79 Qualitäts-Tipps

10 September, 2018

IOSCO-Konsultation zum Prüfungsausschuss – Good Practices für mehr Prüfungsqualität

Die Qualität externer Abschlussprüfungen muss ebenso weiter steigen wie die Konsistenz der Arbeit von Prüfungsausschüssen. Das zeigten laut internationaler Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) die Überprüfungen nationaler Regulierungsbehörden.  

Aus diesem Grund hat die IOSCO Best Practices für Prüfungsausschüsse von Wertpapieremittenten erarbeitet und zur Diskussion gestellt. 

IOSCO identifiziert Inkonsistenzen bei Erfüllung der Ausschusspflichten 

Wie viel Vertrauen ein Emittent am Markt genießt, hängt fundamental von der Qualität seiner Finanzberichterstattung ab. 

Für die Qualität dieser Informationen ist laut IOSCO neben dem Abschlussprüfer vor allem der Prüfungsausschuss verantwortlich, wählt dieser doch den Abschlussprüfer aus, legt Prüfungsschwerpunkte fest und vereinbart das Prüfungshonorar.

Insgesamt sieht die IOSCO hier Handlungsbedarf. Denn die internationalen Regulierungsbehörden seien bei vielen Prüfungen auf Optimierungspotenzial gestoßen. Außerdem arbeiteten Prüfungsausschüsse verschiedener Unternehmen sehr unterschiedlich. Das führe zu Inkonsistenz bei Erfüllung der Ausschusspflichten. 

Im vorliegenden Konsultationsbericht stellte die IOSCO nun Vorschläge für 79 Best Practices zusammen. Nach Ansicht der IOSCO kann die Prüfungsqualität erhöht werden, wenn Prüfungsausschüsse diese Best Practices berücksichtigen.

Ein Thema ist die Besetzung des Ausschusses. Hier sollte vor allem auf eine angemessene Zahl unabhängiger Mitglieder und ausreichende Kenntnisse in den Bereichen Finanzberichterstattung und Abschlussprüfung geachtet werden. Darüber hinaus sei kontinuierlich eine professionelle Skepsis gefragt. So müsse das Vorgehen von Vorstand und Abschlussprüfer immer wieder hinterfragt werden. 

Bei der Empfehlung des Prüfungsausschusses für die Wahl des Abschlussprüfers hätten Prüfungsqualität sowie Unabhängigkeit des Prüfers im Vordergrund zu stehen – und nicht ein möglichst geringes Prüfungshonorar. Wichtig seien zum Beispiel Industrie- und Geschäftskenntnisse des Prüfers, seine fachliche Expertise und die Frage, in welcher Form der Prüfungspartner und sein Team Verantwortung für die Prüfungsqualität übernähmen. Das Honorar sollte dann im Einklang mit dem Prüfungsplan und den Besonderheiten des Unternehmens festgelegt und über die Jahre angepasst werden.

Der Prüfungsausschuss hätte auch zu einer vereinfachten Durchführung der Abschlussprüfung beizutragen. Unter anderem müsse er dem Management Anreize für eine zeitgerechte und ordnungsgemäße Buchführung sowie Berichterstattung setzen und diese überwachen. Darüber hinaus seien Management und relevante Mitarbeiter zu ermutigen, mit dem Abschlussprüfer zu kooperieren. So ließe sich vermeiden, dass bestimmte Aspekte übersehen oder aus Zeitdruck nicht sachgerecht angegangen würden.  

Kommunikation zwischen Prüfungsausschuss und Abschlussprüfer soll gestärkt werden

Die Kommunikation zwischen Prüfungsausschuss und Abschlussprüfer müsse gestärkt werden. Die IOSCO fordert ein direktes, offenes, zeitnahes, aussagekräftiges und wechselseitiges Miteinander der Beteiligten. Als Best Practices gelten unter anderem:

  • Der Prüfungsausschuss informiert den Abschlussprüfer über Geschäftszwecke, relevante Risiken, komplexe Transaktionen sowie über die Kommunikation mit Aufsichtsbehörden und diskutiert mit ihm die Prüfungsstrategie sowie Key Audit Matters.
  • Der Prüfer kommuniziert uneingeschränkt und offen mit dem Prüfungsausschuss, er wird außerdem regelmäßig zu Sitzungen des Prüfungsausschusses eingeladen.
  • Ohne Vorstand erörtert der Prüfungsausschuss mit dem Prüfer regelmäßig strittige Punkte zwischen Prüfer und Vorstand.  

Darüber hinaus habe der Prüfungsausschuss die Leistungen des Prüfers und die Prüfungsqualität kontinuierlich zu überwachen und zu beurteilen, ob der Prüfer in der Lage ist, einen verlässlichen Bestätigungsvermerk zu erteilen. Gegebenenfalls müsse der Ausschuss auf Qualitätskontrollen der Aufsichtsbehörden für Wirtschaftsprüfer zurückgreifen.

Die IOSCO schlägt auch eine freiwillige externe Berichterstattung des Prüfungsausschusses über seinen Beitrag zur Erhöhung der Prüfungsqualität vor. Die Konsultation der IOSCO umfasst einen Fragenkatalog zu den Best Practices und endete am 24. Juli 2018.

Contact us

Dr. Henning Hönsch

Board Services, PwC Germany

Tel.: +49 211 981-2720

Martin Kaspar

Board Services, PwC Germany

Tel.: +49 69 9585-2969

Follow us