Unternehmen könnten mehr aus ihrer betrieblichen Altersversorgung machen

23 Februar, 2016

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Nur knapp ein Drittel der Arbeitnehmer entscheidet sich für die Entgeltumwandlung und 41 Prozent kennen Art und Umfang des eigenen arbeitgeberfinanzierten bAV-Angebots nicht. Warum diese Form der Vorsorge so verkannt wird, hat weniger mit den grundsätzlichen Merkmalen des Angebots zu tun als mit fehlender Information und Transparenz, urteilen die PwC-Experten Jürgen Helfen und Daniel Hitschler. Im Interview verraten sie, wie Unternehmen als Arbeitgeber mit einer bAV punkten können, welche Modelle besonders gefragt sind und warum Apps so gut ankommen.

Im Gespräch mit Jürgen Helfen, Partner bei PwC, und Dr. Daniel Hitschler

Weniger als die Hälfte der Beschäftigten profitieren von der betrieblichen Altersversorgung – obwohl sie als attraktive Form der Vorsorge gilt. Woran liegt das?

Jürgen Helfen: Es macht tatsächlich stutzig: Beschäftigte sind sich durchaus bewusst, dass die gesetzliche Rente später kaum zum Leben reichen wird. Trotzdem sind die Vorteile der bAV nur eingeschränkt bekannt. Um herauszufinden, warum die Angebote nicht angemessen wertgeschätzt werden, haben wir 1.000 sozialversicherte Beschäftigte nach ihren Erwartungen befragt. Da zeigte sich sehr schnell, wo die Schwachpunkte liegen: Unternehmen klären ihre Mitarbeiter nicht genügend über diese Vorsorgemodelle auf und viele bAV-Modelle gehen am Bedarf vorbei.

Kann es einem Unternehmen nicht egal sein, ob sich die Beschäftigten fürs Alter ausreichend absichern?

Dr. Daniel Hitschler: Für Unternehmen ist die betriebliche Altersversorgung vor allem eine Chance, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Denn die bAV hat durchaus das Zeug, als wirksames Instrument zur Mitarbeiterbindung zu fungieren: Wie unsere Umfrage zeigt, gehört sie bei Beschäftigten zu den beliebtesten Zusatzleistungen, nur Weiterbildungsmöglichkeiten werden als noch wichtiger eingestuft. Angesichts des Fachkräftemangels könnte die bAV für Firmen also explizit ein Wettbewerbsvorteil sein, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen: Für mehr als zwei Drittel der jungen Akademiker ist das Angebot des Arbeitgebers ein Kriterium bei der Stellenwahl.

Was macht denn ein gutes bAV-Modell aus Sicht der Mitarbeiter aus?

Helfen: Da hat uns das Ergebnis der Umfrage überrascht: Nur eine kleine Minderheit, nämlich nur 18 Prozent, erwartet eine komplett vom Arbeitgeber finanzierte Vorsorgeleistung. Dagegen rechnen weitere 18 Prozent gar nicht mit einer bAV und 22 Prozent wären bereits mit einem Informationsangebot zufrieden. Allerdings wünschen sich 42 Prozent, dass der Arbeitgeber sie bei den eigenen Vorsorgebemühungen unterstützt – beispielsweise durch Zuschüsse zur Entgeltumwandlung. In der Vorgängerstudie von 2014 lag dieser Anteil noch bei 35 Prozent. Hier zeichnet sich also ein klarer Trend ab, der unter jüngeren Arbeitnehmern besonders ausgeprägt ist: Bei ihnen sind es 46 Prozent, bei denen der ideale Arbeitgeber Zuschüsse zur Altersvorsorge zahlt.

Sind die aktuell niedrigen Renditen für Arbeitnehmer nicht auch ein Grund, sich mit dem Abschluss einer bAV zurückzuhalten?

Helfen: Bei einem Drittel der Befragten scheint das durchaus eine Rolle zu spielen: 16 Prozent haben Angst, das Geld ungünstig anzulegen, 14 Prozent geben an, kein Vertrauen in die Finanzwirtschaft zu haben. Andererseits ist die bAV mit einem Anteil von 46 Prozent unter allen Altersvorsorge-Produkten am beliebtesten und hat seit 2014 sogar an Bedeutung gewonnen. Insofern wäre es bei dieser Gruppe der Arbeitnehmer besonders wichtig, über die Vorteile der bAV zu informieren.

Würden Sie Arbeitgebern empfehlen, eine bAV anzubieten?

Hitschler: Das will gut überlegt sein. Denn Unternehmen müssen finanziell und organisatorisch viel dafür investieren. Das macht nur Sinn, wenn dieses Engagement von den Mitarbeitern auch entsprechend wahrgenommen und geschätzt wird. Deswegen würden wir von rein arbeitgeberfinanzierten Modellen eher abraten, bei denen jeder Beschäftigte nach dem Gießkannenprinzip einen bestimmten Prozentsatz des Einkommens für die Altersvorsorge erhält. Denn das wird von vielen kaum wahrgenommen, wie unsere Studie zeigt: Deutlich mehr als ein Drittel der Mitarbeiter kennen Art und Umfang ihrer arbeitgeberfinanzierten Versorgung nicht. Unternehmen betreiben also einen hohen Aufwand, ohne damit bei Mitarbeitern zu punkten.

Also lieber einen Zuschuss zur Entgeltumwandlung geben?

Helfen: Für diese Modelle spricht sehr viel. Denn der Staat hilft finanziell noch mit: Beschäftigte können Teile ihres Entgelts steuer- und sozialversicherungsfrei in die bAV einzahlen. Eine Einzahlung von 100 Euro in die bAV entspricht in etwa einem Nettoverzicht von 50 Euro. Das Unternehmen greift dann nur den Beschäftigten unter die Arme, die eine zusätzliche Absicherung fürs Alter brauchen und wollen. Allerdings ist die Entgeltumwandlung erklärungsbedürftig. Selbst auf Arbeitgeberseite scheint oft nicht ganz klar zu sein, wie sich das Modell im Einzelfall finanziell auswirkt.

Wie können Unternehmen ihre Mitarbeiter auf das Thema bAV ansprechen?

Hitschler: Je mehr Kommunikationswege es gibt, desto besser: Das können persönliche Beratungsgespräche, Informationsveranstaltungen, Auskünfte über das Intranet, E-Mail oder Broschüren sein. Wie unsere Studie zeigt, sind Apps eine vielversprechende Option. Zwar werden sie bisher nur selten eingesetzt, kommen aber besonders gut an: Nur drei Prozent nehmen sie nicht zur Kenntnis. Bei den anderen Kanälen liegt die Quote derer, die nicht erreicht werden, bei etwa zehn Prozent. Besonders bei jüngeren Mitarbeitern unter 25 Jahren ist der Wirkungsgrad von Apps außerordentlich hoch.

Gilt für Unternehmen also auch hier „Tue Gutes und rede darüber“?

Helfen: In jedem Fall sind Informationsdefizite ein entscheidender Grund, warum bAV-Angebote so wenig genutzt werden. Arbeitgeber könnten mehr aus der betrieblichen Altersversorgung machen. Sie tun gut daran, bei der Ausgestaltung gleich ein gewisses Budget für das interne Marketing einzukalkulieren. Denn sonst verpufft das Potenzial, das die bAV aus Unternehmenssicht birgt.

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Jürgen Helfen
Partner, PwC Germany
Tel.: +49 211 981-4362
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Dr. Daniel Hitschler
, PwC Germany
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