Studie zu Transaktionen im Mittelstand: Firmenchefs sind noch zurückhaltend

Mittelständische Unternehmen in Deutschland schauen optimistisch in die Zukunft. Sie sind erstarkt aus der Finanzkrise 2008/2009 hervorgegangen und profitierten besonders vom schnellen Aufschwung. Wenn es um Übernahmen oder Fusionen geht, lassen die Unternehmer allerdings Vorsicht walten: Nur zehn Prozent haben konkrete Transaktionspläne. Das ist ein zentrales Ergebnis der PwC-Studie "Transaktionen im Mittelstand". 533 Führungskräfte aus mittelständischen Unternehmen haben dafür Auskunft zu ihren M&A-Plänen in den kommenden zwölf Monaten gegeben.

Familienunternehmern und Mittelständler haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und sind gegenüber den aktuellen Krisensymptomen überwiegend besser gewappnet als noch vor drei Jahren. Sie haben ihre Finanzierungsstruktur diversifiziert, ihr Geschäft neu ausgerichtet oder umstrukturiert und ihre Barreserven dank des schnellen Wachstums aufgestockt. 

Für Unternehmen, die ihre Position am Markt durch einen Zukauf geschwächter Wettbewerber weiter ausbauen möchten, bieten sich momentan gute Bedingungen: Die deutsche Wirtschaft bleibt trotz Unsicherheiten stabil, die Firmen sind zahlungskräftig und mögliche Zielunternehmen werden moderat bewertet. Dennoch reagiert der Mittelstand – entgegen dem allgemeinen Trend im Transaktionsgeschäft – bislang eher zurückhaltend.

Im Jahr 2010 war nur jedes zehnte befragte mittelständische Unternehmen an einem Kauf oder einer Übernahme beteiligt. Das waren vorwiegend größere Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Ihr Hauptmotiv: neue Produktmärkte erschließen. Als weitere Argumente nannten 26 Prozent die "Erschließung neuer geografischer Märkte" und 24 Prozent "Größenvorteile/wirtschaftlicher Druck zur effizienten Unternehmensgröße".

Das größte Hindernis: Die Kaufgelegenheiten fehlen

Für 2011 gehen M&A-Experten davon aus, dass der Transaktionsmarkt allmählich anziehen wird. Konkrete Transaktionspläne haben allerdings nur zehn Prozent der interviewten Führungskräfte.

Das größte Hindernis: Wie bereits 2010 fehlen den Firmenchefs die geeigneten Ziele für Fusionen, Übernahmen oder Beteiligungen. Der Markt biete momentan wenige Kaufgelegenheiten, gaben 45 Prozent der Studienteilnehmer an. Allerdings mangelt es vielen Firmen auch an geeigneten Mitarbeitern mit der entsprechenden Transaktionserfahrung, die den Markt auf Kaufoptionen abklopfen könnten. 31 Prozent der Befragten bestätigten, dass sie dafür zu wenig zeitliche und personelle Ressourcen haben. Ein weiteres Hemmnis, das mit 30 Prozent an dritter Stelle genannt wurde: Gerade kleineren mittelständischen Unternehmen ist der Zugang zu Kapital häufig verwehrt.

Skepsis bei Private Equity

Für Mittelständler wäre es eine Alternative, auf externes Beteiligungskapital, Private Equity, zu setzen. Hier reagieren viele der Firmen allerdings zögerlich. Mehr als 80 Prozent der Befragten lehnen externes Beteiligungskapital ab. Zum einen ist vielen Unternehmern nicht klar, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Zum anderen befürchten sie, im eigenen Unternehmen an Einfluss zu verlieren. Die "Abgabe von Entscheidungshoheit" wurde mit 65 Prozent als häufigstes Gegenargument genannt. Die Sorge vor Machtverlust ist so groß, dass die Firmen lieber Kaufgelegenheiten verstreichen lassen, als mit Partnern aus dem Private-Equity-Umfeld zu kooperieren.

Passen die Unternehmenskulturen zusammen?

Vielen Familienunternehmen mangelt es auch an Erfahrung mit Kapitalgebern und Transaktionen. Die Risiken einer Transaktion lassen sich deutlich minimieren, wenn der Kauf gut geplant und vorbereitet wird. Doch genau hier fehlt es den Unternehmern oft an Wissen. "Fusionen und Übernahmen gehören nicht zum Kerngeschäft mittelständischer Unternehmen", so Dr. Peter Bartels, Leiter des Geschäftsbereichs Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC. "Das fehlende Know-How darf jedoch kein Grund dafür sein, Zukäufe zur Stärkung der Wettbewerbsposition auszuschließen. Gerade in Zeiten einer hohen Unsicherheit an den Märkten können Fusionen oder Übernahmen den entscheidenden Vorsprung verschaffen."

Die vollständige Studie steht hier zum kostenlosen Download bereit.