirtschaftsstraftäter gehört dem Top- (29 Prozent) und dem mittleren (38 Prozent) Management an - dort haben die Täter eher den nötigen Zugriff, um Delikte begehen zu können. Daher müssen sich Kontroll- und Präventionsmaßnahmen auf alle Mitarbeitergruppen erstrecken.

Effektiv: ein Mix aus Kontrolle und Prävention

Häufig wird mangelndes Unrechtsbewusstsein als Ursache für Wirtschaftskriminalität genannt. Doch die Gründe für Wirtschaftsdelikte liegen nicht allein in der Persönlichkeit des Täters. Oft begünstigen auch Faktoren im Unternehmen selbst solche Straftaten. Unternehmen sollten daher eine Unternehmenskultur schaffen, die wirtschaftskriminellen Handlungen vorbeugt. Das erreichen sie durch einen Mix aus Kontrolle und Prävention. Zunächst ist es wichtig, dass auf Wirtschaftskriminalität überhaupt reagiert wird. Blieben Verstöße folgenlos, würde das Compliance-Programm des Unternehmens insgesamt in Frage gestellt. Gravierende Verstöße sollten daher mit einer Strafanzeige geahndet werden. Aber auch Instrumente wie Kündigung und Schadensersatz nutzen Unternehmen noch zu wenig.

Zur Prävention gehört, eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, die von Offenheit und Transparenz geprägt ist. Prävention darf sich nicht nur auf Abschreckung beschränken. Gute Dienste leisten Unternehmen zunehmend auch Hinweisgeber-Systeme, die mittlerweile ein Drittel der befragten Großunternehmen nutzen. Insgesamt stellen die PwC-Experten einen Ausbau der Präventionsmaßnahmen fest: durch eine wachsende Zahl von Compliance-Beauftragten und -Programmen, ethischen Richtlinien und Anti-Korruptionsprogrammen. 

Weitere Informationen zur Studie sowie eine Bestellmöglichkeit finden Sie hier.

Im Gespräch mit Steffen Salvenmoser, Partner bei PricewaterhouseCoopers im Bereich Forensic Services:
Steffen Salvenmoser

Frage: Wie wichtig ist es für Unternehmen, wirtschaftskriminellen Handlungen vorzubeugen?
Steffen Salvenmoser:
Unternehmen müssen Wirtschaftskriminalität entschieden entgegentreten. Den deutschen Großunternehmen entstehen durch die Delikte hohe finanzielle Schäden. Doch die indirekten Auswirkungen von Wirtschaftskriminalität können noch gravierender sein. Denn Wirtschaftskriminalität wird heute von einer kritischen Öffentlichkeit beobachtet. Auch der Druck durch die Rechtsprechung und die Aufsichtsbehörden wächst. Ein Reputationsverlust kann langfristigen Schaden verursachen.

Frage: Reagieren die Unternehmen auf diese Entwicklung?
Salvenmoser:
Ja, das sehen wir deutlich. Gerade börsennotierte Unternehmen spüren die Folgen dieses Wandels in der öffentlichen Wahrnehmung. 2007 berichteten noch 35 Prozent der Großunternehmen, dass es keine negativen Auswirkungen auf den Aktienkurs gegeben habe. 2009 sind das nur noch sieben Prozent. Die Unternehmen wollen sich inzwischen mehr um Prävention bemühen, lange Zeit erschien ihnen interne Kriminalprävention als zu unwirtschaftlich. Viele sagen aber auch, dass ihnen durch die Wirtschaftskrise wenig Mittel dafür zur Verfügung stehen.

Frage: Worauf kommt es bei der Prävention an?
Salvenmoser:
Wir stellen fest, dass Täter aus dem Topmanagement mit 33 Prozent seltener als solche aus dem mittleren Management (49 Prozent) oder andere Beschäftigte (54 Prozent) angezeigt werden. Für die Unternehmenskultur ist es aber wichtig, dass der Tone from the top stimmt - und das Unternehmen bei jedem Mitarbeiter konsequent reagiert. Eine gute Unternehmenskultur kann zumindest dafür sorgen, dass es potenziellen Straftätern schwer gemacht wird.

Ansprechpartner

Steffen Salvenmoser E-Mail Link
Marie-Curie-Straße 24-28
60439  Frankfurt am Main
Tel.:  069 9585-5555
Fax:  069 9585-5963
Claudia Nestler E-Mail Link
Marie-Curie-Straße 24-28
60439  Frankfurt am Main
Tel.:  069 9585-5552
Fax:  069 9585-5963

Verwandte Themen

Weitere Informationen


PricewaterhouseCoopers AG - Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Wie sicher arbeiten deutsche Großunternehmen? - Stand 15.03.2010