Der neue Bestätigungsvermerk

12 Juli, 2018

Durch die neuen Anforderungen der EU-Abschlussprüfungsverordnung sowie der internationalen und nationalen Prüfungsstandards verändert sich der im Rahmen einer Abschlussprüfung erteilte Bestätigungsvermerk grundlegend. Der kurze und standardisierte Bestätigungsvermerk wird zukünftig durch weitergehende Detailerläuterungen ergänzt werden. Ziel dieser Neuerungen ist es, die Kommunikation zwischen dem Abschlussprüfer und den Abschlussadressaten zu verbessern und die Aussagekraft des Bestätigungsvermerks zu erhöhen.

Neben einer Veränderung der Struktur des Bestätigungsvermerks, werden auch detaillierte Ausführungen (beispielsweise zur Verantwortung von gesetzlichen Vertretern, Aufsichtsorgan und Abschlussprüfer) aufgenommen. Bei Unternehmen von öffentlichem Interesse („Public Interest Entities“, PIEs) wird darüber hinaus die unternehmensspezifische Darstellung über sog. besonders wichtige Prüfungssachverhalte, dh. Key Audit Matters („KAMs") zu erheblichen Änderungen führen.

Bestandteile des neuen Bestätigungsvermerks

Darstellung besonders wichtiger Prüfungssachverhalte im Bestätigungsvermerk

Die Mitteilung von KAMs soll die Aussagekraft des Bestätigungsvermerks steigern, indem mehr Transparenz über die durchgeführte Abschlussprüfung geschaffen wird. Die Grundgesamtheit möglicher KAMs ergibt sich aus den zwischen dem Aufsichtsorgan und dem Abschlussprüfer kommunizierten Sachverhalten (z.B. die Erörterung mit dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats). Aus diesen Sachverhalten wählt der Abschlussprüfer diejenigen aus, die auf Basis seiner Einschätzungen am bedeutsamsten bei der Prüfung des Abschlusses waren, und daher als KAMs in den Bestätigungsvermerk aufgenommen werden.

„Von PwC wurden für Unternehmen des DAX 30 und MDAX während der Prüfungssaison 2017/2018 insgesamt 44 Bestätigungsvermerke nach den neuen Anforderungen inkl. KAMs erteilt.“

Die Beschreibung eines KAMs kann beispielhaft wie folgt formuliert werden:

Goodwill Impairment

Sachverhalt und Problemstellung

In dem Konzernabschluss der Gesellschaft werden Geschäfts- oder Firmenwerte mit einem Betrag von insgesamt [BETRAG] ([X,Y% der Bilanzsumme bzw. X,Y% des Eigenkapitals]) unter dem Bilanzposten [„Immaterielle Vermögenswerte“] ausgewiesen. Geschäfts- oder Firmenwerte werden einmal jährlich oder anlassbezogen von der Gesellschaft einem Werthaltigkeitstest unterzogen, um einen möglichen Abschreibungsbedarf zu ermitteln. Der Werthaltigkeitstest erfolgt auf Ebene der Gruppen von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten, denen der jeweilige Geschäfts- oder Firmenwert zugeordnet ist. Im Rahmen des Werthaltigkeitstests wird der Buchwert der jeweiligen zahlungsmittelgenerierenden Einheiten inklusive des Geschäfts- oder Firmenwerts dem entsprechenden erzielbaren Betrag gegenübergestellt. Die Ermittlung des erzielbaren Betrags erfolgt grundsätzlich auf Basis des beizulegenden Zeitwerts abzüglich Kosten der Veräußerung. Grundlage der Bewertung ist dabei regelmäßig der Barwert künftiger Zahlungsströme der jeweiligen Gruppe von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten. Die Barwerte werden mittels Discounted-Cash-Flow Modellen ermittelt. Dabei bildet die verabschiedete Mittelfristplanung des Konzerns den Ausgangspunkt, die mit Annahmen über langfristige Wachstumsraten fortgeschrieben wird. Hierbei werden auch Erwartungen über die zukünftige Marktentwicklung und Annahmen über die Entwicklung makroökonomischer Einflussfaktoren berücksichtigt. Die Diskontierung erfolgt mittels der gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten der jeweiligen Gruppe von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten. Als Ergebnis des Werthaltigkeitstests wurde kein Wertminderungsbedarf festgestellt.
Das Ergebnis dieser Bewertung ist in hohem Maße von der Einschätzung der gesetzlichen Vertreter hinsichtlich der künftigen Zahlungsmittelzuflüsse der jeweiligen Gruppe von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten, des verwendeten Diskontierungssatzes, der Wachstumsrate sowie weiteren Annahmen abhängig und dadurch mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet. Vor diesem Hintergrund und aufgrund der Komplexität der Bewertung war dieser Sachverhalt im Rahmen unserer Prüfung von besonderer Bedeutung.

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Prüferisches Vorgehen und Erkenntnisse

Im Rahmen unserer Prüfung haben wir unter anderem das methodische Vorgehen zur Durchführung des Werthaltigkeitstests nachvollzogen. Nach Abgleich der bei der Berechnung verwendeten künftigen Zahlungsmittelzuflüsse mit der verabschiedeten Mittelfristplanung des Konzerns haben wir die Angemessenheit der Berechnung insbesondere durch Abstimmung mit allgemeinen und branchenspezifischen Markterwartungen beurteilt. Zudem haben wir auch die sachgerechte Berücksichtigung der Kosten von Konzernfunktionen beurteilt. Mit der Kenntnis, dass bereits relativ kleine Veränderungen des verwendeten Diskontierungszinssatzes wesentliche Auswirkungen auf die Höhe des auf diese Weise ermittelten Unternehmenswerts haben können, haben wir uns intensiv mit den bei der Bestimmung des verwendeten Diskontierungszinssatzes herangezogenen Parametern beschäftigt und das Berechnungsschema nachvollzogen. Um den bestehenden Prognoseunsicherheiten Rechnung zu tragen haben wir die von der Gesellschaft erstellten Sensitivitätsanalysen nachvollzogen
Die von den gesetzlichen Vertretern angewandten Bewertungsparameter und -annahmen stimmen insgesamt mit unseren Erwartungen überein und liegen auch innerhalb der aus unserer Sicht vertretbaren Bandbreiten.

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Verweis auf weitergehende Informationen

Die Angaben der Gesellschaft zu den Geschäfts- oder Firmenwerten sind [in Textziffer X] des Konzernanhangs enthalten.

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Pensionsrückstellungen

Sachverhalt und Problemstellung

In dem Konzernabschluss der Gesellschaft werden unter dem Bilanzposten „Pensionsrückstellungen“ insgesamt [BETRAG] ([X,Y% der [Konzernbilanzsumme]]) ausgewiesen. Die Pensionsrückstellungen setzen sich zusammen aus den Verpflichtungen aus leistungsorientierten Versorgungsplänen in Höhe von [BETRAG] und dem Planvermögen in Höhe von [BETRAG]. Die Bewertung der Verpflichtungen aus leistungsorientierten Versorgungsplänen erfolgt nach der Methode der laufenden Einmalprämien (Projected Unit Credit Method). Dabei sind insbesondere Annahmen über die langfristigen Gehalts- und Rententrends, die durchschnittliche Lebenserwartung und die Fluktuation zu treffen. Der Abzinsungssatz ist aus der Rendite hochwertiger, währungskongruenter Unternehmensanleihen mit vergleichbaren Laufzeiten abzuleiten. Dabei müssen regelmäßig Extrapolationen vorgenommen werden, da keine ausreichenden langfristigen Unternehmensanleihen existieren. Die Bewertung des Planvermögens erfolgt zum beizulegenden Zeitwert, der wiederum mit Schätzungsunsicherheiten verbunden ist.
Aus unserer Sicht waren diese Sachverhalte im Rahmen unserer Prüfung von besonderer Bedeutung, da der Ansatz und die Bewertung dieses betragsmäßig bedeutsamen Postens in einem wesentlichen Maß auf Einschätzungen und Annahmen der gesetzlichen Vertreter der Gesellschaft basieren.

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Prüferisches Vorgehen und Erkenntnisse

Im Rahmen unserer Prüfung haben wir unter anderem die eingeholten versicherungsmathematischen Gutachten und die fachliche Qualifikation der externen Gutachter gewürdigt. Ferner haben wir uns unter anderem mit den spezifischen Besonderheiten der versicherungsmathematischen Berechnungen befasst und das Mengengerüst, die versicherungsmathematischen Parameter, sowie das den Bewertungen zugrundeliegende Bewertungsverfahren auf Standardkonformität und Angemessenheit überprüft. Zudem wurde die Entwicklung der Verpflichtung und der Aufwandskomponenten gemäß versicherungsmathematischem Gutachten vor dem Hintergrund der eingetretenen Änderungen in den Bewertungsparametern und im Mengengerüst analysiert und plausibilisiert. Für die Prüfung des beizulegenden Zeitwerts des Planvermögens haben wir Bank- und Fondsbestätigungen eingeholt.
Auf Basis unserer Prüfungshandlungen konnten wir uns davon überzeugen, dass die von den gesetzlichen Vertretern vorgenommenen Einschätzungen und getroffenen Annahmen begründet und hinreichend dokumentiert sind.

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Verweis auf weitergehende Informationen

Die Angaben der Gesellschaft zu den Pensionsrückstellungen sind in Textziffer X des Konzernanhangs enthalten.

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Alle KAMs auf einen Blick

In diesen Bestätigungsvermerken wurden insbesondere zu folgenden Themenbereichen KAMs aufgenommen. Hierbei waren in Bestätigungsvermerken zu Konzernabschlüssen das Thema Goodwill und in Bestätigungsvermerken zu Jahresabschlüssen  das Thema Anteilsbewertung am häufigsten vertreten.

 

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