Würden Sie sich von einem Roboter operieren lassen?

13 April, 2017

Wenn Roboter die besseren Schach- oder Pokerspieler sind – werden sie eines Tages vielleicht auch die besseren Ärzte sein? Unbestritten jedenfalls ist, dass künstliche Intelligenz (AI) und Robotik im Medizinbereich ungeheure Fortschritte machen. Darum wird eine Frage immer drängender: Wären Patienten überhaupt bereit, sich im Fall der Fälle einer Maschine statt einem Menschen anzuvertrauen?

Eine PwC-Umfrage unter mehr als 11.000 Teilnehmern aus zwölf Ländern – darunter Deutschland – liefert auf diese Frage nun bemerkenswerte Antworten. So zeigten sich 55 Prozent offen für den Gedanken, klassische ärztliche Tätigkeiten künftig vermehrt durch AI und Robotik erledigen zu lassen. Knapp die Hälfte der Befragten meinte zudem, sie würde sich, wenn es um einen kleineren Eingriff geht, sogar von einem Roboter operieren lassen.

„Assistant Intelligence“ statt „Artificial Intelligence“

„Ob es uns gefällt oder nicht: Die Zukunft der Medizin liegt eindeutig im vermehrten Einsatz von technologischen Hilfsmitteln“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma bei PwC in Deutschland. Dies dürfe man sich zwar nicht so vorstellen, dass künstliche Intelligenz und Robotik den Arzt tatsächlich ersetzen. „Wohl aber werden sie ihm immer mehr Aufgaben abnehmen.“ Statt von „Artificial Intelligence“ könne man daher auch von „Assistant Intelligence“ sprechen, meint Burkhart: „Der Roboter als rechte Hand des Arztes."

In der Gesundheitsbranche wird die zunehmende Bedeutung von künstlicher Intelligenz momentan unter dem Schlagwort „New Health“ diskutiert. Dabei geht es natürlich nicht nur um den Operationssaal. Zu diesem Trend gehören auch neuartige Apps, die die Gesundheitsvorsorge erleichtern. Ein weiteres Beispiel sind AI-basierte Technologien, die die Diagnostik revolutionieren könnten – so lässt sich Brustkrebs schon jetzt mit viel größerer Genauigkeit erkennen als noch vor wenigen Jahren. Zudem ermöglichen Big-Data-Anwendungen bei vielen Krankheiten völlig neue, individuelle zugeschnittene Behandlungsmethoden.

Weitere Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • 43 Prozent der Deutschen offen für Robo-OPs: Die Umfrageteilnehmer in Deutschland zeigten sich zwar etwas skeptischer als in anderen Ländern. Allerdings sind auch hierzulande 41 Prozent bereit, bei wichtigen Gesundheitsfragen auf AI und Robotik zu vertrauen. Was „kleinere Eingriffe“ wie zum Beispiel eine Laser-OP an den Augen betrifft, äußerten sogar 43 Prozent Zustimmung – natürlich immer vorausgesetzt, Roboter sind für die entsprechenden Eingriffe nachweislich besser geeignet als Menschen.
  • Auch dem Roboter will man vertrauen: Die Befragten in den zwölf Ländern nannten vor allem drei Bedingungen, unter denen sie auf AI und Robotik vertrauen würden. Die neuen Methoden sollten 1.) schneller und genauer sein als herkömmliche Ver-fahren, sie sollte 2.) so etabliert sein, dass man ihnen wirklich vertrauen kann, und sie sollten 3.) generell dafür sorgen, dass mehr Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten.
  • Gerade in ärmeren Ländern setzen die Menschen auf „New Health“: Die Zustimmung zu neuen Behandlungsmethoden ist vor allem dort wo, wo das Gesundheitssystem schlechter funktioniert als zum Bespiel in Deutschland oder in Schweden. So zeigten sich in Südafrika 82 Prozent der Befragten sehr offen für AI und Robotik, in Nigeria sogar 94 Prozent. „Für viele Menschen auf dieser Welt geht es eben nicht um die Frage, ob sie sich lieber von einem Menschen oder einem Roboter operieren lassen – sondern ob es überhaupt einen Zugang zu medizinischen Leistungen für sie gibt. Aus globaler Sicht könnte ein Versprechen von ‚New Health‘ auch darin liegen, die Gesundheitsversorgung soweit zu maschinisieren, dass sie eines Tages für deutlich mehr Menschen bezahlbar wird“, sagt Burkhart. 

Contact us

Michael Burkhart

Leiter Gesundheitswirtschaft und Managing Partner Region Mitte, PwC Germany

Tel.: +49 69 9585-0

Follow us